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Freiherr Enoch zu Guttenberg ist im Alter von 71 Jahren gestorben. Er war ein Gegner der "Eucharistischen Ökumene"

 

Ein Pferdefuhrwerk biegt beim Ortsteil Mannsflur der oberfränkischen Gemeinde Marktleugast von einer Seitenstraße auf die Bundesstraße 289 und behindert dabei ein auf der Vorfahrtsstraße fahrendes Auto. Die Fahrerin muss sehr stark abbremsen. Es ist gerade noch gut gegangen. Sie kurbelt das Fenster herunter und will den Mann auf den Kutschbock fragen, was ihn denn geritten habe, dass er sein 1 PS starkes Gefährt auf eine Straße lenkt, auf der ein achtzig Stundenkilometer schnell fahrendes Auto herannaht. Der Mann auf dem Kutschbock mit wirrem Haar und einem zerbeutelten, zeschlissenen Sakko scheint wie abwesend. Aufgeschreckt blöfft er mürrisch, dass sie eben aufpassen müsse. Auf die Autofahrerin macht er einen fahruntüchtigen Eindruck. Wer ist er? Fährt er hier öfters? Sie hatte sehr scharf bremsen müssen. Hatte der ältere Herr sie nicht gesehen oder hatte er absichtlich seine Vorfahrt provoziert?

Diese kleine Szene an einem frühen sonnigen Frühsommernachmittag war die erste Begegnung von Pfarrerin z.A. Elke Göß, deren Sprengel die Gemeinde Marktleugast war, mit dem Freiherrn Enoch zu Guttenberg, wie sich später herausstellte. Man kannte den Mann mit dem Pferdegespann,(1) erfuhr Elke Göß wenig später. Erst sehr viel später wurde Pfarrerin z.A. Elke Göß bewußt, dass sich ihr Sprengelgebiet mit dem Gebiet des Freiherrn Enoch zu Guttenberg kreuzte. Von Mannsflur aus fährt man nur 5,5 Kilometer bis zum Schloß Guttenberg, dem Stammsitz der Familie. Mannsflur liegt zwar im Landkreis Kulmbach, wie die 750 Jahre alte Ortschaft Guttenberg auch. Doch die Kirchengemeinde Mannsflur-Marktleugast gehört zur Kirchengemeinde Stammbach im Landkreis Hof. Es bestehen sehr wenige Beziehungen von Mannsflur nach Guttenberg. Wie das evangelisch geprägte Mannsflur gehört auch der Ortsteil Marienweiher, einer der ältesten Marienwallfahrtsorte Deutschlands(2), zur Gemeinde Marktleugast. Das Kloster Marienweiher mit seinen aus Polen stammenden Franziskanermönchen spielte eine große Rolle während der z.A.-Zeit von Pfarrerin Elke Göß in den Jahren 1994 bis 1999. Der inzwischen mit über 80 Jahren verstorbene Pater Serafim galt 1994, als Elke Göß die z.A.-Stelle als erste Frau im Pfarrdienst antrat, als erbitterter Gegner der Frauenordination. Pater Serafim war dem stark konservativen Spektrum in der römisch-katholischen Kirche zuzurechnen.

