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Der Kölner Alt-Erzbischof Joachim Kardinal Meisner ist im Alter von 83 Jahren verstorben. Er war ein Befürworter der "Eucharistischen Ökumene"

 

1. Die Bedeutung der Eucharestie und der Eucharistischen Anbetung für den verstorbenen Joachim Kardinal Meisner

2. Die Behauptung, Joachim Kardinal Meisner sei der letzte der konservativen Kardinäle in Deutschland

3. Joachim Kardinal Meisner und der weibliche Nachwuchs im Kölner Dom

4. Joachim Kardinal Meisner und die "Ökumene von oben"

5. Der Papstgehorsam im "Geistlichen Testament" Joachim Kardinal Meisners

6. Joachim Kardinal Meisner und seine Beziehung zu drei Päpsten

7. Zweifel an "Amoris Laetitiae" und "Papa arrabiata"

8. Personelle Stellenbesetzungen durch Papst Franziskus

9. Die Räumung des Eigentums von Papst em. Benedikt XVI. aus Mater Ecclesiae

10. Der Tod Joachim Kardinal Meisners als Zeichen der Hoffnung

11. Joachim Kardinal Meisner als Befürworter der "Eucharistischen Ökumene"

Fazit

 

1. Die Bedeutung der Eucharestie und der Eucharistischen Anbetung für den verstorbenen Joachim Kardinal Meisner

 

Joachim Kardinal Meisner verstarb am 5. Juli 2017 morgens kurz vor sieben Uhr beim Stundengebet vor seiner morgendlichen Eucharestie-Feier. Das Brevier war ihm in den Schoss gesunken. Auf seinem Sarg, der am 15. Juli 2017 zu den Exequien im Kölner Dom aufgebahrt war, stand seine Mitra, seine Stola, eine brennende Kerze (als Zeichen der Hoffnung "spes nostra firma") und ein Kelch für die Eucharstie. Die letzte große kirchliche Feier, die Kardinal Meisner in Köln erleben konnte, war das Fronleichnamsfest am 15. Juni 2017. Bei der Übertragung der Messe und der Prozession durch den katholischen Sender EWTN war Joachim Kardinal Meisner alleine auf einer Bank sitzend ein letztes Mal im Fernsehen zu sehen gewesen. Schmal, zerbrechlich und in sich gekehrt wirkte er. Als er einmal gefragt worden war, was das eindrücklichste Erlebnis in seinem Leben gewesen sei, sagte er kurz, schnell und ohne zu zögern: "Das Marienfeld". In seiner Grußbotschaft, die Erzbischof Georg Gänswein am 15. Juli 2017 während der Exequien vorlas, bestätigte der emeritierte Papst Benedikt XVI. die besondere Bedeutung der "Eucharistischen Anbetung" auf dem Weltjugendtag 2005 in Köln, zu dem Kardinal Meisner den frisch ins Amt gewählten deutschen Papst eingeladen hatte. Papst em. Benedikt XVI. erinnert sich nun zwölf Jahre später daran, wie stark das Gebet mit den Jugendlichen auf dem Marienfeld Kardinal Meisner beeindruckt hat: "So ist die Weile der eucharistischen Anbetung beim Kölner Weltjugendtag zu einem inneren Ereignis geworden, das nicht nur dem Kardinal unvergesslich blieb. Dieser Augenblick war ihm seither immer inwendig gegenwärtig und ein großes Licht für ihn selbst."(1)

 

2. Die Behauptung, Joachim Kardinal Meisner sei der letzte der konservativen Kardinäle in Deutschland

 

Joachim Kardinal Meisner wird von einigen als einer der "letzten konservativen Kardinäle in Deutschland" angesehen. Mit diesen Worten endete auch der Beitrag in der ARD-Tagesschau am 15. Juli 2017 um 20 Uhr über die Beisetzung Joachim Kardinal Meisners im Kölner Dom. Weder sei Kardinal Meisner Frauen als Priesterinnen in der römisch-katholischen Kirche gegenüber aufgeschlossen gewesen noch habe er etwas zur Ökumene beigetragen. Beides ist grundlegend falsch.

