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Der Mainzer Alt-Bischof und ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Karl Kardinal Lehmann ist im Alter von 81 Jahren verstorben. Er war ein Gegner der "Eucharistischen Ökumene"

 

Am 11. März 2018 verstarb gegen 4.45 Uhr der ehemalige Mainzer Bischof und ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Karl Kardinal Lehmann im Alter von 81 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls und einer Hirnblutung, die er im September 2017, nur einen Monat nach der Einführung seines Nachfolgers Bischof Peter Kohlgraf, erlitten hatte.(1) Karl Kardinal Lehmann war zeitweise nach Joseph Kardinal Ratzinger und nach dem am 5. Juli 2017 verstorbenen Joachim Kardinal Meisner(2) der bekannteste deutsche Katholik. Es gehört zu den Merkwürdigkeiten des deutschen Katholizismus, dass die erzkonservativsten Vertreter wie der ehemalige Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner und auch der konservative Papst Benedikt XVI. Befürworter der "Eucharistischen Ökumene" waren und sind, wie im Übrigen die beiden Prälaten des Opus Dei, der 2016 verstorbene Javier Echevarrìa(3) und Fernando Ocáriz Brana, auch. Vertreter des deutschen Katholizismus wie der verstorbene Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann und dessen Nachfolger als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz Reinhard Kardinal Marx(4), die sich selbst dem sogenannten "liberalen Flügel" des deutschen Katholizismus zuordnen, waren und sind Gegner der "Eucharistischen Ökumene".

Mit Karl Kardinal Lehmann verliert der deutsche Katholizismus eine seiner prägendsten Gestalten. Viele katholische und protestantische Gläubige hat Karl Kardinal Lehmann mit seinen Positionen direkt und indirekt beeinflußt. Der Mainzer Bischof hat es verstanden, öffentliche Diskussionen in der Presse zu lancieren. Sein Einfluss auf das in Mainz situierte ZDF und andere Medien kann kaum überschätzt werden. Wenn Karl Kardinal Lehmann eine Richtung vorgab, dann schien sie gesetzt zu sein. Manchmal meinte man, er spräche im Auftrag Roms. Erst nach einer gewissen zeitlichen Frist und bei genauerer Recherche konnte man erkennen, dass Karl Kardinal Lehmann ein Thema in der deutschen Presse rechtzeitig und so geschickt positioniert hatte, dass noch nicht einmal "Rom" dagegen ankam. Nicht selten spielte Karl Kardinal Lehmann die deutschen Katholikinnen und Katholiken gezielt gegen den Vatikan aus und sicherte sich so seine unbeschreiblich große Hausmacht im deutschen Katholizismus. An der Meinung Karl Kardinal Lehmanns kam niemand vorbei. Von Fall zu Fall repräsentierte Karl Kardinal Lehmann nicht den "main stream" des deutschen Katholizismus und auch nicht die Mehrheitsauffassung katholischer Geistlicher in Deutschland. Dennoch bemerkte kaum jemand, wie sich Karl Kardinal Lehmann geschickt zur Angel in der Tür zwischen den Ansichten im deutschen Katholizismus und der römischen Theologie- und Rechtsauffassung generierte. Beispiele hierfür sind die immer wieder thematisierten Hemmnisse bei konfessionsverschiedenen Ehen als Hinternisse für eine römisch-katholische und protestantische Ökumene. Zeitweise stagnierte die Ökumene allein an diesem Punkt, obwohl es noch viele andere kontroverse Themen aufzuarbeiten gegolten hätte. Sehr geschickt hat Karl Kaardinal Lehmann Frauen aus der Politik, dem Film und der Wirtschaft als Gegenpart aufgebaut gegen ein Frauenpriestertum in der römisch-katholischen Kirche.(5) Von Karl Kardinal Lehmann beeinflußt, konnten die Laien ein ruhiges Gewissen haben. Gott würde keine Frauen als Priesterinnen wollen, Rom auch nicht, Kardinal Lehmann auch nicht und sie als berufstätige Katholikinnen würden ihren Beitrag zum Wohl der römisch-katholischen Kirche ja auch sehr viel besser leisten können als studierte katholische Pfarrerinnen. Mit offenem Visier kämpfte Karl Kardinal Lehmann dabei nie. Alles wurde hinter geschlossenen Türen besprochen, damit es nach dem Gespräch keine unliebsamen Zeugen der Beeinflussung geben würde.