Durch gemeinsame ökumenische Andachten jedes Jahr im Januar kam man sich jedes Jahr etwas näher. Zur ersten gemeinsamen ökuemischen Andacht im Januar 1995 hatte Pater Serafim Pfarrerin z.A. Elke Göß in die Basilika Marienweiher eingeladen und sie sollte die Ansprache halten. Zwar fühlte sich Pfarrerin z.A. Elke Göß damals bereits seit mehr als 15 Jahren der römisch-katholischen Kirche verbunden. In einer Marienwallfahrtsbasilika vor sechs polnischen Franziskanern und sich nicht gerade freundlich gesinnten katholisch und evangelisch Gläubigen eine Ansprache zu halten, erschien als immense Herausforderung. Pfarrerin z.A. Elke Göß befürchtete, ökumenisch zu scheitern. Polnische Franziskaner kennen die römisch-katholische Lehre eindeutig besser wie eine Pfarrerin z.A. der evangelisch-lutherischen Kirche. Was wäre geschehen, wenn sie die römisch-katholische Lehre falsch wiedergegeben hätte? Auch der beste gute Wille hätte dann nichts genützt. Aus und vorbei wäre es mit der Ökumene vor Ort gewesen. Düppiert, verärgert wären die katholischen Brüder und Schwestern gewesen. Da galt es, Flagge zu zeigen. Dann war ein Bekenntnis zur evangelisch-lutherischen Lehre das Beste. Darüber konnte man anschließend diskutieren. Pfarrerin z.A. Elke Göß hielt also im Januar 1995 eine Ansprache über Martin Luther und dessen Glaubensgrundsätze in der Basilika Marienweiher, einem der ältesten Marienwallfahrtsorte Deutschlands, vor sechs polnischen Franziskaner-Fratres und -Patres. Beim anschließenden Kirchenkaffee erwartete sie, von Pater Serafim geköpft zu werden. Doch er begrüßte sie höchst erfreut, bedankte sich in einer kleinen Rede für die Ansprache und sagte, dass er jedes Wort unterschreiben hätte können. Dieses Lob war so verblüffend ehrlich und so spontan, dass Pfarrerin z.A. Elke Göß daraufhin Vertrauen und Mut in die ökumenischen Beziehungen mit Pater Serafim setzte. In den kommenden fünf Jahren wurde Pater Serafim der wichtigste Kollege von Pfarrerin z.A. Elke Göß. An Ostern 1999 luden die Franziskaner sie sogar nach ihrem Gottesdienst in Mannsflur ins Kloster zum Osterfrühstück ein. In einer zeitenweise sehr schwierigen Gemeindesituation in Stammbach blieb das Verhältnis zu den Franziskaner-Patres und -Fratres in Marienweiher konsequent stabil, stets freundlich und sehr hilfsbereit. In Gesprächen mit Pater Serafim brachte Pfarrerin z.A. Elke Göß ihm ihren Ansatz für eine "Eucharistische Ökumene", wie sie das Projekt seit 2008 nennt, nahe. Pfarrerin z.A. Elke Göß hat von Pater Serafim ausschließlich positive Rückmeldungen bekommen. Sie ist sich sicher, dass Pater Serafim sich kirchenintern erkundigt hatte und dass er sich Rückenstärkung "von oben" geholt hatte. Der Wechsel von einem Gegner der Frauenordination zu einem Befürworter des Projektes von Pfarrerin z.A. Elke Göß, der "Eucharistischen Ökumene", war für Pater Serafim kein Problem.

Pater Serafim pufferte einige Angriffe ab, die von Seiten des Freiherrn Enoch zu Guttenberg kamen. Bereits kurz nach der ersten ökumenischen Andacht soll ein mächtiger Katholik versucht haben, in die Ordinationsvorbereitungen einzugreifen. Pfarrerin z.A. Elke Göß hatte vor ihrem Ersten Examen an der Ludwig-Maximilian-Universität München bei Professor Dr. Trutz Rendtorff studiert, der als der profundeste Vertreter der "Liberalen Theologie" in Deutschland galt. Diese theologische Richtung war Freiherr zu Guttenberg suspekt. Sie paßte ihm gar nicht.

