Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Silbernes Ordinationsjubiläum

 

Nun hat es also mein Jubiläum auch erwischt, das Sars CoV-2: mein Silbernes Ordinationsjubiläum. Vor 25 Jahren wurde ich zur Pfarrerin der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern in der oberfränkischen Kirchengemeinde Stammbach durch Regionalbischof Wilfried Beyhl ordiniert. Man denkt jahrelang vorher an dieses bevorstehende Jubiläum. 25 Jahre werden sonst nur als Silberne Hochzeit gefeiert.

In der evangelischen Kirche ist dieses Jubiläum sehr wenig beachtet, anders ist es in der römisch-katholischen Kirche. Eigentlich gibt es für den Jahrgang, der das Silberne Ordinationsjubiläum feiert, nur einen zentralen Gottesdienst mit anschließendem gemeinsamem Mittagessen. Eine Anstecknadel hat es früher auch noch gegeben. Zur Ordination bekam man ein sehr kleines silberne Kreuz mit einem lila Stein. Alles sehr karg, sparsam, alles wird weggehuscht, alles wird auf niedrigstes Dienstniveau hinabgedrängt.

Ich musste damals sogar die Feier nach meiner Ordination selbst zahlen, weil der Kirchenvorstand beschlossen hatte, dass sie nicht zahlen wollen. Ich war sicherlich über Jahrzehnte die einzige, die ihre Ordination selbst gezahlt hat.

Bis auf einen waren alle Pfarrerinnen und Pfarrer des Dekanats Münchberg gekommen. Das war eine sehr große Ehre. Da ich die Feier nicht nur selbst zahlen musste, sondern auch alles alleine vorzubereiten hatte, was ebenfalls vollkommen unüblich war, war ich zu Beginn der Feier so fertig, dass ich erst mit dem Einzug unter den Klängen des Posaunenchors verstand, dass es nun um mich gehen würde. Bei dem Gottesdienst war ich sehr müde. Es waren einige mir sehr liebe Menschen gekommen, darunter die Eltern meiner verstorbenen Jugendfreundin, mein ehemaliger Mentor aus der Münchner Lukaskirche, einige Verwandte, von denen heute nur noch wenige leben, ein junger Schweizer Doktorand der Theologie, ein Kollege, der im gleichen Dekanat arbeitete und den ich bereits seit meinem Studienbeginn 12 Jahre vorher kannte.

Einer Ordination geht ein ausführliches Gespräch mit dem Kreisdekan, wie das damals noch hieß, voraus. Man muss sein Verständnis der Bibel und der Bekenntnisschriften schriftlich einreichen. Schließlich wird man auf beide Fundamente der evangelischen Kirche ordiniert.

Eigentlich war mir die z.A.-Stelle im idyllischen Kleinwalsertal vom Landeskirchenamt zugeteilt worden, aber dann soll „irgendjemand“ die Zettel vertauscht haben und auf meinem stand „Stammbach“, eine oberfränkische Arbeitergemeinde im Frankenwald. Das Kleinwalsertal kannte ich von einem Praktikum. Mein gesamtes Leben wäre anders verlaufen, wenn ich die z.A.-Zeit im Kleinwalsertal absolvieren hätte können. Stammbach galt als schwierige Gemeinde. Sie hatten noch nie eine Pfarrerin und hätten eigentlich ein Pfarrersehepaar gewollt. Das musste ich dann 5 ½ Jahre ausbaden, obwohl ich nichts dafür konnte. Es war sehr hart. Bevor ich in die 3.000-Einwohner-Gemeinde versetzt wurde, hatte ich neun Jahre in den Großstädten Zürich und München gelebt. Ich hatte dort studiert und mein Vikariat dort gemacht. Ich hatte mich auf Großstadtarbeit spezialisiert. Mit Arbeitern hatte ich nie in meinem Leben vorher zu tun. Oberfranken kannte ich gar nicht. Diese 5 ½ Jahre hätten mir fast mein Leben gekostet. Ich habe sehr viel in dieser Zeit verloren.

