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Die Eucharistische Ökumene und die Zeit

Einleitung

1. Wann wird es den nächsten Schritt in der Eucharistischen Ökumene geben?

2. Wie wird der nächste Schritt in der Eucharistischen Ökumene aussehen?

3. Wo wird die nächste Eucharistische Ökumene sein?

4. Wer wird daran beteiligt sein?

5. Warum tut sich so lange nichts?

6. Wer ist schuld daran, dass es nicht weitergeht?

7. War die Eucharistische Ökumene nur eine Erfindung?

8. Bildet die Eucharistische Ökumene eine Welt ab, die es gar nicht gibt?

Fazit

 

Einleitung

 

Wann wird es den nächsten Schritt in der Eucharistischen Ökumene geben? Wie wird er aussehen? Wo wird es sein? Wer wird daran beteiligt sein? Warum tut sich so lange nichts? Diese und ähnliche Fragen stellen sich viele, die bereits vor Jahren erstmals von der Eucharistischen Ökumene gehört haben und feststellen müssen, dass sich scheinbar nichts bewegt. Wer ist schuld daran, dass es nicht weitergeht? War die Eucharistische Ökumene nur eine Erfindung? Bildet die Eucharistische Ökumene eine Welt ab, die es gar nicht gibt? Es wird Zeit, dass Elke Göß, seit 1993 freiberufliche Journalistin und seit 2000 Pfarrerin der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern (ohne Dienstauftrag) diese Fragen beantwortet.

 

1. Wann wird es den nächsten Schritt in der Eucharistischen Ökumene geben?

 

EG: Das weiß ich nicht. Die Eucharistische Ökumene meint, dass ich als in der Apostolischen Sukzession ordinierte Pfarrerin der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, auch ohne konkreten Dienstauftrag, deshalb geeignet wäre, von der römisch-katholischen Kirche anerkannt zu werden, weil ich nicht verheiratet bin, also zölibatär lebe, und weil ich eine Theologie vertrete, die mit den Grundsätzen der römisch-katholischen Kirche kompatibel ist. Es gibt vor allem beim Amtsverständnis immer noch eine Diskrepanz zwischen den protestantischen Kirchen und der römisch-katholischen Kirche.

Als ich mit 19 Jahren Kirchenvorsteherin in meiner Heimatgemeinde in Ansbach war, sollte ich ein Referat über das sogenannte „Lima-Papier“ halten, das den Titel trägt „Taufe, Eucharistie, Amt“. Das muss im Dezember 1982 gewesen sein. Ich habe das Büchlein selbst, also ohne die Hilfe einer anderen Person, erarbeitet. Dabei fiel mir auf, dass es die stärksten Gegensätze beim Amtsverständnis gibt. Auch beim Eucharistie-Verständnis gab es damals, wie heute auch, Differenzen. Das römisch-katholische Amtsverständnis hält einerseits an der Priesterweihe in der Apostolischen Sukzession fest. Andererseits besteht die römisch-katholische Kirche bei Priestern darauf, dass sie das Zölibat versprechen. Meine Schlussfolgerung im Dezember 1982 war also, dass die Ökumene zwischen der römisch-katholischen Kirche und den protestantischen Kirchen dann vollzogen wäre, wenn eine protestantische Person sich diesen beiden Bedingungen unterwerfen würde.  Diese Person dürfte selbstverständlich auch sonst nicht gegen die römisch-katholische Kirche polemisieren. Dass eines Tages ich diese Person sein könnte, habe ich mir damals schon vorgestellt. Allerdings war der Weg bis dahin noch sehr lang und vor allem sehr entbehrungsreich. Ich habe diese Erkenntnis wie eine Offenbarung Gottes empfunden.

Vielleicht gab diese Erfahrung den Ausschlag, dass ich Theologie studierte. Ich war mir ganz sicher, dass es etwas sehr Großes sein würde, wenn es gelänge, beide christlichen Konfessionen miteinander zu vereinen und zu befrieden. Damals war ich auch Mitglied in einer kirchlichen Friedensgruppe, bei der es um die Stationierung der Pershing II-Raketen ging.

