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Der Philosoph Robert Spaemann ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Er war ein Gegner der "Eucharistischen Ökumene"

 

Der Vorlesungssaal lag im Erdgeschoss in einem Nebentrakt der Ludwig-Maximilian-Universität München. Beim Eintreten erschrak Elke Göß, wie klein der Raum war. Die Holzbänke waren abgewetzt. Sie hatten wahrscheinlich noch die Kriegszeit erlebt. In den etwa zwanzig Stuhlreihen saßen maximal zehn Studierende. Elke Göß, Studentin der evangelischen Theologie an der Ludwig-Maximilian-Universität München, setzte sich in das hintere Drittel. Sie war nicht eingeschrieben im Fach Philosophie und wollte nur probeweise den Professor hören, dessen Literatur sie so wenig beim Lesen verstanden hatte. Philosophie war Ende der 1980er Jahre kein integraler Bestandteil des Studiums der evangelischen Theologie in Bayern. Elke Göß hatte noch nie einen so kleinen Hörsaal gesehen. Aus der evangelischen Theologie, einem Studienfach, das nicht eben besonderen Zuspruch bei jungen Menschen fand, kannte sie so kleine Hörsäle nicht. Noch nicht einmal in Neuendettelsau oder in Zürich gab es so kleine Hörsäle, Seminarräume schon, aber keine so kleinen Hörsäle. Dieser war zudem auch noch äußerst mäßig gefüllt. Warum besuchten nicht mehr Studierende eine Vorlesung bei Professor Dr. Robert Spaemann, der mit seiner Literatur Aufmerksamkeit erwecken konnte.

Pünktlich betrat ein schmächtiger, fast spleenig wirkender Mann mit bereits weiße, schütteren Haar den Hörsaal. Er ging ohne die Studierenden anzusehen und ohne sie zu grüßen an das Rednerpult und begann mit seinem Vortrag. Es schien, als legte er gar keinen Wert auf die Kommunikation mit den Studierenden. Während der nächsten eineinhalb Stunden war kein Mucks von den Studierenden zu hören. Sie schienen keine Angst vor dem Professor zu haben. Sie schienen überhaupt nicht anwesend zu sein. Es war, als kamen die Studierenden in diesem Vorlesungssaal gar nichtvor. Lediglich der Dozent spielte eine Rolle und er spielte seine Rolle schlecht. Man verstand kaum einen Satz seiner Ausführungen. Das lag nicht daran, dass seine Aussprache unklar gewesen wäre. Im Gegenteil. Fast herrisch ratterte er seine Sätze herunter, legte zwischendurch unvermutet kleinere Pausen ein, die die Verfolgung des Sinnes seiner Ausführungen nicht eben erleichterten und ergötzte sich selbst an der Komplexität seiner Gedankengänge und an der erbitterten folgerichtigen Ausweglosigkeit seiner Argumentation. Es wäre deshalb schwer gewesen, ihm ein Gegenargument entgegen zu halten. Doch das versuchte in diesem Hörsaal eh niemand. Die eineinhalb Stunden Vorlesungszeit wurden lang. Nach einer Stunde fühlte man die Härte der alten Holzbänke unerbittlich unter dem eigenen Hintern. Nichts erhob einen in die hohen Lüfte des leichten Philosophierens. Erdenschwere, Materialstärke, eindringliches Dröhnen und eisernes Pauken kamen der Theologiestudentin Elke Göß in den Sinn, die sich nach der erbaulichen Kost ihres Faches zu sehnen begann. An diesem Punkt entschied sie, nach diesen eineinhalb Stunden diesen Vorlesungsraum mit dem spleenigen Professor zu verlassen und nie wieder dorthin zurückzukehren. Beim Zuhren entfloh sie schon fast diesen Räumlichkeiten. Dieser Vorlesungsstil grenzte an eine Misshandlung von Studierenden zum Zwecke der eigenen Ergötzung, sich als Professor präsentieren zu können. Auch nach dem Ende der Vorleseung verharrten die Philosophiestudierenden in der vorher bereits eingeübten absoluten Stille. Nach den Vorlesungen im Fach Evangelische Theologie ging pünktlich zum Ende der Ausführungen eines Dozenten oder einer Dozentin ein munteres Geschnattere zwischen den Studierenden los. Bei Professor Dr. Robert Spaemann herrschte eiserne Stille. Oder war es eine eiskalte Stille?

Diese eiserne eiskalte Atmosphäre ist bis heute in der Erinnerung von Elke Göß spürbar. In diesem eisernen eiskalten Stil und einer gnadenlos scharf schießenden Berechnung geiselte Professor Dr. Robert Spaemann nahezu alle Neuerungen, die die Moderne zu bieten hatte. Sozialität und eine warmherzige Menschlichkeit fehlten in seinen Ausführungen, seien es seine Gedanken zur Präimplantationsdiagnostik, zum Schwangerschaftsabbruch, zur Sterbehilfe oder zu anderen ethischen Fragen, die das Leben von Menschen betreffen. Dafür machte Professor Dr. Robert Spaemann geltend, dass der Gottesbeweis noch bis Ende des 20. Jahrhunderts nicht vollkommen widerlegt worden war. Gott für solche Argumentationsgänge und Begründungsleistungen in Anspruch zu nehmen, erschien Elke Göß als sehr gewagt. Das Gottesbild und das Menschenbild von Professor Dr. Robert Spaemann paßten nicht zur evangelischen Theologie und schon gar nicht zur evangelischen Theologie, wie sie an der Ludwig-Maximilian-Universität München von den namhaften Professoren Professor Dr. Wolfhart Pannenberg und Professor Dr. Trutz Rendtorff gelehrt wurden. Von Ökumene hielt Professor Dr. Robert Spaemann gar nichts. Er stand der Ökumene strikter und ablehnender gegenüber als es ihm nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil zugestanden hätte. Bereits Ende der 1980er Jahre war er für die Wiedereinführung der Messe nach dem Alten Ritus. Professor Dr. Robert Spaemann zollte noch nicht einmal renommierten evangelischen Theologieprofessoren seinen Respekt. Liberale Theologie konnte nur seine Verachtung erwecken. Sich seine Anerkennung durch das Studium der Philosophie zu erarbeiten, erschien aussichtslos. Heute gelten zwei Gelehrte als seine Schüler: Professor Dr. Thomas Buchheim und Professor Dr. Rolf Schönberger. Die beiden inzwischen verstorbenen Professoren aus der evangelischen Theologie, bei denen Elke Göß Ende der 1980er Jahre studiert hatte, hatten mindestens drei Mal so viele geistige Nachfahren, die Professoren bzw. Professorinnen wurden.

Nun ist Professor Dr. Robert Spaemann tot. Er starb am 10. Dezember 2018 im Alter von 91 Jahren in Stuttgart.(1) Bis zu seiner Emeritierung 1992 war er Professor an der Ludwig-Maximilian-Universität München gewesen.(2) Als die Theologiestudentin Elke Göß ein einziges Mal seine Vorlesung besuchte, hatte Professor Dr. Robert Spaemann nur noch wenige Jahre bis zu seiner Emeritierung vor sich.

 

 

(1) Vgl. Drobinski Matthias (2018): Zum Tod von Robert Spaemann. Einer, der sich der Welt nicht anpasste, https://www.sueddeutsche.de/kultur/robert-spaemann-nachruf-philosoph-1.4248388,12.12.2018

(2) Vgl. Robert Spaemann, https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Spaemann,12.12.2018

 

 

 

 

 

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update: 11. September 2019

Installation: 10. Mai 2018

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