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Elke Göß wird von der sizilianischen Mafia bedroht. Sie ist ein Gegner der „Eucharistischen Ökumene“

"Ich bin nie allein". Diesen Satz sagte Papst Benedikt XVI. vor einigen Jahren. Ich bin auch nie allein. Kaum zu glauben. Dennoch gibt es Personen, die mich bedrohen. Heute in der Tram von Trastevere (Rom) bis zum Tiber fragte mich ein Mann "Dove è l'ospedale per stranieri?" Das heißt: "Wo ist das Krankenhaus für Fremde?" Ich fragte ihn, ob er Touristen oder Fremde meinen würde. Er wiederholte seine Frage. An der Haltestelle "Belli" (die Guten) zeigte ich auf die Tiberinsel und verwies ihn auf das Ospedale Fatebenefratelli (Macht es gut, Brüder). Gut meinte es der Italiener, vermutlich Sizilianer, der in Begleitung eines zweiten Mannes war, in der voll besetzten Tram sicher nicht.

Genau zur gleichen Zeit ging es um 15.30 Uhr im Senat in Rom um das Scheitern der Regierung aus 5Stelle und Lega unter Regierungschef Giuseppe Conte. Inzwischen ist es Abend. Giuseppe Conte ist zurückgetreten, nachdem Staatspräsident Sergio Mattarella seinen Rücktritt angenommen hat. Der Sizilianer Sergio Mattarella ist ein entschiedener Gegner der sizilianischen Mafia, denn sie hat vor Jahrzehnten seinen Bruder ermordet. Innenminister Matteo Salvini machte vergangene Woche auf Sizilien bereits Wahlkampf, nachdem er vor zwei Wochen die Regierung für gescheitert erklärte. Zieht Innenminister Matteo Salvini erneut die sizilianische Mafia nach Rom? Vor etwa acht Jahren musste sie Rom verlassen.

Bereits vor drei Wochen stellte sich mir ein junger Sizilianer in einem Café an der Piazza Risorgimento, direkt vor den Mauern des Vatikans, vor. Diese Sizilianer äußern sich offen gegen die Möglichkeit, dass es Frauen als Priesterinnen in der römisch-katholischen Kirche geben könnte. Sie wollen keine Frauen, sagten sie.

Diese Haltung ist schwierig. Beide Päpste, Benedikt XVI. und Franziskus, haben mir bisher keine grundsätzliche Absage der "Eucharistischen Ökumene" mitgeteilt. Im Gegenteil. Derzeit heißt es wieder, dass etwas vorangehe. Die Alternativen sind wenig sinnvoll. Alle anderen Protagonistinnen fordern die Abschaffung des Zölibates. Nur ich kann mit der "Eucharistischen Ökumene" die Frage des Zölibates trennen von der Möglichkeit der Einführung des Frauenpriestertums in der römisch-katholischen Kirche. Viele andere Protagonistinnen sind oder waren verheiratet und stellen sich vor, sie könnten Priesterinnen sein. Ich war nie verheiratet und ich bin Pfarrerin (ohne Dienstauftrag), ich bin also schon acht Jahre im Vikariat und in der z.A.-Zeit hauptamtlich in Kirchengemeinden tätig gewesen. Ich habe alle Ausbildungsstufen zur evangelischen Pfarrerin erfolgreich durchlaufen und bestanden. Das kann keine der anderen Protagonistinnen von sich sagen. Die meisten würden, würden Frauen als Priesterinnen zugelassen werden, am Anfang des zweiten Ausbildungsabschnittes, am Beginn des Praxisteils, starten.

Mit mir ist die Einführung des Frauenpriestertums in der römisch-katholischen Kirche jederzeit möglich. Allerdings habe ich Folgeschäden von zehn körperlichen Misshandlungen durch sieben vatikanische Polizisten. Eine Operation erfolgte vor zwei Jahren, eine weitere Operation wird kommen. Man kann sich kaum vorstellen, dass ich am Stock hinkend zum Altar gehe, um mit Papst Franziskus oder mit Papst em. Benedikt XVI. Eucharistie zu feiern.

Diese zeitliche Verzögerung, die mit meiner körperlichen Konstitution zusammenhängt, lässt nun scheinbar eine Lücke, in die neu nach Rom gekommene Sizilianer vorstoßen.