Während meines Theologiestudiums prüfte ich immer wieder bei bestimmten Themen deren Kompatibilität zwischen den beiden christlichen Konfessionen. Viele kleine Anfragen stellte ich meinen Professorinnen und Professoren im Lauf der Jahre. So konnte ich theologische Zusammenhänge herstellen, die sonst kaum eine Rolle spielten oder die sogar völlig neu waren. Obwohl die kirchlichen Dogmatiken gut ausgefächert sind, bleiben dennoch kleine Refugien, die nie bearbeitet wurden. Man könnte, völlig unproblematisch, eine „Theologie der Eucharistischen Ökumene“ schreiben. Im liturgischen Jahreslauf könnten mit der Eucharistischen Ökumene neue Verbindungen und neue Schwerpunkte gesetzt werden. Dies ist noch nie ausgearbeitet worden und ob ich dazu Gelegenheit haben werde, weiss ich nicht.

Mit dem Pontifikat von Papst Benedikt XVI. begann 2005 die Wirkungszeit des ersten bayerischen Papstes seit fünfhundert Jahren. Da Papst Benedikt XVI. vorher Präfekt der Glaubenskongregation gewesen war, erschien es mir plausibel und sehr umsetzungsstark, wenn er die Ideen der „Eucharistischen Ökumene“ übernommen hätte und in die Tat umgesetzt hätte. Eine Zeit lang sah es zwischen Juni 2008 und irgendwann 2010 so aus. Papst Benedikt XVI. liess die konkreten Planungen dann wieder fallen. Sie waren sehr weitreichend gewesen. Es hätte eine zentrale Eucharistie-Feier mit mir gegeben und anschließend Eucharistie-Feiern auf allen Kontinenten mit den dortigen Bischöfen der römisch-katholischen Kirche. Wenn die Planungen von Papst Benedikt XVI. umgesetzt worden wären, hätten wir heute die ökumenische Einheit der lutherischen Kirchen und der römisch-katholischen Kirche in toto. Dies wollten die Vertreterinnen und Vertreter der protestantischen Kirchen nicht, denn sie hätten dabei keine Rolle gespielt. Wie kann ein Papst mit einer einfachen Pfarrerin Eucharistie feiern und damit die Welt verändern und alle protestantischen Bischöfe wären zuhause auf ihren Sofas gesessen und hätten dies im Fernsehen mitbekommen! Da war der berufliche und geistliche Neid viel zu ausgeprägt. Es war schon fast alles vorbereitet, da soll es eine Anfrage an die beiden Bischöfe in München, Reinhard Kardinal Marx und Landesbischof Johannes Friedrich gegeben haben. Einer von beiden soll „nein“ gesagt haben und Papst Benedikt XVI. hat zurückgezogen. Das war, als wäre ich das Eigentum der evangelisch-lutherischen Kirche. Ich kam mir vor die ein Stück Vieh, das man besitzt und über das man bestimmt, und nicht wie eine moderne, mündige Frau. Heute denke ich, Papst Benedikt XVI. könnte nur zum Schein alles vorbereitet haben, um dann die Hand vom Pflug zurückzuziehen.

Ich bin nicht allein damit, dass darüber niemals kommuniziert wurde. Auf dem Katholikentag in Leipzig habe ich einen afrikanischen Bischof getroffen, der ebenfalls nichts davon wusste, dass die Eucharistische Ökumene zumindest vorläufig auf Eis gelegt wurde. Auch der Pariser Erzbischof wusste nichts davon. Dabei hatte es im Jahr 2009 eine außerordentliche Bischofskonferenz zu diesem Thema gegeben und sogar das Kardinalskollegium hatte mit sehr großer Mehrheit zugestimmt. Eine solche Entscheidung kann doch nicht einfach im Nichts verschwinden wie in einem Schwarzen Loch. Später erfuhr ich, dass ich als evangelisch-lutherische Pfarrerin sogar Stimmen im Konklave 2013 bekommen habe. Das muss man sich vorstellen: Elke Göß, Pfarrerin aus Bayern, bekommt Stimmen von Kardinälen, die in der Sixtinischen Kapelle im März 2013 den Papst gewählt haben. Der Gewinner ist bekannt: Papst Franziskus. Wenn nun irgendwelche Personen behaupten, meine Wahl sei nicht gültig, so würden sie behaupten, die gesamte Wahl wäre ungültig. Dann wäre Papst Franziskus nicht rechtmäßig gewählt. Zudem würden diese Personen den Kardinälen die Wahlfähigkeit absprechen, die sich für mich entschieden haben. Vielleicht waren diese Kardinäle besser informiert wie diejenigen, die heute meinen, die Wahl anzweifeln zu müssen. Man darf den wahlberechtigten Kardinälen zutrauen, dass sie wissen, wen sie wählen. Ich war also, wie es aussieht, die erste Frau, die rechtmäßig in einem Konklave der römisch-katholischen Kirche mehrere Stimmen bekommen hat. Ich galt im März 2013 als „papabile“, obwohl dies wahrscheinlich in Zukunft „mamabile“ heißen wird, wenn es die erste Päpstin in der römisch-katholischen Kirche geben wird. Darauf wird man noch warten müssen.