 

3. Joachim Kardinal Meisner und der weibliche Nachwuchs im Kölner Dom

 

Fast gleichzeitig begannen Joachim Kardinal Meisner und der Mädchenchor am Kölner Dom im Jahr 1989. Am 20. Dezember 1988 hatte Papst Johannes Paul II. Joachim Kardinal Meisner zum Erzbischof von Köln ernannt. Am 12. Februar 1989 wurde er in sein Amt eingeführt. Der Mädchenchor am Kölner Dom wurde von Professor Eberhard Metternich im Jahr 1989 gegründet. In den vergangenen 28 Jahren hat es nie einen Dissens zwischen Kardinal Meisner und dem Mädchenchor des Kölner Doms gegeben. Es sind auch keine Missbrauchsfälle beim Mädchenchor des Kölner Doms bekannt, im Gegensatz beispielsweise zu den Regensburger Domspatzen. Kardinal Meisner wusste den weiblichen Nachwuchs in der römisch-katholischen Kirche sehr zu schätzen.

 

4. Joachim Kardinal Meisner und die "Ökumene von oben"

 

Oftmals wird beklagt, Kardinal Meisner sei einer Ökumene mit den protestantischen Kirchen gegenüber nicht aufgeschlossen gewesen und habe jegliche Fortschritte abgewehrt. Diese Sichtweise geht davon aus, dass eine "Ökumene von unten" (Elke Göß), von der Basis der Kirchengemeinden aus, in Gang gesetzt werden müsse. Kardinal Meisner war ein Vertreter einer "Ökumene von oben" (Elke Göß). Seine Einstellung zur Ökumene kann man nur dann richtig verstehen und würdigen, wenn man seine tiefe Überzeugung, dass der Papst die Einheit der Kirche garantiere, akzeptiert. Eine "Ökumene von oben" bedeutet, dass man den Papst als den obersten Geistlichen in der römisch-katholischen Kirche anerkennen muss.

 

5. Der Papstgehorsam im "Geistlichen Testament" Joachim Kardinal Meisners

 

Wie sehr die Anerkennung und der Gehorsam gegenüber dem Papst Joachim Kardinal Meisner am Herzen lag, kann man aus seinem "Geistlichen Testament" erkennen, das Rainer Maria Kardinal Woelki in einer Trauerfeier am Abend des Todestages von Joachim Kardinal Meisner im Kölner Dom verlas.(3) Das "Geistliche Testament" ist datiert auf den 25. März 2011, also hat es Kardinal Meisner noch zu Zeiten des Pontifikates von Papst Benedikt XVI. verfaßt. Darin äußert er einen letzten Wunsch: "Das ist meine letzte Bitte an Sie alle um Ihres Heiles willen: Stehen Sie zu unserem Heiligen Vater. Er ist der Petrus von heute. Folgen Sie seiner Wegweisung. Hören Sie auf sein Wort. Petrus will nichts für sich, sondern alles für den Herrn und für seine Schwestern und Brüder."(3)

 

6. Joachim Kardinal Meisner und seine Beziehung zu drei Päpsten

 

Joachim Kardinal Meisner hatte eine sehr enge Verbindung zu den letzten drei Päpsten. 2007 veröffentlichte der Kölner Kardinal ein kleines Büchlein über seine Freundschaft zu Papst Johannes Paul II. An seinem Schreibstil merkt man, dass Kardinal Meisner an manchen Stellen gerne mehr gesagt hätte als er zu veröffentlichen beabsichtigte.(4) Mit Joseph Kardinal Ratzinger bzw. Papst Benedikt XVI. verband Joachim Kardinal Meisner eine enge Freundschaft. Dies war bei den persönlichen Worten von Papst em. Benedikt XVI., die Erzbischof Georg Gänswein bei den Exequien am 15. Juli 2017 vorlas, spürbar. Lange bevor Jorge Mario Bergoglio zum Papst gewählt wurde, befanden sich in Kölner Bibliotheken deutschlandweit einzigartig die Schriften des Argentiniers.(5) So kann man davon ausgehen, dass Joachim Kardinal Meisner entscheidend die Weichen gestellt hat in den letzten drei Konklaven. Dies wird man für nur sehr wenige Kardinäle weltweit sagen können. Dem oftmals umstrittenen und angefeindeten Joachim Kardinal Meisner hätte man es in dieser Intensität in Deutschland nicht zugetraut.