Um dies zu kompensieren, habe ich ein Jahr Dienst nach Vorschrift gemacht. Im zweiten Jahr habe ich mir dann ein Fernstudium in Presse- und Öffentlichkeitsarbeit an der Medienakademie Leipzig für eineinhalb Jahre selbst finanziert, das ich mit der Note 1,0 abschloss. Dafür opferte ich meinen einzigen freien Tag in der Woche über eineinhalb Jahre. Anschließend habe ich neben einer vollen Pfarrstelle Soziologie und Geschichte an der Universität Bayreuth studiert und drei Jahre lang Italienisch gelernt. Die Gemeinde ging aber immer vor, wenn es Terminkollisionen gegeben hat, aber merkwürdigerweise gab es keine.

Ich weiss noch, einmal kam ich aus dem Urlaub in Südafrika zurück und es war gerade eine Frau verstorben. Noch am gleichen Tag fand ich mich bei der Familie zum Beerdigungsgespräch ein, morgens noch im Flieger aus Südafrika, nachmittags beim Beerdigungsgespräch. Es hat Jahre gedauert, bis wir uns verstanden, meine Gemeinde und ich. Das lag selbstverständlich nur an mir. In den 5 ½ Jahren meiner z.A.-Zeit „durfte“ ich in der Schule alle Klassen von der 1. bis zur 9. Klasse Grund- und Hauptschule (heute Mittelschule) unterrichten und manchmal zwei Präparanden-  und Konfirmandenunterrichte halten. Dann hatte ich noch einen Seniorenkreis mit rund 80 Frauen und ein Altersheim. Auf Unverständnis stieß ich, weil ich mich bei Geburtstagsbesuchen morgens vor dem Schulunterricht nicht mit Alkohol besaufen wollte. Zur Schule musste ich zwanzig Minuten fahren und das vertrug sich nicht mit einem Sekt oder Wein zum Geburtstag eines Gemeindemitglieds. Deshalb gab es richtig Ärger. Dienst ging eben vor. Das war auch an Weihnachten so. Obwohl ich einen Kollegen hatte, musste ich am Heiligen Abend und am 1. Weihnachtsfeiertag Gottesdienst halten. Ich konnte das erste Mal in meinem Leben nicht nach Hause zu meiner Familie fahren. Ich saß den ganzen Abend weinend allein in meiner Wohnung. Niemand aus der Gemeinde hatte mich gefragt, wie ich Weihnachten verbringen würde. Niemand. Nach Weihnachten war es nur der katholische Geistliche, ein polnischer Franziskanerpater, der sich danach erkundigte. Er war der einzige, der Mitleid hatte, dass eine 31-jährige Frau allein Weihnachten feiern musste. Sein Mitleid hat mir sehr geholfen und wir wurden in den kommenden fünf Jahren sehr gute Kollegen und haben noch oft Anteil am Leben des anderen genommen.

Meine direkte Vorgesetzte, die Münchberger Dekanin, erste Frau in einer Leitungsposition in der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, war der reinste Horror. Inzwischen ist sie wie der Regionalbischof im Ruhestand. Gott sei Dank. Alles hat einmal ein Ende.

Nach 5 ½ Jahren, in denen ich mich und mein Können oft verleugnen musste, entschied ich mich, mich nicht auf eine Pfarrstelle zu bewerben. Die Konsequenz war, dass ich am 31. Oktober 1999 meine Entlassung mit den Worten Martin Luthers beantragt habe: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen. Elke Göß“. Diesem Antrag war vorausgegangen, dass ich meine Zwischenprüfung in der Soziologie an der Universität Bayreuth mit der Note 1,0 bestanden hatte. Ich hatte auch drei Jahre Italienisch an der Universität Bayreuth gelernt. Im Sommer 1999 befreundete ich mich mit einem Nigerianer, der mit einem DAAD-Stipendium in Deutschland promovierte, ich legte mir eine Katze zu (mein erstes eigenes Haustier), ich legte die Zwischenprüfung in Soziologie mit 1,0 ab, ich hatte Mega-Stress mit meiner Vorgesetzten und ich war so entschieden, glücklich, zuversichtlich und frei wie niemals vorher in meinem Leben. Am Heiligen Abend 1999 war mein letzter Gottesdienst, „full house“.