Seit der Wahl von Papst Franziskus hat sich nicht mehr viel getan. Die Eucharistische Ökumene hält er für möglich. Er selbst interessiert sich aber nicht besonders dafür. Dies kann verschiedene Gründe haben. Ein Hinderungsgrund ist, dass Papst Franziskus am 21. Juni 2013 einen jungen Schweizer Gardisten mit einem Messerstich ins Herz getötet hat. Nach deutschem Recht sind mehrere Mordmerkmale erfüllt. Da ich die Zehn Gebote besonders hoch schätze und seit mehr als 40 Jahren versuche, sie einzuhalten, ist es sehr schwierig, mit einem Papst Eucharistie zu feiern, der im Amt einen Mord begangen hat. In früheren Zeiten gab es Päpste, die beispielsweise bevor sie Papst wurden, im Krieg getötet haben. Zumindest seit der Französischen Revolution 1789 gab es keinen Papst, der während seines Pontifikates einen Menschen getötet hat. Dass manche Päpste einen Mord befohlen haben könnten, kann nicht ausgeschlossen werden, aber sie selbst haben nicht getötet. Dieser Mord vom 21. Juni 2013 ist bisher ungesühnt. Papst Franziskus wird wahrscheinlich noch nicht einmal zur Verantwortung gezogen werden (können), da er als oberster Souverän des Vatikanstaates auch gleichzeitig oberster Gesetzgeber und oberster Ausführender der Gesetze ist.

Das zweite, was einem nächsten Schritt in der Eucharistischen Ökumene im Weg steht, ist das Verhalten von Papst Franziskus einzelnen jungen Nonnen gegenüber. Es gibt viele Zeuginnen und Zeugen, dass Papst Franziskus junge Nonnen zum Sex nötigt. Manche sprechen auch davon, dass er einzelne jungfräuliche Nonnen vergewaltigt, die ihn eindeutig mit einem „nein“ abgewiesen haben. Es ist selbstverständlich äußerst schwierig für eine Pfarrerin mit einem Papst Eucharistie zu feiern, der Nonnen vergewaltigt. Wie will eine Pfarrerin für die Rechte von Frauen in der römisch-katholischen Kirche eintreten, wenn der Papst junge, zum sexuellen Verkehr nicht bereite Nonnen dazu zwingt?

Das dritte Hindernis besteht seit 23. März 2008. Damals wurde ich von sieben vatikanischen Gendarmen am Ostersonntag zwischen 10 und 13 Uhr so misshandelt, dass ich an den Folgen der zehn Körperverletzungen bis heute leide. Ich wurde auch von Anfang an sexuell beleidigt. Mir wurde mehrfach sexuelle Gewalt angekündigt, bevor es kurz nach 12 Uhr richtig losging. Ich habe in den vergangenen zehn Jahren sehr viele Persönlichkeiten angesprochen und angeschrieben und um Hilfe gebeten, darunter auch Papst Benedikt XVI. und Papst Franziskus. Keiner der beiden Päpste hat auf meine Schreiben reagiert. Dies ist besonders kritisch, da ich im März 2008 Chancen hatte, an der Humboldt-Universität zu Berlin zu promovieren und anschließend zu habilitieren. Als ich am Ostersonntag 2008 um 13 Uhr aus dem Vatikan herausgebracht wurde, konnte ich mir noch nicht einmal mehr die Hose selbst hochziehen, ich konnte mich nicht mehr frisieren und ich konnte keinen Löffel mehr halten. Wie sollte ich an mehreren Tagen dreistündige Klausuren schreiben können? Die Verletzungen der Hände brauchten mehrere Monate. Wegen der Verletzungen der Arme war ich eineinhalb Jahre in physiotherapeutischer Behandlung. Ich konnte mein Zweitstudium nicht mehr fortsetzen, für das ich jahrelang gespart hatte. Stattdessen musste ich rund eineinhalb Jahre zuhause bleiben und darauf warten, dass ich meine Arme wieder normal bewegen konnte. In den vergangenen zehn Jahren gab es keinen Tag, an dem ich nicht Schmerzen in Folge der dreistündigen Misshandlungen im Vatikan 2008 hatte. Der Grund, weshalb ich so misshandelt wurde, ist bis heute unbekannt. Es kann einen Zusammenhang mit der Eucharistischen Ökumene geben. Es können auch andere Gründe sein.

