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Zum Tod von Domkapellmeister i.R. Apostolischer Protonotar Prof. em. Dr. Georg Ratzinger

  

Am Todestag von Domkapellmeister i.R. Georg Ratzinger © Elke Göß 01.07.2020Am Todestag von Domkapellmeister i.R. Georg Ratzinger © Elke Göß 01.07.2020

Domkapellmeister i.R. Georg Ratzinger ist heute im Alter von 96 Jahren verstorben. Papst em. Benedikt XVI. möchte ich meine tiefe Verbundenheit, Anteilnahme und meine tief empfundene Trauer aussprechen. Ich bin entsetzt und geschockt.

Worte können nicht ermessen, wie intensiv die Verbundenheit der beiden Brüder war. Georg kannte seinen Bruder Joseph dessen ganzes Leben. Die beiden haben alle Höhen und Tiefen ihrer beider Leben gemeinsam erlebt, durchlitten und überstanden. Es ist eine große Gnade für beide, solche Brüder gewesen zu sein. Ich weiss, was es heißt, eine höchst problematische Schwester zu haben.

Domkapellmeister i.R. Georg Ratzinger war gegenüber meiner Schwester immer sehr skeptisch, distanziert, warnend und verurteilend. Das hat uns beide getrennt, denn ich muss doch zu meiner Schwester halten. Dennoch habe ich gerade in den vergangenen fünf Jahren Abstand zu meiner Schwester genommen. Ich habe sie das letzte Mal im April 2015, bevor ich nach Regensburg zog, gesehen und ich habe das letzte Mal vor drei Jahren mit ihr telefoniert. Ich weiss zumeist nicht, wo sie sich aufhält und wie es ihr geht. Ich habe am Tag der Hochzeit meiner Schwester, am 2. April 1993, durch den Schwager meines Schwagers, den Sohn von Domkapellmeister Georg Ratzinger, erfahren, dass ich nun mit Domkapellmeister Georg Ratzinger verwandt bin.

Davon abgesehen wurde mir Domkapellmeister i.R. Georg Ratzinger in den fünf Jahren, die ich nun in Regensburg wohne, eine Stütze und ein Halt. Immer wieder gerne habe ich mich in die Innenstadt aufgemacht, um an seinem Haus in der Luzengasse vorbeizugehen und ihn zu grüßen. Gerade in der Corona-Pandemie bin ich häufig an seinem Haus vorbeigegangen. Ich hatte ihn gewarnt und ich hatte gehofft, dass er diese große gesundheitliche Gefahr überstehen würde. Das war nun nicht der Fall. Domkapellmeister i.R. Georg Ratzinger ist bisher der einzige Mensch, den ich persönlich kannte, der an Sars CoV-2 verstorben ist.

Vergangene Woche am 24. Juni 2020, dem Gedenktag für Johannes den Täufer, den ich schon lange verehre, durfte ich Domkapellmeister i.R. Georg Ratzinger einen Strauss weißer Rosen vorbeibringen in Erinnerung an den zwei Tage vorher beendeten Besuch seines Bruders, des emeritierten Papstes Benedikt XVI., bei ihm in Regensburg. Ich habe immer gehofft, dass ich über die Jahre die Balance zwischen respektvoller Distanz und Zugewandtheit gehalten habe. Obwohl Domkapellmeister i.R. Georg Ratzinger nicht mehr sehen konnte, war er doch wie sehend. Ich habe ihn immer gespürt und gehört, wie er zu mir sprach, wenn er auf meinen Gruß geantwortet hat. Manch väterlichen Rat bekam ich in sanfter Hilfestellung. Er war mir in manchen Belangen mehr Vater wie mein eigener Vater und er war mehr Vater wie der Heilige Vater. Das hat mir sehr gut getan. Ich werde seine Stimme, seine Freundlichkeit, seine Kenntnis, seinen Scharfsinn, seine Offenheit, seine Dialogfähigkeit, seinen guten Willen und seine zutreffende Besorgnis sehr vermissen. Er war noch im hohen Alter von 96 Jahren geistig rege und den Menschen zugewandt. Er war weise. Es war mir eine sehr große Freude, dies miterleben zu dürfen.