Ökumene hieß für Karl Kardinal Lehmann nicht, dass er der am 23. März 2008 im Vatikan durch sieben vatikanische Polizisten schwer misshandelten evangelisch-lutherischen Pfarrerin ohne Dienstauftrag Elke Göß beigestanden hätte, als diese ihn nach der Tat schriftlich um Hilfe bat. Karl Kardinal Lehmann hat in den vergangenen zehn Jahren auf das Schreiben nie geantwortet. Diese Reaktion hat er seinem Nachfolger als Vorsitzendem der Deutschen Bischofskonferenz Reinhard Kardinal Marx überlassen. Stattdessen hat sich Karl Kardinal Lehmann gemeinsam mit dem protestantischen Altbischof Dr. Wolfgang Huber im Jahr 2017 die Ehrendoktorwürde der Katholischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum verleihen lassen. Elke Göß, Pfarrerin ohne Dienstauftrag, hatte vor den Misshandlungen am 23. März 2008 große Chancen, nach dem Abschluss ihres Zweitstudiums zu promovieren und gegebenenfalls zu habilitieren. Wäre sie nicht im Vatikan vergewaltigt worden, so subsumiert die Staatsanwaltschaft Regensburg die Misshandlungen, wäre Elke Göß heute höchstwahrscheinlich Professorin. Karl Kardinal Lehmann hat nie ein Wort des Bedauerns gegenüber Elke Göß gefunden und ihr auch keinerlei Hilfe zukommen lassen. Mögen römisch-katholische Christinnen und Christen und prominente Protestantinnen und Protestanten Karl Kardinal Lehmann als einfühlsamen Seelsorger kennengelernt haben, bezüglich Elke Göß, Pfarrerin ohne Dienstauftrag, hat Karl Kardinal Lehmann kein Wort des Mitleids geäußert.

Ein einziges Mal äußerste sich Karl Kardinal Lehmann, so weit bisher bekannt ist, öffentlich zur "Eucharistischen Ökumene" und zu der damit verbundenen möglichen Priesterweihe für Frauen. Auf dem 100. Katholikentag in Leipzig vom 25. bis 29. Mai 2016 sagte Karl Kardinal Lehmann bei einer Veranstaltung auf dem Podium, dass er sehr belesen sei, dass er aber noch nie etwas zur "Eucharistischen Ökumene" in einem seiner Bücher gefunden habe. Dies war in Anwesenheit von Elke Göß ein außerordentlich großes Kompliment von Karl Kardinal Lehmann, der angab, dass er in jeder freien Minute lese und dass er tausende Bücher zuhause habe. Karl Kardinal Lehmann fuhr fort, dass es noch nie vorher in der Geschichte der römisch-katholischen Kirche eine solch bedeutungsvolle Wende gegeben habe wie die, die die "Eucharistische Ökumene", er vermied allerdings bedächtig, das Wort auszusprechen, und das damit möglicherweise verbundene Frauenpriestertum darstellten. Das Auditorium im Saal schwieg andächtig. Eine Pause entstand, in der die Worte des ehemaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz nachklangen. Allen war klar, dass sie Zeuginnen und Zeugen dieser epochalen Wende werden könnten. Obwohl Karl Kardinal Lehmann kein Befürworter der von Elke Göß projektierten "Eucharistischen Ökumene" war, sprach er an diesem Abend zwei unendlich große Komplimente für die "Eucharistische Ökumene" aus. Noch nie hatte Elke Göß, Pfarrerin ohne Dienstauftrag, solch bedeutungsvolle Worte gehört.

Karl Kardinal Lehmann war ein bedächtiger Kirchenfürst. Änderungen in der römisch-katholischen Kirche benannte er erst dann mit klaren Worten, wenn sie eingetreten waren. Beim 100. Katholikentag in Leipzig konnte man den Eindruck gewinnen, dass Karl Kardinal Lehmann damit rechnete, dass es eines Tages zur "Eucharistischen Ökumene" kommen würde und dass es vermutlich in einiger Zeit auch Frauen als Priesterinnen in der römisch-katholischen Kirche geben wird. Mit Karl Kardinal Lehmann geht eine Epoche des deutschen Katholizismus zu Ende. Neues kann sich nun entwickeln. Die Zukunft gehört den kleinen, jungen Katholikinnen und vor allem denen, die Priesterinnen werden wollen.

 

 Elke Göß

 

(1) vgl. Kardinal Lehman ist tot. Der Sympathieträger hinterläßt Spuren, https://www.domradio.de/themen/bist%C3%BCmer/2018-03-11/kardinal-lehmann-ist-tot,11.03.2018

(2) vgl. Göß Elke (2017): Der Kölner Alt-Erzbischof Joachim Kardinal Meisner ist im Alter von 83 Jahren verstorben. Er war ein Befürworter der "Eucharistischen Ökumene", erschienen bei Lib & In am 16. Juli 2017

(3) vgl. Göß Elke (2016): Opus Dei-Chef Bischof Javier Echevarría ist im Alter von 84 Jahren verstorben. Er war ein Befürworter der "Eucharistischen Ökumene", erschienen bei Lib & In am 13. Dezember 2016

(4) vgl. Göß Elke (2018): Kardinal Marx bremst die "Eucharistische Ökumene" aus, wo es geht. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz muss aufpassen, dass er nicht von einem oder zwei Päpsten überholt wird, erschienen bei Lib & In am 23. Februar 2018

(5) vgl. Göß Elke (2018): Die designierte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner proklamiert vor Papst Franziskus, dass sie gegen das Frauenpriestertum in der römisch-katholischen Kirche ist. Sie ist eine Gegnerin der "Eucharistischen Ökumene", erschienen bei Lib & In am 26. Februar 2018

 

erschienen bei Lib & In am 11. März 2018

 

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update: 27. Mai 2019

Installation: 10. Mai 2018

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