 

7. Zweifel an "Amoris Laetitiae" und "Papa arrabiata"

 

Etwas tragisch ist in diesem Zusammenhang, dass ein Dissens zwischen Papst Franziskus und Joachim Kardinal Meisner theologisch nicht mehr geklärt werden konnte. Im September 2016 hatten die Kardinäle Carlo Caffarra, Leo Burke, Walter Brandmüller und Joachim Meisner ein Schreiben an Papst Franziskus mit der Überschrift "Klarheit suchen: eine Bitte, die Knoten in 'Amoris Laetitiae' zu lösen" gesandt. Auch Gerhard Ludwig Kardinal Müller als Präfekt der Glaubenskongregation schloss sich den fünf im Schreiben genannten Zweifeln an, was für ihn kein Widerspruch zu seiner Papsttreue ist. Nachdem die vier Kardinäle zwei Monate keine Antwort von Papst Franziskus bekommen hatten, veröffentlichten sie das Schreiben. Die Bitte um eine Audienz bei Papst Franziskus wurde den vier Kardinälen verwehrt.

Zum 2. Juli 2017 entliess Papst Franziskus Gerhard Ludwig Kardinal Müller als Präfekt der Glaubenskongregation.(6) Diesen Entschluss soll er nach Angaben Kardinals Müller diesem in einem einminütigen Gespräch in einer Privataudienz zwei Tage vorher mitgeteilt haben.(7)

Noch am 4. Juli 2017 haben sowohl Papst em. Benedikt XVI. als auch Gerhard Ludwig Kardinal Müller mit Joachim Kardinal Meisner an seinem Urlaubsort Bad Füssing telefoniert. Am 5. Juli 2017 verstarb Joachim Kardinal Meisner in seinem Urlaubsort Bad Füssing.

An der Türe des Zimmers von Papst Franziskus im Haus Santa Marta hängt seit einigen Tagen ein Schild, das er geschenkt bekommen hat, mit der Warnung "Vietato lamentarsi", es ist verboten, zu klagen.(8) Wer einen dialogischen Kommunikationsstil aus dem Pontifikat von Papst Benedikt XVI. gewohnt war, sieht sich nun rasch eines Besseren belehrt. Papst Franziskus ist ein Mann der klaren Worte und wenn es sein muss, auch eines Faustschlages für einen "guten Freund", eines Klapses für Kinder, nur nicht ins Gesicht schlagen, eines Messerstiches ins Herz für einen 21-jährigen Schweizer Gardisten und von Vergewaltigungen von Nonnen, die Keuschheit gelobt haben. Auf den "weißen Gelehrten" folgte "Papa arrabiata", der wütende Papst. Dabei wären Gespräche und Diskussionen über das nachsynodale Schreiben von Papst Franziskus "Amoris Laetitiae" durchaus möglich. Nur die Enzykliken von Päpsten können mit dem Hinweis auf die Unfehlbarkeit des Papstes verbunden sein. Für nachsynodale Schreiben gilt dies nicht.

 

8. Personelle Stellenbesetzungen durch Papst Franziskus

 

Ob es Zufall ist, dass einer der aussichtsreichsten Kandidaten für das nächste Konklave, der Finanzchef des Vatikans, George Kardinal Pell am 29. Juni 2017 sein Amt niedergelegt hat, um sich am 26. Juli 2017 in Melbourne einer Anklage wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht zu stellen?