Das gab es schon einmal. Bereits im Pontifikat von Papst Benedikt XVI. wurde ich mehrmals in Rom massivst bedroht. Im Juli 2009 wurde ich Opfer einer rechtsradikal motivierten Körperverletzung. Ein etwa 20 Jahre alter Italiener verletzte mich im Zug zum Flughafen Fiumicino im Beisein seiner Eltern schwer. Seine Mutter bedrohte mich mit rechtsradikalen Sprüchen. Ich sei eine Fremde und ich solle nach Hause zurückkehren, sonst ... Die Polizei in Fiumicino hat die Personalien des jungen Mannes aufgenommen. Zu einer Strafverfolgung kam es von Seiten der Polizei in Fiumicino nicht. Nun werde ich erneut als "stranieri" bedroht. Sonst hat mich in den vergangenen 23 Jahren niemand "straniera" genannt. "Ci vediamo", sagte der Italiener heute in der Tram.

Ich glaube, er weiss nicht, was er sagt. Würde mir erneut etwas zustoßen, wären meine Chancen bei Papst Franziskus noch höher als sie schon sind. Papst Franziskus ist ein entschiedener Gegner der Mafia, der N'Drangeta und der Cosa Nostra. Er hat alle Angehörigen dieser kriminellen Vereinigungen insgesamt exkommuniziert. Man fragt sich also, wie die Mafia dann zu der Meinung kommt, sie könne mitreden, ob es zu einem Frauenpriestertum in der römisch-katholischen Kirche kommen wird.

Zudem hat Papst Franziskus immer wieder von der "Ökumene des Blutes" gesprochen. Damit meint er, dass es Märtyrerinnen und Märtyrer für die Ökumene gibt. Eigentlich bin ich bereits seit 23. März 2008 eine Märtyrerin. Ich leide seit elf Jahren ununterbrochen an den Folgen der Misshandlungen am Ostersonntag 2008. Ich habe mehrfach gehört, dass Papst Franziskus mich heilig sprechen will. Ich wäre die erste lebende Person, die heiliggesprochen werde würde. Ich wäre die erste Protestantin, die heiliggesprochen werde würde.

Wie würden sich wohl Sizilianer fühlen, wenn ihre sture, völlig aus der Zeit gefallene Meinung, es dürfe keine Frauen als Priesterinnen geben, von Papst Franziskus, der die Mafia bekanntlich überhaupt nicht mag, durchkreuzt wird? Staatspräsident Sergio Mattarella hätte Papst Franziskus an seiner Seite. Die Mafia gegen die Hälfte der Menschheit, die aus Frauen besteht - kann das die Zukunft sein? Darf man sich an diesem Punkt der Meinung der Mafia beugen?

Vielleicht hilft im Land der organisierten Kriminalität ein Blick auf die anderen "Organisationen". In Rom hat die "Cosa Nostra" das Sagen. Sie ist für Frauen als Priesterinnen, Bischöfinnen und Kardinälinnen in der römisch-katholischen Kirche. Die "Cosa Nostra" und die Mafia sind sich spinnefeind. Im Süden Italiens gibt es noch die N'Drangheta, vor allem in Kalabrien. Sie hält sich bei dieser Frage heraus. Das bedeutet, sie würde Frauen als Priesterinnen in der römisch-katholischen Kirche tolerieren und es bedeutet, sie ist dafür. Zwei große süditalienische kriminelle Organisationen sind für Frauen als Priesterinnen in der römisch-katholischen Kirche und die sizilianische Mafia ist dagegen.

Meine Meinung dazu ist, dass sich die römisch-katholische Kirche und der italienische Staat darum kümmern sollten, dass die Sizilianer auf der Höhe der Zeit sind. Ich habe kein Interesse, dass ich die Folgen des kirchlichen und des politischen Nichtstuns wieder abbekomme. Gerne können sich auch die beiden anderen "Organisationen" in Süditalien darum kümmern, dass die Sizilianer mich nicht bedrohen und mich in Ruhe lassen. Würde mir erneut körperliche Gewalt zugefügt werden, würde dies nicht dazu führen, dass es keine Frauen als Priesterinnen in der römisch-katholischen Kirche geben würde. Eine andere Frau würde dann die Erste sein und wahrscheinlich würde es wesentlich stärkere Veränderungen von Beginn an geben müssen. Es würden viele Jahre vergehen. Die Zahlen der Kirchenaustritte würden gleichbleiben oder sogar noch steigen, da die Frauenintegration ein Menschenrecht ist. Außerdem würde die römisch-katholische Kirche vermutlich Millionen Euro investieren müssen für Sitzungen, Besprechungen, Diskussionsrunden und ähnliches. Viele Fragen müssten neu austarriert werden. Eine nicht definierbare Zeitspanne würde vergehen. Ob es zu Einigungen käme und wie diese ausfallen würden, kann niemand vorhersagen. Die Frage, ob, wann und wie Frauen als Priesterinnen in der römisch-katholischen Kirche wirken können, würde sich in eine ungewisse Zukunft verschieben.

 

Elke Göß

 

Rom, 20. August 2019

 

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update: 11. September 2019

Installation: 10. Mai 2018

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