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Pilgern von St. Gallen nach Rom und niemand wartet auf "Kirche mit* den Frauen"

 

Einleitung

1. Eine unbekannte Gruppierung mit einem großen Ziel

2. "Kirche mit* den Frauen" und Gudrun Sailer

3. Ziel erreicht, aber nicht angekommen

4. Kein rhythmischer Gleichklang mit dem Terminkalender von Papst Franziskus

5. Unterstützer und Verhinderer?

Fazit

 

Einleitung

 

Zwei Frauen stehen an einer Straßenecke im Zentrum von Rom. Sie tragen weiße T-Shirts, auf denen sie Buttons angebracht haben mit dem Logo "Kirche mit* den Frauen". Ratlos blicken sie auf eine App auf ihrem Handy. Elke Göß spricht die beiden Frauen an, die schweizerischen Dialekt sprechen. Sie suchen in einer kleinen Straße in der Nähe die Hausnummer 85, weil sie sich mit anderen dort treffen wollen, die Straße habe jedoch nur Häuser bis zur Nummer 8. Mitten im Zentrum soll eine Straße nur acht Häuser haben? Die beiden Frauen nehmen die Suche nach Nummer 85 in dem römischen Gäßchen nochmals auf.

Es ist fraglich, ob die beiden Schweizerinnen viele Mitstreiterinnen und Mitstreiter gefunden haben in dem Restaurant, das sie gesucht haben. Das EM-Fußballspiel Deutschland-Italien soll an diesem Abend in Frankreich laufen und zumindest fußballbegeisterte Italienerinnen und Italiener dürften an diesem Abend etwas anderes vorhaben.

 

1. Eine unbekannte Gruppierung mit einem großen Ziel

 

Sie hätten Großes vorgehabt an diesem 2. Juli 2016. Nach zweimonatiger Pilgerreise hätten sie heute mit Papst Franziskus im Petersdom vorne in der Apsis eine Messe feiern wollen. Sie hatten mit bis zu tausend Frauen gerechnet. Vor Elke Göß standen zwei Frauen. Man hätte den Weg der zweimonatigen Pilgerreise von St. Gallen nach Rom in Etappen gehen können. Niemand weiß somit genau, wie viele Frauen und Männer dieses Projekt tatsächlich unterstützt haben. Das Pilgerprojekt und der 2. Juli 2016 müssen eine große Enttäuschung für die Schweizerinnen gewesen sein.

 

2. "Kirche mit* den Frauen" und Gudrun Sailer

 

