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Ökumene im Schneckentempo als Fortschritt mit Überschallgeschwindigkeit. Karl Kardinal Lehmann geht an seinem 80. Geburtstag in den Ruhestand

 

Eine Flasche italienischen Rotweins eröffnet den freudigen Countdown. Nun werden es bald weniger als 24 Stunden sein, bis einer der größten Bremser in der deutschen Ökumene der vergangenen zehn Jahre in den Ruhestand gehen wird. An seinem 80. Geburtstag wird der Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann verabschiedet. Bereits seit Jahren warten reformfreudige Ökumenikerinnen auf das Pfingstfest 2016, das in diesem Jahr eine ganz besondere Bedeutung bekommen wird. Erstmals könnte in Deutschland der Weg frei werden für eine der Zukunft zugewandte Ökumene, die die andere Konfession ohne falsche Heuchelei anerkennt, sie in ihren Eigenarten bestehen läßt und die sich dennoch ins Neue wagt. Es ist unglaublich, dass die Ökumene in Deutschland von einem 83-jährigen Schwaben und von einem 80-jährigen Schwaben seit Mitte der 1980er Jahre so dominiert wird, so dass kaum junge Ökumeniker und Ökumenikerinnen mit anderen Vorstellungen von der Zukunft der römisch-katholischen Kirche durchkommen.

Eine dieser bewußt provokativen Hinhaltetaktiken ist die von Papst Franziskus angekündigte Einsetzung einer Kommission zur Überprüfung, ob römisch-katholische Frauen für ein Diakonat geeignet wären. Damit füllt die römisch-katholische Kirche ihr Personal von unten auf, ohne jedoch Frauen die gleichen Mitwirkungsrechte in der römisch-katholischen Kirche in Aussicht zu stellen. Viele Ordensschwestern sind weltweit geistlich längst weiter. In den vergangenen Jahren musste die römisch-katholische Kirche erstmals bei den Ordensschwestern einen starken Anstieg der Austrittszahlen hinnehmen. Ihr Dienst wird nicht mehr genügend geschätzt von der Kirchenleitung. Zudem gibt es viele höher und hoch qualifizierte Ordensschwestern, die sich nur in einem von Priestern unterscheiden und diese Differenz liegt auf der biologischen Ebene.

Während Kardinal Lehmann zu seinem Zeiten als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz durchaus seine progressiven Phasen hatte, wirkten seine Äußerungen in den vergangenen zehn Jahren verbittert bis erzkonservativ. Da hatte das Opus Dei partiell fortschrittlichere Ansichten wie Karl Kardinal Lehmann, der Mitglied im Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen ist, und der ehemalige Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen Walter Kardinal Kasper. Es ist auch schwer verständlich, wie es angehen kann, dass sich gerade im Bereich der Ökumene  diese beiden Kardinäle über die Komptenzbereiche ihrer Nachfolger Reinhard Kardinal Marx und Kurt Kardinal Koch hinwegsetzen können und dürfen. Ganz eklatant fällt der Eingriff in die Zuständigkeiten bei Walter Kardinal Kasper auf, doch auch bei Karl Kardinal Lehmann sind solche Tendenzen im Bereich der ökumenischen Zuständigkeiten aufweisbar.

Klare und zutreffende Worte bei Scheidenden sind oftmals schwer zu finden. Bei Karl Kardinal Lehmann kommt hinzu, dass er nicht loslassen will und dass er dies damit unterstreicht, dass er im Bischofspalais wohnen bleibt. Im Gegensatz zu anderen Kardinälen, wegen deren Altersruhestiz in den Medien rege diskutiert wird, verliert von der deutschen Presse über diese Besitzstandswahrung eines aus dem Amt scheidenen Bischofs niemand ein Wort. So wie Walter Kardinal Kasper massiv jegliche fortschrittlichen Tendenzen unterdrücken muss, die nicht in seine verkrustete Theologie passen, die sich seit mehr als 30 Jahren zementartig auf jede ökumenische Bewegung legt, so muss Karl Kardinal Lehmann jeglichen ökumenischen Sproß in Deutschland kritisch beäugen und danach möglichst mit der Wurzel radikal ausreißen.