Für die Eucharistische Ökumene ist es sehr nachteilig, dass die Folgen der Misshandlungen von 2008 immer noch nicht ausgeheilt sind. Was wäre, wenn es zu einer Eucharistie von Papst Franziskus und mir käme und ich derzeit nur hinkend zum Altar gehen könnte. Eine Eucharistische Ökumene gemeinsam mit einem Papst am Altar wäre ein Weltereignis. Dann kommt die Frage auf, warum denn die Pfarrerin so hinkt, und der Pressesprecher des Papstes muss dann eingestehen, dass diese Frau, die als Erste die Bedingungen erfüllt hat, um von der römisch-katholischen Kirche als Priesterin anerkannt zu werden, zuerst einmal von sieben vatikanischen Polizisten ausgerechnet am Ostersonntag 2008 vergewaltigt worden ist. Denn inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Regensburg die Ermittlungen aufgenommen und alle zehn Körperverletzungen als Vergewaltigung subsumiert. Ein Grund ist, dass ich bereits von Anfang an sexuell als Pfarrerin beleidigt wurde. Das macht sich auch schlecht: die römisch-katholische Kirche vergewaltigt erst einmal die Frau, die die Voraussetzungen mitbringt, um Eucharistie mit einem Papst zu feiern und die den Frauen in der römisch-katholischen Kirche damit den Weg ins Priesteramt ebnen würde. Bisher gibt es nur sehr wenige offizielle Reaktionen von Seiten der römisch-katholischen Kirche auf diese dreistündige Vergewaltigung.

Der vierte Grund ist, dass ich als Spätfolge der dreistündigen Vergewaltigung im vergangenen Jahr operiert werden musste. Die OP verlief nicht so wie andere OPs, so dass sich sehr bald zeigte, dass der Heilungsverlauf erheblich verzögert ablaufen würde, wenn mir nicht sogar lebenslang ein Schaden bleibt. Ich bin seit drei Jahren gehbehindert und ein Ende ist nicht in Sicht. Bisher musste ich alle Kosten für die Behandlungen der zehn Körperverletzungen selbst zahlen. Zusammen mit dem Verdienstausfall und einem Schmerzensgeld dürfte die Schadenssumme damit um die 40.000 Euro betragen. Ein Ende ist nicht in Sicht. Die Summe, die ich aufbringen muss, damit meine Gesundheit wenigstens einigermaßen wiederhergestellt wird, kann sich noch erhöhen. Ich habe gesagt, wenn dieser Schadensfall nicht vorher zu meinen Gunsten geklärt wird, werde ich keine Eucharistische Ökumene mit einem Papst feiern, sei es Papst Benedikt XVI., sei es Papst Franziskus.

Aus diesen vier Gründen, die mir ersichtlich sind, stagnieren die Fortschritte in der Eucharistischen Ökumene. Es kann intern in der römisch-katholischen Kirche noch andere Gründe geben, die mir nicht bekannt sind. Zum „Profil“ von Papst Franziskus, der sich vor allem den Armen zuwendet, gehört die Frauenförderung in der römisch-katholischen Kirche nur soweit, als sie nicht das Priesteramt betrifft. Papst Franziskus lässt maximal prüfen, ob Frauen Diakoninnen in der römisch-katholischen Kirche werden können. In diesem Tempo dauert es noch Jahrzehnte, bis die erste Frau zur Priesterin geweiht werden wird.

 

2. Wie wird er nächste Schritt in der Eucharistischen Ökumene aussehen?

 

EG: Das weiß ich auch nicht. Bei einer so großen Veränderung muss die Initiative vom Papst ausgehen. Sonst hat es gar keinen Sinn. Es geht bei der Eucharistischen Ökumene nicht um ein Frauenförderungsprojekt oder eine Frauenemanzipation. Es geht um die heilige Eucharistie.