Nur einen Tag vorher hatte Papst Franziskus nochmals fünf neue Kardinäle in einem Konsistorium kreiert. Dabei waren, wie schon vorher einige Male, bedeutende europäische Bischofssitze leer ausgegangen, darunter Venedig, Turin und Berlin. Von den 117 zur Teilnahme am Konklave berechtigten Kardinälen sind derzeit 40 Prozent von Papst Franziskus bestimmt worden. 60 Prozent stammen noch aus der Zeit von Papst Johannes Paul II. und von Papst Benedikt XVI. Doch Papst Franziskus strebt ganz klar die Mehrheit im nächsten Konklave an, um seinen angeblichen "Reformkurs" zu sichern, der zumeist aus einem legereren Arbeitsstil und aus intellektuell niedriger verorteten Veranlagungen besteht.

Auch die italienischen Bischofssitze besetzt Papst Franziskus "niedrigschwelliger". Die seelsorgerliche und administrative Leitung des Bistums Rom, dessen Bischof der Papst eigentlich ist, verlagerte Papst Franziskus am 26. Mai 2017 vom 77-jährigen Kardinalvikar Agostino Vallini auf den 63-jährigen Weihbischof Angelo De Donatis. Auf den sehr beliebten und erfahrenen Präsidenten der italienischen Bischofskonferenz den Genueser Erzbischof Angelo Kardinal Bagnasco folgte am 24. Mai 2017 der Erzbischof von Perugia Gualtierro Kardinal Bassetti, der als gemäßigter Bergoglianer gilt. Während Gualtierro Kardinal Bassetti mit 75 Jahren im besten Alter für diesen hierarchischen Aufstieg zu sein scheint, muss der gleichaltrige Mailänder Erzbischof Angelo Kardinal Scola mit 75 Jahren in den Ruhestand gehen und wurde durch den zehn Jahre jüngeren Mario Delpini ersetzt. Kardinal Scola war der engste Rivale von Jorge Mario Bergoglio im Konklave 2013.

Den mehrfach ausgezeichneten und brillianten Theologen Scola ereilte am 7. Juli 2017 das gleiche Schicksal wie den erst 69 Jahre alten, ehemaligen Präfekten der Glaubenskongregation Gerhard Ludwig Kardinal Müller am 2. Juli 2017 als Präfekt der Glaubenskongregation. Beide wurden von Papst Franziskus durch zwei enge, aber deutlich hierarchisch niedrig stehendere Mitarbeiter ersetzt. Beachtlich sind diese personellen Veränderungen, die Papst Franziskus vornimmt, weil George Kardinal Pell, Agostino Kardinal Vallini, Angelo Kardinal Bagnasco, Angelo Kardinal Scola, Gerhard Ludwig Kardinal Müller und besonders Joachim Kardinal Meisner alle als Parteigänger und Verehrer von Papst Benedikt XVI. gelten müssen.

 

9. Die Räumung des Eigentums von Papst em. Benedikt XVI. aus Mater Ecclesiae

 

Ob es die Liebe Christi ist, die die Verkäufer antreibt ("Caritas Christi urget nos"), bei ebay Autogrammkarten von Kardinälen und Privatfotos von Kardinälen, die nur im Vatikan aufgenommen worden sein können, zu Höchstpreisen zu verkaufen? Einige dieser Fotos dürften sogar aus dem Besitz von Papst em. Benedikt XVI. stammen Es scheint enge Verbindungen einer Person aus dem direkten Wohnumfeld von Papst em. Benedikt XVI. zu Caritas-Mitarbeitenden in Nordrhein-Westphalen zu geben, die die privaten Fotos dann anonym bei einem kommerziellen Internetmarktplatz versteigern. Dass diese kommerziellen Gewinnmaximierungen zum Zwecke des persönlichen Profits im Sinne von Papst em. Benedikt XVI. sind, kann nicht angenommen werden. Es ist eher eine wahnsinne Idee, die mit der drängenden Liebe Christ nicht das Geringste gemeinsam hat. Scheinbar wird derzeit der persönliche Besitz von Papst em. Benedikt XVI. im Haus Mater Ecclesiae dezimiert. Radio Vatikan meldet, dass Papst em. Benedikt XVI. dem Johannes Paul II.-Museum in Wadowice drei Ringe geschenkt habe, die er einst als Präfekt der Glaubenskongregation von seinem Vorgänger im Papstamt geschenkt bekommen hat. Auch drei Briefe und ein Foto, das beide am 30. Oktober 1988 zeigt, seien unter den Geschenken an das Museum im polnischen Geburtsort von Papst Johannes Paul II. gewesen.(9)