Genau mit dem Beginn des neuen Milleniums am 1. Januar 2000 war ich frei. Zwar dauerte mein Dienstverhältnis bis zum 1. Juli 2000, doch es bestand nur noch aus Lohnfortzahlungen, die mir die Landeskirche schuldete. Im Jahr 1999 hatte ich den anderen Sprengel mit vertreten, war also für alle 3.000 Gläubigen zuständig. Nur die Pfarramtsführung hatte mir die Dekanin aus ungenannten Gründen nicht geben wollen. Dafür, dass ich zwei Stellen versorgte, bekam ich keinen einzigen Pfennig mehr. Diese Zahlungen wurden nach dem Ende meines aktiven Dienstes dann doch noch im Jahr 2000 nachträglich geleistet. Seitdem hat mir die evangelisch-lutherische Kirche in Bayern nie mehr einen Cent gezahlt. Im Dezember 1999 hatte ich noch volles Programm und musste gleichzeitig umziehen. Zum 1. Januar 2000 war mein Zuhause in Bayreuth.

Mein Zweitstudium setzte ich an der Humboldt-Universität zu Berlin und an der Freien Universität Berlin fort. Ich war extrem erfolgreich und das im Alter von 36 Jahren. Ich hatte sehr gute Chancen in Berlin zu promovieren, zu habilitieren und ich hätte Professorin werden können. Allerdings mischte sich die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan ein und verlangte rigide die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge. Innerhalb von vier Semestern änderte sich die Prüfungsordnung drei Mal. Ich hatte in Berlin das Fach Politikwissenschaft neu hinzunehmen müssen, obwohl ich im Grundstudium Geschichte hatte. Dann musste ich den Prüfer wechseln, weil ein Professor gegenüber seinen Kollegen und Kolleginnen behauptet hatte, er hätte mich vergewaltigen wollen. Diese Aussage wurde schriftlich in einem Sitzungsprotokoll festgehalten. Dieser Professor hatte mich noch nicht einmal angerührt. Warum er dies von sich behauptet hatte, ist mir unbekannt. Der Wechsel des Prüfers brachte wieder Verzögerungen mit sich.

Ab September 2004 begann dann eine Serie von Gewalttaten, mit deren Folgen ich bis heute zu tun habe. Manchmal vergesse ich darüber all das Schöne und Gute, das ich erlebt habe. Bereits im Frühjahr 2004 hatte ich begonnen, mich mit der römisch-katholischen Kirche zu beschäftigen. Im August 2004 war ich auf Sardinien im Urlaub. Als ich nach Hause kam, brach bei mir eine schwere Krankheit aus, an der ich fast innerhalb einer Woche verstorben wäre. Im Februar 2005, am 60. Geburtstag des Regionalbischofs, der mich ordiniert hatte, schlug mir ein wildfremder Mann an einer Waschstraße in Bayreuth dreimal ins Gesicht. Es kam zu einem Prozess vor dem Amtsgericht Bayreuth. Der Täter erhielt das Pseudonym „Helmut Müller“, ich musste als Zeugin mit meinem realen Namen aussagen. Die Richterin urteilte, ich hätte drei Watschen bekommen, die ich wohl verdient hätte. Von einem wildfremden Mann, den ich nie vorher gesehen hatte und mit dem es vorher keinen Streit gegeben hatte, der an mein Auto herankam, die Türe öffnete und mich, im Auto sitzend, ins Gesicht schlug, dass die Brille schief hing? Einige Zeit später stellte sich heraus, dass der Mann nur wenige hundert Meter entfernt von mir wohne.