Zu einer Eucharistie-Feier kann man nicht einfach einmarschieren oder vor zum Altar stürmen. Eine Eucharistie ist eine Messe, ein Gottesdienst, und soll und muss würdig begangen werden. Ich würde mir eine sehr heilige Messe wünschen für die erste offizielle Eucharistische Ökumene mit einem Papst. Es sollte still sein und niemand sollte klatschen. Eucharistiefeiern ist ein Dienst, ein Dienst für Gott, ein Dienst, bei dem sich Gott offenbart. Alle weltlichen Vorstellungen, der Mensch könnte hierbei eine entscheidende Rolle spielen, sind fehl am Platz. Der Mensch wird in der Eucharistie Zeuge der Selbstoffenbarung Gottes in Brot und Wein, im Leib und Blut Jesu Christi. Dieses heiligste Geschehen zum Heil und zur Heilung des Menschen gilt es in Demut und in Stille anzunehmen.

Es ist also nicht vorstellbar, dass ich einfach zum Altar vorpresche. Außerdem gilt in Kirchen wie auch sonst in Häusern das Hausrecht. Wer unbefugt eintritt, kann Hausverbot bekommen. Zudem ist die Störung einer gottesdienstlichen Feier eine Straftat sowohl im Vatikan wie in Italien und in Deutschland. Wenn also der Papst eine ausdrückliche Einladung an mich ausspricht oder aussprechen lässt, dann ist eine gemeinsame Eucharistiefeier möglich. Wenn nicht, dann nicht.

 

3. Wo wird die nächste Eucharistische Ökumene sein?

 

EG: Das weiß ich nicht. Wie gerade schon gesagt, die Initiative muss vom Papst ausgehen. Die Eucharistische Ökumene sollte ein weltweites Ereignis sein und deshalb ist meiner Meinung nach der richtige Ort in Rom.

Das ist so ähnlich wie mit dem derzeit in Deutschland laufenden Kommunionstreit. Sollen in Deutschland bei konfessionsverschiedenen Ehen die nicht-katholischen Partnerinnen und Partner in den Kirchen vor Ort offiziell zur Eucharistie zugelassen werden? Einige deutsche Bischöfe meinen ja, andere nein. Papst Franziskus hat die Frage an die Deutsche Bischofskonferenz zurückverwiesen, anscheinend in der Hoffnung, dass sich die Deutsche Bischofskonferenz von sich aus dem Papst unterstellt. Als er merkte, dass dies nicht kommen wird, ließ er die Entscheidung wieder durch den Präfekten der Glaubenskongregation nach Rom ziehen. Dieser schrieb an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Reinhard Kardinal Marx, dass eine solche Entscheidung eine Tragweite habe, die die nationale Reichweite der römisch-katholischen Kirche in Deutschland übersteigt und die Weltkirche betrifft. Genauso ist es mit der Eucharistischen Ökumene. Es ist für mich nicht vorstellbar, die Eucharistische Ökumene mit einem Bischof oder Kardinal irgendwo zu feiern, ohne dass der Papst zugestimmt hat. Deshalb ist es das Beste, wenn der nächste Schritt gleich vom Papst gegangen wird. Wo dies sein wird, bestimmt der Papst.

 

4. Wer wird daran beteiligt sein?

 

EG: Wenn man das Konzept der Eucharistischen Ökumene so nimmt, wie ich es eben beschrieben habe, dann ist die Eucharistische Ökumene derzeit nur mit Zustimmung des Papstes möglich und derzeit verfüge auch nur ich auf protestantischer Seite über alle Fähigkeiten, um Eucharistie feiern zu können.

 

5. Warum tut sich so lange nichts?

 

EG: Dies ist eine spannende Frage. Zehn Jahre sind vergangen, seitdem ich erstmals die Einsetzungsworte bei einer Eucharistiefeier mit Papst Benedikt XVI. in Santa Maria di Leuca am 14. Juni 2008 gültig mitgesprochen habe. So vollzieht sich Geschichte. Sie passiert beiläufig. Sie geschieht „am Ende der Welt“, Santa Maria di Leuca liegt am Absatz des italienischen Stiefels und gilt in Italien als „das Ende der Welt“. Dort soll der Apostel Paulus das erste Mal an Land gegangen sein, als er nach Italien kam.

Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Doch blickt man auf andere herausragende Gestalten in der römisch-katholischen Kirche, die heute sehr berühmt sind, so dauerte es bei ihnen oftmals noch länger, bis sich ihre neuen Ideen und ihre neue Bewegung etabliert hatte und vom Vatikan und vom Papst anerkannt wurden.