Vor Beginn der Wallfahrt nach Rom wurde die "Ideengeberin" von "Kirche mit* den Frauen", die Theologin und Pastoralassistentin Hildegard Aepli am 1. Mai 2016 von Gudrun Sailer von Radio Vatikan interviewt.(1) Gudrun Sailer ist die selbst ernannte "Frauenbeauftragte" von Radio Vatikan. Sie hat im März 2008 das Buch "Frauen im Vatikan" herausgegeben, für das sie im Vatikan tätige Frauen befragte.(2) In einer bei Amazon erschienenen Rezension hat Elke Göß die Frage gestellt: "Warum hat sich die Haushälterin des Papstes geweigert, hier interviewt zu werden?"(3) Nachdem sich Gudrun Sailer in Beiträgen zu Sendungen des Bayerischen Rundfunks antisemitisch und für eine Nivellierung des faschistischen Führers Benito Mussolini ausgesprochen hatte, sind  über einen längeren Zeitraum keine zeitkritischen Sendungen mehr von ihr ausgestrahlt worden. Ein Grund dafür dürfte gewesen sein, dass Gudrun Sailer lediglich Literaturwissenschaft studiert hat und keine spezifische Medienausbildung absolviert hat. Ebenso hat sie keine theologischen Studien vorzuweisen. Sie muss ihre Anstellung bei Radio Vatikan über Beziehungen erhalten haben. Zu diesem Zeitpunkt war Alberto Gasbarri, der Reisemarschall von Papst Johannes Paul II., Personalchef von Radio Vatikan. Dieses Detail wiederum konnte man erst am 29. Juni 2016 durch einen Kommentar von Stephan Kempis zur Feier des 65. Priesterjubiläums von Papst em. Benedikt XVI. in der Sala Clementina im Vatikan erfahren, die durch k-tv gesendet wurde. Um ein Gegengewicht zu setzen zu den verbalen Entgleisungen von Gudrun Sailer bezüglich der Verfolgung von Jüdinnen und Juden durch den Nationalsozialismus, sollte sie wieder rein gewaschen werden dadurch, dass sie über die einzige Jüdin recherchieren durfte, die jemals im Vatikan gearbeitet hat. Entstanden ist daraus ein Buch über Hermine Speier.(4) Historiker gestehen ein, dass niemand jemals mehr nachprüfen können wird, wie verzerrt Gudrun Sailer die einzige Jüdin, die unter Papst Pius XII. im Vatikan gearbeitet hat, dargestellt hat. Wahrscheinlich über die Empfehlungen des vor Kurzem erst in den Ruhestand getretenen Personalchefs von Radio Vatikan und Reisemarschalls Alberto Gasbarri, den Papst Franziskus einen "guten Freund" nannte, als er vor Journalistinnen und Journalisten explizieren wollte, dass er sogar ihn ohrfeigen würde, sollte dieser die Mutter von Jorge Mario Bergoglio beleidigen, entstand die Zusammenarbeit von Papst Franziskus und Gudrun Sailer für das Buch "Keine Kirche ohne Frauen"(5). Gudrun Sailer ist dezidiert dem konservativen Spektrum in der römisch-katholischen Kirche zuzuordnen. Sie ist eine Verfechterin der These, dass Jesus Christus nur Männer als Jünger berufen hat und dass deshalb Frauen keine Priesterinnen in der römisch-katholischen Kirche werden können. Sie hat ein sehr eingeschränktes theologisches Wissen und hat sich durch ihre Veröffentlichungen im Radio- und Fernsehbereich als volkstümliche Journalistin präsentiert. Gudrun Sailer soll dezidiert den Einfluss von Frauen im Vatikan nicht verstärken, sondern kanalisieren, erschweren und abblocken. Es ist keine einzige Frau bekannt, die durch den Einsatz von Gudrun Sailer in eine höhere Position in der römisch-katholischen Kirche aufgerückt wäre. Gudrun Sailer protegiert allein sich selbst in einer sehr devoten, volkstümlichen, sich der Hierarchie unterordnenden Weise. Nicht ausdrücklich mit ihr als Beispiel wird das Modell des hierarchischen Aufstieges im Vatikan so expliziert: Ein Verhältnis mit einem Kardinal, ein Verhältnis mit einem Bischof, es können auch zwei Kardinäle sein, eines dieser Verhältnisse muss länger andauern, danach eine offizielle Heirat mit einem Unwissenden, Familiengründung mit mindestens einem Kind und fertig ist die Karriereleiter einer devoten Frau römisch-katholischen Glaubens im Vatikan. Dies ist ein Protomodell für die "Integration" von Frauen im Vatikan.

 

3. Ziel erreicht, aber nicht angekommen

 

Immerhin hat Gudrun Sailer die "Ideengeberin" von "Kirche mit* den Frauen" Hildegard Aepli am 1. Mai 2016 darauf hingewiesen, dass Papst Franziskus immer im Juli seine Urlaubszeit beginnt. Am 1. Juli 2016 wurde noch schnell Virginia Raggi, die neue Bürgermeisterin von Rom, in den Terminplan für die Audienzen eingeschoben. Fast hätte man sie nach ihrer Wahl jenseits des Tibers, also im Vatikan, vergessen. Danach begann die Sommerpause für Papst Franziskus. Als die Vertreterinnen und Vertreter von "Kirche mit* den Frauen" am 2. Juli 2016 Messe in Rom feiern wollten, waren alle Türen verschlossen. In dem Tagebuch von Hildegard Aepli, das man im Internet auf der Homepage von "Kirche mit* den Frauen" einsehen kann, steht, wie es ihr und ihren Mitstreiterinnen am 30. Juni 2016 ergangen ist. Ihre Erfahrungen faßte Hildegard Aepli unter der Überschrift "Ein Marathon in Rom" zusammen.(6) Morgens kommen sie nicht durch die Sicherheitsschleußen des Vatikans. Von einem Taxi werden sie an der Piazza del Popolo, wo sie erwarten, empfangen zu werden, weil sie am 2. Juli 2016 Messe feiern wollen, bei der Trauerfeier für Bud Spencer abgeladen. In Santa Maria Sopra Minerva, wo sie angekündigt haben, dass sie eventuell am 2. Juli 2016 mit fünfhundert Frauen kommen würden, stehen sie vor verschlossenen Türen und es ist niemand da, der sie empfängt. Der Messner hat keine Ahnung davon, dass "Kirche mit* den Frauen" zwei Tage später nach Santa Maria Sopra Minerva kommen wird. Zurück an der Piazza del Popolo stehen Hildegard Aepli und ihre Mitstreiterinnen wieder vor einer verschlossenen Kirche und müssen feststellen, dass sie gar nicht bei dieser Kirche angemeldet waren. Endlich nachmittags um 16 Uhr kommen sie in die Kirche Santa Maria del Popolo, doch der Priester dort weiß gar nichts von einer Reservierung und auch nichts davon, dass "Kirche mit* den Frauen" zwei Tage später mit fünfhundert Frauen eine Messe feiern will. Danach wollen die Frauen im Petersdom eine Messe mitfeiern. Sie hoffen, dass sie auch am Samstag, 2. Juli 2016, dort eine Messe mit dem Papst feiern werden. Doch sie werden wiederum nicht durch die Sicherheitsschleußen in den Petersdom gelassen.(7) Zu diesem Zeitpunkt und bis heute glauben die Frauen, dies sei alles Zufall.