Das Jahr 2005 war katastrophal. Von der schweren Krankheit war ich durch eine Gehbehinderung gekennzeichnet. Nach den drei Schlägen hatte ich über Monate ein Schleudertrauma. Eine sehr nahe Angehörige verstarb sechs Tage, bevor Papst Johannes Paul II. verstarb. Ich war noch einigermaßen durch den Wind, als am 19. April 2005 Joseph Kardinal Ratzinger gewählt wurde. Als die Meldung des weißen Rauches aus dem Schornstein der Sixtina kam, fuhr ich gerade auf der Avus kurz vor Berlin. An diesem Abend fand ein Kolloquium an der Humboldt-Universität zu Berlin statt. Ich kam einige Minuten zu spät, weil ich dachte, ich würde im Autoradio erfahren, wer denn gewählt wurde. Im Kolloquium wurde ein Teilnehmer von seiner Freundin angerufen, ein sehr ungewöhnlicher Vorgang. Sie sagte ihm, dass Joseph Ratzinger der neue Papst sei. Ich freute mich sehr und bat die Teilnehmenden mit Zustimmung des Privatdozenten um einige Minuten der Stille, um diesen historischen Moment vollständig begreifen zu können. Diese Interimszeit wurde mir gewährt, obwohl das Kolloquium keinerlei religiösen Bezug hatte. In diesem Moment dachte ich, ich würde dieses historisch einmalige Pontifikat miterleben und vielleicht sogar mitgestalten wollen. Im September 2005 sah ich Papst Benedikt XVI. erstmals live bei einer Messe in Regensburg. An Ostern 2006 war ich erstmals bei einer Generalaudienz in Rom und nahm an den Messen in der Karwoche und an Ostern teil. Da ich bereits ab 2003 intensiv die Messen in der Bayreuther Schlosskirche besucht hatte, fiel mir der Einstieg in Rom nicht schwer. Ich habe mich immer mit protestantischen Äußerungen sehr zurückgehalten. Ich wollte den Katholizismus aus sich heraus verstehen. Dies ist mir gelungen. Heute bin ich vielleicht die bekannteste Frau weltweit in der römisch-katholischen Kirche. Selbst in Gegenden und Städten, in denen ich noch nie war, erkennen mich Menschen. Mich kennen Menschen aus China oder Neuseeland, obwohl ich noch nie in Asien war. Es ist mir gelungen, die Hoffnung auf die Priesterweihe für Frauen in der römisch-katholischen Kirche zu entfachen. Die Ökumene galt als tot vor 2008. Nun lebt sie in nie gekannter Weise und die Gläubigen hoffen wieder auf die Einheit der beiden christlichen Konfessionen. Ohne mein Projekt der „Eucharistischen Ökumene“, dessen Grundidee ich bereits im Winter 1982 entdeckte, wäre dieser Aufschwung nicht möglich gewesen. Freilich habe ich durch die römisch-katholische Kirche auch das größte Leid meines Lebens zugefügt bekommen. Am Ostersonntag, 23. März 2008, wurden mir von sechs vatikanischen Polizisten zehn Körperverletzungen zugefügt, von denen mindestens eine als Vergewaltigung gelten kann. Ich hätte an mindestens zwei der Körperverletzungen an Ort und Stelle oder später versterben können. Noch heute leide ich unter den Folgen dieser Körperverletzungen. Ich musste im Juni 2017 operiert werden und eine weitere Operation wird unvermeidlich werden. Mir ist alles genommen worden, was mir etwas bedeutet hat. Ich hätte Professorin werden können. Nach dem 23. März 2008 konnte ich noch nicht einmal mehr einen stuft halten, mir die Hose hochziehen oder mich frisieren. Ich hatte auch deutliche Gedächtnisprobleme, die sich nach einer weiteren Gewalttat im Juli 2009 noch sehr verschlimmerten. Ich habe Jahre zuhause verbracht und dennoch jede Möglichkeit genutzt, nach Rom zu fahren, um mich mit den Gewalttaten und ihren möglichen Beweggründen auseinander zu setzen. Ansonsten wäre ich auf den Traumata sitzen geblieben. Weder die evangelisch-lutherische Kirche in Bayern, sie hat sich überhaupt nicht für mich eingesetzt, noch die