In der katholischen Trauerliturgie wird für denjenigen gebetet, der dem Verstorbenen als nächster folgen wird. Es wird hoffentlich nicht Papst em. Benedikt XVI. sein.

 

10. Der Tod Joachim Kardinal Meisners als Zeichen der Hoffnung

 

Joachim Kardinal Meisner wollte am 5. Juli 2017 mit einem Kollegen Eucharestie feiern. Es war alles vorbereitet, um das "Kommt, seht und schmeckt, wie freundlich der Herr ist" erneut zu erfahren. Als der Bischofskollege Joachim Kardinal Meisner fand, sass er aufrecht in einem Sessel, das aufgeschlagene Brevier war seinen Händen entglitten. Joachim Kardinal Meisner muss kurz vorher verstorben sein. Rainer Maria Kardinal Woelki beeindruckte besonders, dass Joachim Kardinal Meisner noch nicht einmal im Tod umgefallen ist, sondern aufrecht sass, wie er bei der Trauerfeier im Kölner Dom nur fünf Stunden nach der Todesstunde von Joachim Kardinal Meisner sagte.(10)

In der Eucharestie und im Gebet kommen Menschen Gott am Nähesten. Alles, was wir im Gebet erbitten, so wir denn aufrichtig glauben, werden wir von Gott empfangen. Joachim Kardinal Meisner hatte einen starken Osterglauben. Wahrhaft Glaubende werden nicht im Tod bleiben, sondern in der Todesstunde verwandelt werden. Mit diesen Worten des Apostels Paulus drückte Rainer Maria Kardinal Woelki bei den Exequien am 15. Juli 2017 das Gleiche aus, was Joachim Kardinal Meisner in seinem "Geistlichen Testament" so formuliert hatte: "Nicht die Gnade, die der Apostel Johannes empfangen, begehre ich, nicht die Vergebung, mit der du dem Petrus verziehen, die nur, die du am Kreuz dem Schächer gewährt hast, die erflehe ich: 'Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein' (Mk 15,43):"(11)

Das bischöfliche Motto Joachim Kardinal Meisners steht im 2. Korintherbrief Kapitel 1 Vers 7: "Unsere Hoffnung für Euch steht fest" ("Spes nostra firma"). Joachim Kardinal Meisner hat fest und unbeirrt geglaubt. Seine Hoffnung ist nicht umsonst gewesen. Unsere Hoffnung ist, dass er nun sehen darf, was er geglaubt hat.

 

11. Joachim Kardinal Meisner als Befürworter der "Eucharistischen Ökumene"

 

Joachim Kardinal Meisner war ein Befürworter der "Eucharistischen Ökumene". Er hatte erkannt, dass die Eucharestie eine gemeinsame Feier zwischen römisch-katholischen Priestern und einer in der Apostolischen Sukzession ordinierten, zölibatär lebenden protestantischen Pfarrerin sein kann.(12) Pfarrerin a.D. Elke Göß fragte Joachim Kardinal Meisner am 28. September 2014 nach der Pontifikalvesper anlässlich des 850. Jubiläums der Übertragung der Reliquien der Heiligen Drei Könige aus Mailand im Rahmen der Domwallfahrt im Kölner Dom, bei der der Mailänder Erzbischof Angelo Kardinal Scola die Predigt gehalten hatte,(13) ob Kardinal Meisner für oder gegen die "Eucharistische Ökumene" sei. Joachim Kardinal Meisner antwortete, er sei dafür.