Domkapellmeister i.R. Georg Ratzinger ist heute, am 1. Juli 2020, um 11 Uhr gestorben. Heute vor 20 Jahren war mein erster Tag ohne Dienstauftrag der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern. Ich bin nun seit 20 Jahren ohne Erwerbsarbeit und ohne Gehalt. Heute vor 20 Jahren habe ich mir nach einer sehr gelungenen Beziehung zu meinem nigerianischen Freund und während einer Schwangerschaft, die leider mit einem Abgang endete, im Respekt vor meinem nigerianischen Freund und seinem Kind, das nicht leben konnte, vorgenommen, einige Zeit ohne Sex zu leben. Es wurden 20 Jahre daraus. Ich fühlte mich immer an mein mir selbst auferlegtes Versprechen gebunden. Zu Beginn dieses Jahres habe ich mir vorgenommen, mein keusches und zölibatäres Leben zum 1. Juli 2020 zu beenden. Ich habe deshalb heute Nacht um 0 Uhr getwittert, dass ich mein keusches und zölibatäres Leben, zu dem ich als Pfarrerin der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern (ohne Dienstauftrag) nicht verpflichtet bin, sein lasse. Domkapellmeister i.R. Georg Ratzinger hat ganz wesentlich zu dieser Entscheidung beigetragen. Er hat mich begleitend unterstützt und meinen Entschluss gut geheißen. Sein Rat wird mir fehlen.

Vor Jahren, noch im Pontifikat von Papst Benedikt XVI., war dieser der Meinung, ich sollte nach Regensburg ziehen. Das war vor der totalen Katastrophe am 11. September 2013, als mir die Ansbacher Gerichtsvollzieherin Martina Geret, jetzt Aumüller, siebeneinhalb Monate nach dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI., meinen gesamten Wohnungsinhalt genommen hat. Wäre ich damals sofort von Bayreuth nach Regensburg gezogen, wäre mir vieles erspart geblieben. Das allererste Mal war ich in Regensburg am 22. November 2009 zur Weihe der neuen Domorgel. Zur Messe anlässlich des 90. Geburtstag von Domkapellmeister i.R. Georg Ratzinger war ich das zweite Mal in Regensburg und im Mai 2014 zum Deutschen Katholikentag. Im Frühjahr 2015 dachte ich an Regensburg, als ich eine Wohnung suchen musste. Die vergangenen fünf Jahre waren eine sehr innerliche Zeit und gleichzeitig eine juristisch turbulente Zeit. In dieser Zeit bin ich vollends zur freiberuflichen Online-Journalistin geworden. Es hat mir gut getan, Domkapellmeister i.R. Georg Ratzinger hier in Regensburg zu wissen. Er war wie ein Anker für mich und wie eine Garantie, dass mir im Letzten nichts passieren könne. Bei meinem Umzug nach Regensburg sagte ich mir, ich würde hier bleiben, bis der Papstbruder Domkapellmeister i.R. Georg Ratzinger verstorben ist. Dieser Tag ist nun heute leider eingetreten. Ich vermisse seine Stimme und seine liebevolle Zuwendung jetzt schon so sehr.

Domkapellmeister Georg Ratzinger habe ich, zwei Jahre bevor ich auf Erzbischof Joseph Ratzinger aufmerksam wurde, mit etwa 11 Jahren, also vor 45 Jahren, wahrscheinlich bei einem Konzert in Ansbach das erste Mal wahrgenommen. Seine Ausstrahlung und seine kirchenmusikalische Prägung wirkten bis in den evangelischen Bereich hinein, obwohl ihn niemand beim Namen nannte. Die Regensburger Domspatzen waren immer viel besser wie alles, was es im evangelischen Bereich damals gab. Sogar seine theologische Vorliebe für die Eschatologie übertrug sich bis ins Evangelische und bis zu mir. Als 11-Jährige wollte ich von zuhause weg und habe mich als Mädchen bei den Regensburger Domspatzen beworben. Ich war zu alt, ließ mir Domkapellmeister Georg Ratzinger damals mitteilen. Damals dachte ich darüber nach, ob ich übertreten sollte, wenn ich Mitglied bei den Regensburger Domspatzen hätte werden können. Vor allem das Leben im Internat weit weg von zuhause, ohne den Einfluss meiner Eltern und dafür im Einflussbereich der Kirche zog mich an. Ich wollte mich damals von der Kirche ganz durchformen lassen. Ich war zu allem bereit. Es wurde nichts daraus. Seitdem habe ich nie wieder ernstlich über einen Übertritt zur römisch-katholischen Kirche nachgedacht. Mit 18 Jahren schenkte mir mein damaliger Freund, ein Kirchenmusiker, mit einer persönlichen Widmung eine Schallplatte mit dem 91. Psalm von Felix Mendelsohn-Bartholdy, dem Lieblingspsalm von Domkapellmeister Georg Ratzinger. Es ist auch meine kirchenmusikalische Lieblingskomposition. Sie wird bei seiner Trauerfeier erklingen.