römisch-katholische Kirche haben irgendetwas zu meinen Gunsten unternommen. Ich musste alle Kosten selbst zahlen. Der finanzielle Verlust dürfte etwa 50.000 bis 60.000 Euro betragen, die ich selbst für Ärzte etc. zahlen musste. Zusammen mit meinen Romreisen habe ich sicherlich über 100.000 Euro seit 2006 für die Gesundheitsversorgung nach den zehnfachen Körperverletzungen ausgegeben. Ich formuliere dies so: Ich finanziere den Fortschritt in der Ökumene und beim Frauenpriestertum in der römisch-katholischen Kirche aus meinem Privatvermögen. Weder die römisch-katholische Kirche noch die evangelisch-lutherische Kirche in Bayern hat je einen einzigen Cent dafür gezahlt. Dafür komme ich mir inzwischen fast wie eine Reformatorin vor, obwohl es noch keine explizit auf mich zurückgehenden Reformen gibt. Dass ich als Pfarrerin ohne Dienstauftrag so bekannt bin in der römisch-katholischen Kirche freut mich sehr. Leider ist mein Projekt, Papst Benedikt XVI. miteinzubeziehen, genau in dem Moment gescheitert, als er zurücktrat. Papst Franziskus ist nur an Arbeit für Arme interessiert und kaum an der Priesterweihe für Frauen. Während ich im Pontifikat von Papst Benedikt XVI. öfters angefeindet war und es sogar Morddrohungen gegen mich gab, ist es seit beginn der Amtszeit von Papst Franziskus sehr ruhig geworden. Die vergangenen sieben Jahre gab es keine Schädigungen mehr. Den letzten großen Schaden richtete die Ansbacher Gerichtsvollzieherin Martina Aumüller, die sich damals Geret nannte, am 11. September 2013 an, als sie mir meinen gesamten Wohnungsinhalt nahm. Darunter war auch mein Talar und alle meine Bücher aus dem Theologiestudiums, dem zwei Fernstudien Erwachsenenbildung und Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und dem Zweitstudium. Am 18. November 2014 setzte sie nochmals nach und räumte ein Zimmer in der Diakonie Neuendettelsau, um erneut den gesamten Inhalt zu veruntreuen. In keinem einzigen Fall ist irgend ein Prozess zu meinen Gunsten bei einem bayerischen Gericht in Gang gekommen. Der finanzielle Verlust geht weit über 200.000 Euro hinaus, wenn man alle an mir begangenen Straftaten zusammennimmt. Die dunklen Machenschaften, an denen sich die bayerische Justiz beteiligt, sind schwer zu durchdringen. Im vergangenen Jahr habe ich erstmals vor einem bayerischen Gericht Recht bekommen. Das war’s dann wieder. Mit dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI. habe ich begonnen, freiberuflich als Journalistin zu arbeiten. Im Juni 2020 wohne ich seit fünf Jahren in Regensburg. Hier gefällt es mir sehr. Hier engagieren sich erstmals Mitglieder der römisch-katholischen Kirche für mich. Vor 2015 habe ich ausschließlich im Bistum Bamberg gewohnt und es lief gar nichts. Regensburg hat eben eine intensive Verbindung zu Rom auf verschiedenen Ebenen. In Regensburg bin ich seit langem wieder einigermaßen glücklich. Nach all den Jahren überzeugt mich die römisch-katholische Kirche mehr wie die evangelisch-lutherische Kirche, die ich als rudimentär ansehe. Die Weite, die theologische Qualität, die politische Prägnanz und auch die Macht, die die römisch-katholische Kirche aufweist, empfinde ich als genuiner dem biblischen Auftrag entsprechend. Für mich ist die römisch-katholische Kirche ein überzeugender „corpus permixtum“. Zahlreiche Lehrverurteilungen, die noch vor einigen Jahrzehnten galten, sind heute überholt. Ich habe überlegt, ob ich anlässlich meines Silbernen Ordinationsjubiläums übertreten sollte. Es fällt mir schwer, da mich niemand jemals vergewaltigt hat außer sechs vatikanischen Polizisten und wer der Auftraggeber war, ist bis heute nicht ermittelt. Der immense