Diese aufgeschlossene Haltung überrascht um so mehr, als Joachim Kardinal Meisner den meisten als erz-reaktionär galt. Doch ganz offensichtlich war er dies nicht. Ebenso wie der am 12. Dezember 2016 verstorbene Prälat des Opus Dei Javier Echevarría(14) befürwortete Joachim Kardinal Meisner die von Pfarrerin a.D. Elke Göß projektierte "Eucharistische Ökumene" vorbehaltlos. Eine liberale protestantische Ökumene und erzkonservatives römisch-katholisches Christentum widersprachen sich bei der "Eucharistischen Ökumene" keinesfalls. Mit Joachim Kardinal Meisner verliert die "Eucharistische Ökumene" einen ihrer profiliertesten Vertreter im deutschen Katholizismus und in der römisch-katholischen Weltkirche. In den vergangenen Jahren übernahm Joachim Kardinal Meisner sogar die Aufgabe, Zweifelnden den Sinn und die Zusammenhänge der "Eucharistischen Ökumene" nach den strengen römisch-katholischen Kriterien zu erklären. Joachim Kardinal Meisner war unzweifelhaft ein hervorragender, ehrlicher, geradliniger und treuer Botschafter der "Eucharistischen Ökumene", der von einem tiefen römisch-katholischen Glauben geprägt war.

Wäre es, wie geplant, vor der Dienstniederlegung von Papst Benedikt XVI. am 28. Februar 2013 zu einer "Eucharistischen Ökumene" des Papstes mit Pfarrerin a.D. Elke Göß gekommen und hätten weltweit die "Eucharistischen Ökumene"-Feiern mit Bischöfen der römisch-katholischen Kirche stattgefunden, dann hätte die römisch-katholische Kirche wahrscheinlich in absehbarer Zeit auch katholischen studierten, ehelos lebenden Theologinnen die Priesterweihe ermöglicht. Das Opus Dei und Joachim Kardinal Meisner waren jedenfalls dafür.

Bei einer Abstimmung im Kardinalskollegium im Pontifikat von Papst Benedikt XVI. soll es eine deutliche Mehrheit für die "Eucharistische Ökumene" gegeben haben. Auch die Bischofskonferenz soll mehrheitlich dafür gewesen sein. Warum die "Eucharistische Ökumene" dann nicht wie geplant vollzogen wurde, ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt. An der Person von Pfarrerin a.D. Elke Göß oder an einer zu geringen theologischen Ausarbeitung kann es nicht gelegen haben, denn sonst wäre es nie zu Abstimmungen in den hochrangigen Gremien der römisch-katholischen Kirche gekommen und sonst hätte sich Papst Benedikt XVI. nicht in der Form hinter die "Eucharistische Ökumene" gestellt, dass er konkrete Messfeiern weltweit geplant hätte. Dass Papst Benedikt XVI. sich bis zu seiner Dienstniederlegung nicht dazu geäußert hat, ist merkwürdig. Die "Eucharistische Ökumene" ist vielleicht das einzige "left over", das auf dem Schreibtisch von Papst Benedikt XVI. liegen blieb, als er sich anschickte, in den verdienten Ruhestand zu gehen. Warum Papst Benedikt XVI. diesbezüglich seinen Schreibtisch nicht aufgeräumt hat, ist nicht bekannt und paßt so gar nicht zu dem Ordnung liebenden Papst.

Papst Franziskus hat hingegen keinerlei Interesse an der "Eucharistischen Ökumene" unabhängig von seiner fragwürdigen Einstellung zur eigenen Ausübung von Gewalt.

 

Fazit

 

Mit Alt-Erzbischof Joachim Kardinal Meisner, den Pfarrerin a.D. Elke Göß zuletzt an der Prozession zum Dreikönigsfest am 6. Januar 2017 im Kölner Dom gesehen hat, verliert die "Eucharistische Ökumene" ihren höchstrangisten Befürworter im deutschen Katholizismus. Sein Verdienst, für die "Eucharistische Ökumene" gewesen zu sein, wird in Ewigkeit bestehen bleiben. Gott nehme Joachim Kardinal Meisner in Gnaden an und schenke ihm ewig Frieden.