Die Fortschritte, die heute in der Ökumene in Deutschland gepriesen werden, fallen zumeist sogar hinter die Visionen bezüglich der Ökumene zurück, die vor mehr als dreißig Jahren als gangbare Zukunftswege angesehen wurden. Wie wenig sich ökumenisch tatsächlich bewegt und wie kleinkarriert, kindisch und oberflächlich lustig ökumenische Bestrebungen seit einigen Jahren angelegt sind, wird erst erkennbar, wenn man die großen ökumenischen Visionen in den Blick nimmt, die in den 1980er Jahren im Keim erkennbar waren. Im Neuen Testament ist von einem vierfachen Boden die Rede, auf den der Samen fallen kann. Im Bereich der Ökumene in Deutschland waren dies trotz unendlich vieler Worte zumeist nur Dornen und steiniger Boden. Dass es keine lokalen und regionalen Abgrenzungen mehr zwischen Katholischen und Evangelischen gibt, war eine Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils, nicht aber die Frucht einer gelungenen Ökumene, die zwei immer engstirniger werdende Kardinäle zu verantworten haben. Die nach Allmacht heischende Präsenz in der Ökumene durch Kardinal Lehmann und Kardinal Kasper zeigt sich auch darin, dass "junge" Kardinäle wie der 62-jährige Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx und der in diesem August 60 Jahre alt werdende Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki in der Ökumene kaum neue Zäsuren setzen können. Erst vor wenigen Stunden bestätigte Kardinal Marx im Kölner Domradio den Fortbestand des Zölibates. Doch auch unter Anerkennung des Zölibates wären neue Wege in der römisch-katholischen Kirche begehbar.

Eine auf Qualifikation aufbauende Einbeziehung von Frauen und eine grundsätzlich neue Wertschätzung ihrer geistlichen Fähigkeiten jenseits der Betonung des biologischen Faktums, dass nur Frauen Mütter werden können, wäre an der Zeit. Doch durch die eherne Bodenhaftung der beiden über 80-jährigen Kardinäle Kasper und Lehmann wird die römisch-katholische Kirche und damit die Ökumene in Deutschland bis weit vor die Mitte des 20. Jahrhunderts zurück geworfen. Die Emanzipation von Frauen wurde von keinem dieser beiden Kardinäle im Grundsatz mitgetragen.

So mutet es äußerst reaktionär an, wenn der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm nun dem endlich in den Ruhestand gehenden Mainer Bischof Kardinal Lehmann auch noch die Martin Luther Medaille anheftet. An der Erklärung zur Rechtfertigungslehre hätte Kardinal Lehmann entscheidend mitgewirkt. Wer sich noch zutreffend erinnern kann, weiß, dass auf diese 1999 verfaßte Erklärung eine fast zwei Jahre dauernde Verstimmung zwischen den beiden christlichen Konfessionen folgte, da in der Augsburger Erklärung 1999 die protestantischen Kirchen Vereinen gleichgestellt wurden. Von solchen Abwertungen strotzt die Ökumene in Deutschland nur so.

Ökumene im Schneckentempo wurde als Fortschritt mit Überschallgeschwindigkeit verkauft. Dem scheidenden Mainzer Bischof, der sicherlich zu Recht von seinen Schäfchen geschätzt wird, sei der Ruhestand in seiner ganzen Fülle und im vollen Umfang mit großem Überschwang und ohne jede Ausnahmen aus vollem Herzen gegönnt. Sein Ruhestand bringe uns ökumenischen Frieden und Fortschritt.

 

Elke Göß

 

erschienen bei Lib & In am 15. Mai 2016

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update: 29. September 2019

Installation: 10. Mai 2018

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