Enoch zu Guttenberg versuchte über Pater Serafim Einfluss auf das Leben und die Verkündigung von Pfarrerin z.A. Elke Göß zu nehmen. In Guttenberg war Enoch der Patron der evangelisch-lutherischen Kirche.(3) Dies bedeutet, dass er ein Mitspracherecht oder zumindest ein Vetorecht hatte, wenn ihm als Katholik ein evangelisch-lutherischer Pfarrer oder eine evangelisch-lutherische Pfarrerin in "seiner" Gemeinde nicht zusagte. Doch bis in das 5,5 Kilometer entfernte Markleugast reichten die Patronatskompetenzen des Freiherrn Enoch zu Guttenberg nicht, obwohl er Besitzungen hatte, die vom Gemeindegebiet umschlossen wurden. Enoch zu Guttenberg muss einiges versucht haben, um über Pater Serafim Einfluss auf Pfarrerin z.A. Elke Göß zu nehmen. Es war die Zeit, bevor er seine zweite Frau Ljubka Biagioni kennenlernte. Zu Hausmessen lud er katholische Geistliche auf das Schloss ein. Strenge vom Freiherrn entworfene Hausregeln galten, wer wann wie an einer Messe teilnehmen durfte. Die Predigten der römisch-katholischen Geistlichen mussten bestimmten dogmatischen und ethischen Standards entsprechen. In der aus dem theologischen Liberalismus kommenden jungen evangelisch-lutherischen Pfarrerin z.A.sah Freiherr Enoch zu Guttenberg eine geistliche Gefahr. Enoch zu Guttenberg versuchte, seine religiösen Ansichten auch auf die evangelisch-lutherische Gemeinde Stammbach-Marktleugast zu übertragen, indem er Druck auf Pater Serafim ausübte. Enoch zu Guttenberg soll zeitweise sogar erwogen haben, das Kloster Marienweiher zu kaufen, um dadurch Einfluss auf die Ökumene von Pater Serafim und Pfarrerin z.A. Elke Göß nehmen zu können. Pater Serafim holte sich Rückendeckung beim Bamberger Erzbischof Ludwig Schick. Dieser hat sich sicherlich Rückendeckung aus Rom geholt. Wenig später liess der Würgegriff des Freiherrn zu Guttenberg nach. Es scheint eine Entscheidung nach dem Motto "Roma locuta causa finita" gewesen zu sein. Die von Pfarrerin z.A. Elke Göß projektierte Ökumene einer in der Apostolischen Sukzession ordinierten, ledig lebenden Pfarrerin z.A., die mit den Überzeugungen der Glaubenskongregation übereinstimmt, konnte sich weiterentwickeln. Die Freundlichkeit und Unterstützung von Pater Serafim werden Elke Göß immer in Erinnerung bleiben. Zeitweise war das kollegiale Verhältnis zu Pater Serafim besser wie zu allen anderen Kolleginnen und Kollegen aus dem Pfarrkapitel des Dekanates Münchberg unter Leitung von Dekanin Susanne Kasch.

Entweder, weil Freiherr Enoch zu Guttenberg mit dem Versuch der Einflußnahme gescheitert war, oder weil er sich anderweitig orientierte und sich für Anderes interessierte - offiziell nachprüfbar unterliess er daraufhin sein Verhalten des Druckausübens. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Enoch zu Guttenberg hinter den Kulissen gegen Elke Göß intrigierte.

Im Juni 2009 entdeckte Elke Göß, die an der Universität Bayreuth das Kolloquium "Intradisziplinäres Forum Franken" besuchte, mehrere Mängel in der Doktorarbeit des damals amtierenden Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg und äußerte diesbezügliche Bedenken im Kolloquium. Elke Göß war klar, dass es sich bei dem Autor Karl-Theodor zu Guttenberg nicht nur um einen amtierenden Minister handelte, sondern auch um den Sohn des Freiherrn Enoch zu Guttenberg. Diesen hatte ihr Pater Serafim rund 15 Jahre vorher als ethisch äußerst präzisen und anspruchsvollen Menschen geschildert, der großen Wert auf die Einhaltung von Regeln und Pflichten legte. Elke Göß konnte sich deshalb nicht vorstellen, dass Karl-Theodor zu Guttenberg die Mängel in seine Doktorarbeit vosätzlich eingebracht haben könnte. Wenn der Vater so präzise die Einhaltung von Regeln propagierte, würde er dies auch seinem eigenen Sohn gegenüber fordern. Für die unordentlich erarbeiteten Passagen in der Doktorarbeit müsse es eine andere plausibe Erklärung geben, dachte Elke Göß, die zu diesem Zeitpunkt an Kolloquien teilgenommen hatte in den Bereichen Evangelische Theologie, Religionswissenschaft, Soziologie, Politikwissenschaft, Geschichtswissenschaft und nun in Jura. Obwohl einer der verantwortlichen Professoren, Professor Dr. Oliver Lepsius, im Juni 2009 im Kolloquium "Intradisziplinäres Forum Franken" sofort spontan emotional reagierte und von einem großen Betrugsskandal sprach, geschah daraufhin erst einmal gar nichts. Im Januar 2011 entspann sich dann ein immer stärker werdender Presseskandal nach einem Artikel in der "Süddeutschen Zeitung". Andere gaben sich als Erstentdecker der Fehler in der Doktorarbeit des amtierenden Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg aus. Am 23. Juni 2011 startete Elke Göß die Internetseite "Lib & In" (Liberal & Innovativ) mit dem Artikel "Grimme Online Award 2011 an GuttenPlag Wiki - Fehler in zu Guttenbergs Doktorarbeit bereits im Sommer 2009 entdeckt".(4) Den überbordenden Presseskandal zu Lasten von Karl-Theodor zu Guttenberg konnte Elke Göß nicht mehr stoppen. Am 10. Juli 2011 veröffentlichte der "Stern", dass dessen Vater Freiherr Enoch zu Guttenberg den Pressewirbel "wie einen Tsumani" empfunden hat.(5)