Ich bin einerseits sehr froh, dass Domkapellmeister i.R. Georg Ratzinger nun seine gesundheitlichen Qualen überstanden hat und bei Gott ist. Er war so tapfer in den letzten Jahren. Obwohl er sich stark gegen die Aufarbeitung der sexuellen und körperlichen Gewalt bei den Regensburger Domspatzen wehrte, hat er seine Verurteilung mit 93 Jahren auf sich genommen und den Hausarrest in so hohem Alter durchgestanden. Ich war sehr stolz, dass ich meinen Beitrag durch meine Publikationen im Internet dazu leisten konnte, dass ihm Gerechtigkeit widerfahren ist und dass den Opfern Gerechtigkeit zuteilwurde. Kurze Zeit später musste er sich einer schweren Operation unterziehen, die er ebenfalls gut überstanden hat. Doch die Infektion mit dem Sars CoV-2 und deren Folgen waren zu viel. Noch kann ich mir nicht richtig vorstellen, wie es ohne ihn sein wird. Er war mir wirklich eine große Hilfe und Stütze hier in Regensburg und ich hätte ihn gerne noch länger hier auf Erden gehabt.

Es ist ein komisches Gefühl hier in Regensburg zu sein, den Dom zu sehen und zu wissen, dass Domkapellmeister i.R. Georg Ratzinger, dem dieser Dom so viel bedeutet hat und der in der Nähe wohnte, nicht mehr lebt. Ich werde einige Zeit brauchen, um dieses neue Gefühl zu begreifen.

Domkapellmeister i.R. Georg Ratzinger ist nun sicherlich schon bei Gott. Es wird bei ihm ganz schnell gegangen sein. Er hat so viel Unstimmigkeit und Dissonanz noch in den letzten Tagen seines Lebens ausgeräumt. Er hat so viel Besuch empfangen, obwohl er so schwer krank war. Auf ihren Flügeln werden ihn die Engel, die ich in letzter Zeit schwer und mächtig vor seinem Haus gespürt habe, die gewacht haben, die Störenfriede vertrieben haben und die allzeit bereit waren, unter den Klängen der Leichtigkeit, Helle und Sorglosigkeit seiner Musik in den Himmel getragen haben. Gott gebe ihm den ewigen Frieden und gewähre ihm seine immer währende Gegenwart.

Der Herr segne ihn und behüte ihn,

der Herr lasse sein Angesicht leuchten über ihm und sei ihm gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf ihn und gebe ihm seinen Frieden. Amen.

Papst em. Benedikt XVI. wünsche ich die befreiende Sicherheit im Glauben, dass das Leben seines Bruders und sein eigenes Leben in Gott ihre Erfüllung finden. In Gedanken bin ich hier in Regensburg bei Papst em. Benedikt XVI. in Rom und ich bete für ihn.

Abschied von Domkapellmeister i.R. Georg Ratzinger @ Elke Göß 01.07.2020Abschied von Domkapellmeister i.R. Georg Ratzinger @ Elke Göß 01.07.2020Die Liebe und Gnade Gottes möge Domkapellmeister i.R. Georg Ratzinger im Himmel empfangen. Bei seinem Abschied aus seinem Haus in der Luzengasse heute Abend um 19 Uhr schien er schon nicht mehr auf Erden zu sein, sondern im Himmel. Er verließ sein Wohnhaus heute um 19.32 Uhr für immer. Bei ihrem Aufgang tauchte die Sonne den Regensburger Dom heute in ein gelb-goldenes Licht, das Licht der Auferstehung. Kurz nach Mitternacht, am Ende des 1. Juli 2020, des Todestages von Domkapellmeister i.R. Georg Ratzinger, hörte man in Regensburg vom Himmel einen donnernden Paukenschlag, nur einen. Im Himmel kam heute neu der selige Domkapellmeister i.R. Apostolischer Protonotar Prof. em. Dr. Georg Ratzinger an.  

 

Elke Göß

 

1. Juli 2020

 

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update: 13. September 2020

Installation: 10. Mai 2018

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