 

Elke Göß

 

(1) D: Requiem für Kardinal Meisner - Beisetzung im Dom, http://de.radiovaticana.va/news/2017/07/15/d_kardinal_meisner_im_k%C3%B6lner_dom_beigesetzt/1325196,16.07.2017

(2) Woelki verliest Geistliches Testament Meisners in Trauermesse, http://www.erzbistum-koeln.de/news/Woelki-verliest-Geistliches-Testament-Meisners-in-Trauermesse/,16.07.2017

(3) Geistliches Testament von Joachim Kardinal Meisner, http://www.erzbistum-koeln.de/erzbistum/alterzbischof_meisner/geistliches-testament/,16.07.2017

(4) vgl. Göß Elke (2012): Eine Hommage mit deutlichen historischen Widersprüchen und theologischen Fragwürdigkeiten, Rezension zu Meisner Joachim Kardinal (2007): Er war mein Freund. Ein Zeugnis aus der Nähe, erschienen bei amazon am 13. März 2012

(5) vgl. Göß Elke (i.E.): Papst Franziskus - ein international anerkannter Autor? Eine global-historische Literatur-Online-Recherche und deren dokumentarische Grenzen, Liberale Gesellschaftsanalyse, Band 9

(6) vgl. Papst Franziskus verlängert das Mandat von Gerhard Ludwig Kardinal Müller für alle seine päpstlichen Beauftragungen ab dem 2. Juli 2017 nicht, erschienen bei Lib & In am 3. Juli 2017

(7) vgl. Kardinal Müller will in Fragen der Ehelehre vermitteln, http://de.radiovaticana.va/news/2017/07/05/kardinal_m%C3%BCller_will_in_fragen_der_ehelehre_vermitteln/1323412,16.07.2017

(8) vgl. Schild an Zimmertür des Papstes: Klagen verboten, http://de.radiovaticana.va/news/2017/07/14/schild_an_zimmert%C3%BCr_des_papstes_%E2%80%9Eklagen_verboten%E2%80%9C/1324992,16.07.2017

(9) vgl. Benedikt XVI. beschenkt Johannes Paul II.-Museum im Wadowice, http://de.radiovaticana.va/news/2017/07/14/benedikt_xvi_beschenkt_johannes-paul-ii-museum_in_wadowice/1324966,16.07.2017

(10) Geistliches Testament von Joachim Kardinal Meisner, http://www.erzbistum-koeln.de/erzbistum/alterzbischof_meisner/geistliches-testament/,16.07.2017

(11) vgl. Woelki verliest Geistliches Testament Meisners in Trauermesse, http://www.erzbistum-koeln.de/news/Woelki-verliest-Geistliches-Testament-Meisners-in-Trauermesse/,16.07.2017

(12) vgl. Göß Elke (2013): Die eucharistische Ökumene mit in der apostolischen Sukzession ordinierten, zölibatär lebenden evangelischen Theologinnen ist durch Papst Benedikt XVI. vollzogen – ein persönliches Bekenntnis zum bayerischen Papst von einer lutherischen Pfarrerin, erschienen bei Lib & In am 23. Februar 2013, update: 17. September 2014

(13) vgl. Domwallfahrt 2014 zu Ende gegangen, http://www.erzbistum-koeln.de/news/Domwallfahrt_2014_zu_Ende_gegangen/,16.07.2017

(14) vgl. Göß Elke (2016): Opus Dei-Chef Bischof Javier Echevarría ist im Alter von 84 Jahren verstorben. Er war ein Befürworter der "Eucharistischen Ökumene", erschienen bei Lib & In am 13. Dezember 2016

 

erschienen bei Lib & In am 16. Juli 2017

 

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update: 11. September 2019

Installation: 10. Mai 2018

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