finanzielle Schaden besteht und ich möchte ihn der römisch-katholischen Kirche nicht einfach schenken. Es reicht schon, dass ich mit all den Folgen alleine zurecht kommen musste. Andererseits gibt es ein Ereignis, das nicht offiziell bestätigt werden darf, und das am 12. März 2013 stattfand. Ich habe vier Stimmen im Konklave bekommen. Das Konklave ist gültig. Ich bin die erste Frau, die offiziell Stimmen in einem Konklave seit Petrus bekommen hat. Ich habe nicht nur eine Stimme bekommen. Ich bin pontifikabel. Das ist wunderschön und ich finde es auch angemessen. Ich habe die Schwellen erniedrigt zwischen beiden christlichen Konfessionen. Ich habe die Türe geöffnet und sie steht bis heute offen. Ich bin in der Lage, ökumenisch die Einheit herbeizuführen. Allerdings bitte nicht auf Kosten meines Lebens und meiner privaten Finanzen. Das muss sich in den kommenden 25 Jahren eindeutig ändern. Sonst gehen beide Kirchen eben einen sehr langen, langen Weg. Dann kann es nochmals zehn Jahre oder länger dauern, bis die römisch-katholische Kirche Frauen als Priesterinnen bekommt. Meine Erfahrung aus den vergangenen 25 Jahren zeigt mir, dass manches Leid, das ich durchleben musste, völlig unnötig war. Es ist kaum zu fassen, was einer Pfarrerin in einer der reichsten Länder dieser Erde angetan werden kann, nur weil sie sich für die Gleichberechtigung von Frauen in der römisch-katholischen Kirche und für die Aussöhnung und den Frieden zwischen den beiden über Jahrhunderte zerstrittenen Konfessionen einsetzt. Als ich in den letzten Jahren auf mein Silbernes Ordinationsjubiläum zuging, habe ich mir eines sehr gewünscht: Dass es nicht mehr so weitergeht wie bisher. Es war zeitweise die Hölle auf Erden. Völlig unnötig. Ich überlasse Gott gerne seine Kirche, seine beiden Kirchen. Er wird Mittel und Wege finden, ob mit mir oder ohne mich. In meinem Leben muss sich etwas ändern. So geht es nicht weiter. Die anderen feiern und bedienen sich an den Fleischtöpfen und ich komme gerade so über die Runden. Dafür hat mich Gott durch seinen Geist zu sehr begabt. Meine Fähigkeiten, die ich in meinem Leben schon unter Beweis gestellt habe, reichen weiter. Ich bin davon überzeugt, dass ich sie von Gott habe. Das Ziel meines Lebens liegt noch in weiter Ferne und es sieht nicht so aus, als würde es demnächst so weitergehen wie es in den vergangenen 25 Jahren war. Welch schöne Zäsur: Ich habe gut durchgehalten und für eine Pfarrerin ohne Dienstauftrag und damit ohne jegliche Bezahlung enorm viel erreicht. Ich kann die Erne nicht selbst einfahren, das verweigern mir beide Kirchen. Die Ernte wird kommenden Generationen zukommen. Ich freue mich sehr, dass mir einige Kinder zu meinem Jubiläum gratuliert haben. Für Euch habe ich dies getan. Es ist Euere Zukunft. Der religiöse Friede zwischen den Konfessionen ist Eure Zukunft. Die Kirche hat viel vor sich. Sie sollte sich anstrengen. Ich kann nicht die ganze Kirche schieben und schon gar nicht zwei Kirchen. Ich habe getan, was ich konnte. Unermüdlich. Ich habe keine Entbehrung, keine Kosten und Mühen gescheut. Da geht es mir wie meinem großen Vorbild, dem Apostel Paulus. Die Kirchen werden sich bewegen lassen müssen: Vom Geist Gottes. Dann wird Freude aufkommen.

 

Elke Göß

 

31. Mai 2020

ܐܽܘܟ݂ܰܪܺܝܣܛܺܝܰܐ  Θεία Ευχαριστία  eucharistia  أفخارستيا  евхари́стия  Eucharist  eucaristia  eucharistie  eucarestia  eucharystia  eucharistie  Eucharistie

update: 13. September 2020

Installation: 10. Mai 2018

ܐܽܘܟ݂ܰܪܺܝܣܛܺܝܰܐ  Θεία Ευχαριστία  eucharistia  أفخارستيا  евхари́стия  Eucharist  eucaristia  eucharistie  eucarestia  eucharystia  eucharistie  Eucharistie