 

4. Kein rhythmischer Gleichklang mit dem Terminkalender von Papst Franziskus

 

Angekommen waren die Vertreterinnen und Vertreter von "Kirche mit* den Frauen" bereits am 29. Juni 2016 in Rom.(8) An diesem Tag erreichte die Pilgernden ein Brief des Staatssekretariates, dass Papst Franziskus um die Anliegen von "Kirche mit* den Frauen" weiss, dass er aber in den Sommermonaten keine Termine wahrnimmt.(9) Dieses Prozedere läuft seit drei Jahren gleich ab. Die Sommerpause von Papst Benedikt XVI. dauerte von Mitte Juli bis Ende August. Es ist für einen Papst, der sich im 80. Lebensjahr befindet und einen streng geregelten Tagesablauf mit einem überfüllten Arbeitspensum zu bewältigen hat, unbedingt nötig, Ruhepausen und Regenerationsphasen einzuhalten. Dafür gibt es Audienztermine in den anderen zehn Monaten eines Jahres, wenn der Papst nicht verreist ist. Wer sich nur ein klein wenig mit dem Jahresablauf des Vatikans befaßt, kennt diesen Rhythmus. Ebenso ist allgemein bekannt, dass Papst Franziskus, wie sein Vorgänger auch, keine Messen mit privaten Gruppen oder Vereinen im Petersdom feiert. Aus den vergangenen zehn Jahren ist kein einziger Fall bekannt, dass einer der beiden Päpste einem solchen Wunsch nachgekommen wäre. Die von "Kirche mit* den Frauen" vorgenommene Terminierung eines Messtermins mit Papst Franziskus muss damit als frommes Wunschdenken klassifiziert werden, das jeglichen Vorbildes in der realen Umsetzung durch den Papst entbehrt. Es stellt sich die Frage, was "Kirche mit* den Frauen" und ihre "Ideengeberin" Hildegard Aepli damit bezweckt, solche Erwartungen für das Ende einer Wallfahrt von St. Gallen nach Rom zu wecken. Zugleich muss man feststellen, dass die Nichterfüllung dieses frommen Wunschdenkens nicht in einer Ablehnung durch Papst Franziskus liegt, sondern allein seinem jährlichen Arbeitsrhythmus geschuldet ist. Papst Franziskus hätte eine außerordentliche Ausnahme für eine Messe mit "Kirche mit* den Frauen" einplanen müssen, die er nur schwer gegenüber anderen Gruppierungen in der römisch-katholischen Kirche verteidigen hätte können. Die Planungen von "Kirche mit* den Frauen" hätten von Anfang an auf den Terminplan von Papst Franziskus abgestimmt werden sollen.

Der Tag der Ankunft von "Kirche mit* den Frauen" am 29. Juni 2016 war der Tag des Eisernen Jubiläums der Priesterweihe von Papst em. Benedikt XVI. Papst Franziskus gab eine kleine Feier für seinen Vorgänger in der Sala Clementina im Vatikan. Am 30. Juni 2016 feierte Rom den Tag seiner beiden Patrone "Peter und Paul". Papst Franziskus hielt im Petersdom eine Messe, in der traditionell den neuen Bischöfen, dieses Mal waren es 25 Erzbischöfe, ihre Pallien übergeben wurden. Zu diesem Anlass hätte "Kirche mit* den Frauen" eine Messe mit Papst Franziskus mitfeiern können. "Kirche mit* den Frauen" war nicht im Petersdom. Unsere Lib & In-Autorin Elke Göß, von der die These der "Eucharistischen Ökumene"(10) stammt, nahm an der Messe zu "Peter und Paul" im Petersdom mit Papst Franziskus teil.