Sieben Jahre später ist alles vorbei. Karl-Theodor zu Guttenberg hat sich eine neue Existenz in de USA aufgebaut. Seine Frau Stefanie gründete mit einer Freudin eine Immobilien-Interior-Firma in den USA. Enoch zu Guttenberg hat in den letzten Jahren im höheren Alter eine internationale Karriere mit Konzertreisen aufgebaut. Nach einer annulierten Ehe und einer geschiedenen Ehe war er seit zehn Jahren mit der 31 Jahre jüngeren Sopranistin Susanne Bernhard liiert. Am 15. Juni 2018 morgens ist Freiherr Enoch zu Guttenberg im Klinikum Großhadern in München im Alter von 71 Jahren verstorben. Er war ein Gegner der "Eucharistischen Ökumene", die am 14. Juni 2018 ihr zehnjähriges Bestehen feiern konnte. Recherchen in den vatikanischen Archiven werden eines Tages zeigen: Vielleicht war Freiherr Enoch zu Guttenberg einer der entschiedendsten und erbittersten Gegner der "Eucharistischen Ökumene". Ganz im Stile der Raubritter, in der die Familie zu Guttenberg steht, kämpfte Enoch zu Guttenberg aus dem Hinterhalt und niemals mit offenem Visier. Die Leitung der römisch-katholischen Kirche hat der "Eucharistischen Ökumene" und ihrer Entdeckerin Pfarrerin (ohne Dienstauftrag) Elke Göß die Vorfahrt in der Kirchengeschichte der römisch-katholischen Kirche gesichert.

 

Elke Göß   

 

(1) vgl. Gemeinde "schockiert" über den Tod von Enoch zu Guttenberg, https://www.rtl.de/cms/gemeinde-schockiert-ueber-tod-von-enoch-zu-guttenberg-4177801.html,16.06.2018

(2) vgl. Basilika Marienweiher, https://de.wikipedia.org/wiki/Basilika_Marienweiher,16.06.2018

(3) vgl. Frenzel Veronica (2011): Besuch im Dorf. Guttenberg: Die Trotzburg, https://www.tagesspiegel.de/politik/besuch-im-dorf-guttenberg-die-trotzburg/3887122.html,16.06.2018

(4) vgl. Lib & In Archiv chronologische Übersicht I, http://www.libandin.com/lib-in-archiv/lib-in-archiv-chronologische-uebersicht-1/,16.06.2018

(5) vgl. roh/AFP (2011): Guttenberg und das Plagiat. Vater Enoch empfand Affäre "wie einen Tsumani", https://www.stern.de/news/guttenberg-und-das-plagiat-vater-enoch-empfand-affaere--wie-einen-tsunami--3055196.html,16.06.2018

 

16. Juni 2018

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update: 29. September 2019

Installation: 10. Mai 2018

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