 

5. Unterstützer und Verhinderer?

 

Sehr erstaunlich ist, dass "Kirche mit* den Frauen" von einer Reihe von Schweizer Bischöfen unterstützt wird.(11) Andererseits scheint klar, dass einige Österreicherinnen und Österreicher diese Gruppierung abblocken wollen. Gudrun Sailer ist gebürtige Österreicherin. Das Ablehnungsschreiben von Papst Franziskus hat die Vertreterinnen und Vertretern von "Kirche mit* den Frauen" bei einem Umtrunk mit dem Österreicher Abt Präses Christian Haidinger erreicht. Wie sich die Positionierungen derzeit zueinander verhalten, ist noch unklar.

 

Fazit

 

Am Ende des 2. Juli 2016 wird man konstatieren müssen, dass Papst Franziskus zwar das Anliegen von "Kirche mit* den Frauen" zu kennen scheint, dass es aber an ihm und seinem Terminkalender vorbeigeht. Die Ziele, den Papst selbst für die eigenen Motivationen und Interessen zu begeistern, scheinen sich nicht an dem Adressaten und dessen Vorstellungen und Positionen zu orientieren. Obwohl "Kirche mit* den Frauen" einige Schweizer Bischöfe zu ihren Unterstützern zählen kann, bleibt die Gruppierung doch von einer Integration in die römischen Lokalkirchen, in den Petersdom und in den Vatikan ausgeschlossen. Dies ist das Fazit, das sich aus den Selbstdarstellungen der Gruppierung in deren Blogg ziehen läßt. Zugleich zeigt sich, dass "Kirche mit* den Frauen" nichts gemeinsam hat mit der "Eucharistischen Ökumene", die von Elke Göß vertreten wird.

 

Elke Göß

 

(1) vgl. Schweiz: Rom-Wallfahrt für die Sache der Frauen,   http://de.radiovaticana.va/news/2016/04/30/schweiz_rom-wallfahrt_f%C3%BCr_die_sache_der_frau_in_der_kirche/1226600,03.07.2016

(2) vgl. Sailer Gudrun (2008): Frauen im Vatikan. Begegnungen, Portraits, Bilder, Leipzig

(3) vgl. Göß Elke (2009): Warum hat sich die Haushälterin des Papstes geweigert, hier interviewt zu werden", in: dies. (Hg.) (2015): Rezensionen 2004 bis 2012. Wegmarkierungen in der Literatur, Liberale Gesellschaftsanalyse, Band 12, ebook, 18. August 2015

(4) vgl. Sailer Gudrun (2014): Monsignorina. Die deutsche Jüdin Hermine Speier im Vatikan, Münster

(5) vgl. Sailer Gudrun (2016): Keine Kirche ohne Frauen. Papst Franziskus, Stuttgart

(6) vgl. Aepli Hildegard (2016): Ein Marathon in Rom, http://www.kirche-mit.ch/de/blogbeitrag/598.html,03.07.2016

(7) vgl. Aepli Hildegard (2016): Ein Marathon in Rom, http://www.kirche-mit.ch/de/blogbeitrag/598.html,03.07.2016

(8) vgl. Wir sind angekommen, http://www.kirche-mit.ch/de/blogbeitrag/595.html,03.07.2016

(9) vgl. Wir sind angekommen, http://www.kirche-mit.ch/de/blogbeitrag/595.html,03.07.2016

(10) vgl. Göß Elke (2013): Die eucharistische Ökumene mit in der apostolischen Sukzession ordinierten, zölibatär lebenden evangelischen Theologinnen ist durch Papst Benedikt XVI. vollzogen – ein persönliches Bekenntnis zum bayerischen Papst von einer lutherischen Pfarrerin, erschienen bei Lib & In am 24. Februar 2013, update: 17. September 2014, in: Göß Elke (2016): Archiv Dokumentation 4, Lib & In, http://www.libandin.com/archiv-dokumentation-4/,03.07.2016

(11) vgl. Unterstützung, http://www.kirche-mit.ch/de/unterstuetzung.html,03.07.2016

 

erschienen bei Lib & In in Rom, 3. Juli 2016

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update: 29. September 2019

Installation: 10. Mai 2018

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