Noch im Jahr 2008, gleich nach den Misshandlungen im Vatikan, begann ich mich für das Opus Dei zu interessieren, denn ich wollte wissen, ob das Opus Dei etwas gegen Frauen als Priesterinnen in der römisch-katholischen Kirche hat. Das Opus Dei hat nichts gegen Priesterinnen. Im Gegenteil. Das Opus Dei würde Frauen als Priesterinnen sehr gerne sehen. 2008 und 2009 habe ich mich mit der Geschichte des Opus Dei beschäftigt. Wie viele Jahrzehnte musste deren Gründer Josemaría Escrivá arbeiten, um die Zustimmung eines Papstes zu bekommen, damit er seine Bewegung innerhalb der römisch-katholischen Kirche als Prälatur etablieren konnte. Es gab auch Zoff mit einem Papst. Der inzwischen heiliggesprochene Josemaría Escrivá, der am 26. Juni Namenstag hat, nannte Papst Johannes XXIII., der von so vielen geliebt wurde und der das Zweite Vatikanische Konzil einberief, einen „Bauern“. Doch nicht nur der Gründer des Opus Dei tat sich schwer, seine Bewegung, die heute eine der mächtigsten in der römisch-katholischen Kirche ist, anerkennen zu lassen. Sogar Mutter Theresa von Kalkutta, die ebenfalls heiliggesprochen ist, musste sehr lange um die Anerkennung ihrer Arbeit in den Armenvierteln bei den Kirchenoberen kämpfen. Sehr schwer hatte es auch der in Italien überaus beliebte Pater Pio, das Wohlwollen und die Zustimmung des Papstes und des Vatikans zu erlangen. Bei allen drei sehr bedeutenden katholischen Persönlichkeiten dauerten die Anerkennungsbemühungen mehrere Jahrzehnte. Dabei waren alle drei katholisch. Ich bin evangelisch-lutherisch. Da ist ein Jahrzehnt gar nichts. Es scheint so zu sein, als ob man im Vatikan sehen wollte, ob sich diese neue Richtung auch tatsächlich bei den Gläubigen festigt und ob sie sie ernsthaft anerkennen. Die Eucharistische Ökumene hat bereits jetzt einen weltweiten Bekanntheitsgrad. Sie ist einzigartig und im Vergleich zu anderen Wegen, wie Frauen gleichberechtigt Priesterinnen in der römisch-katholischen Kirche sein könnten, ist sie ziemlich unkompliziert, geradlinig und zeit- und konfliktsparend. Wie ich schon geschrieben habe, die Eucharistische Ökumene ist mit jedem Papst jederzeit möglich. Wie schnell es geht, liegt an dem jeweiligen Papst.

 

6. Wer ist schuld daran, dass so lange nichts weitergeht?

 

EG: Diese Frage ist falsch gestellt. Es gibt keine Schuld, dass nichts weitergeht. Eine so große Umstellung muss genau überlegt sein. Die Verantwortlichen in der römisch-katholischen Kirche (Papst, Kardinalskollegium, weltweite Bischofskonferenz) müssen wollen. Sie müssen davon überzeugt sein, dass es der richtige Weg ist und sie müssen davon überzeugt sein, dass es der richtige Zeitpunkt ist. Wenn es zu einer Eucharistischen Ökumene mit mir käme, wäre der Weg offen für Frauen ins Priesteramt der römisch-katholischen Kirche. Dann müssen Vorbereitungen getroffen werden. Die Planungen sind heute schon absehbar und könnten bereits begonnen werden. Dies in die Wege zu leiten, ist die Aufgabe des Papstes. Man kann solche Veränderungen nicht von außerhalb einer Institution herbeizwingen. Damit ist gar nichts erreicht. Wenn der Kairos, der richtige Zeitpunkt, noch nicht erreicht ist, dann muss man eben warten. Das bedeutet aber nicht, dass nichts vorangeht. In dieser Zeit kann man sich gegenseitig besser kennenlernen. Das ist von großem Vorteil. Man kann sich mit dem Gedanken der Eucharistischen Ökumene vertraut machen, darüber nachdenken, darüber meditieren, dafür beten, die Idee der Eucharistischen Ökumene immer wieder neu durchdenken und sich in sie hineinversenken. Es ist aus geistlicher Sicht wohltuend, nicht sofort und überstürzt handeln zu müssen. Die Eucharistische Ökumene kann ein inneres, geistliches Bedürfnis werden, eine Sehnsucht nach vollkommener Einheit zwischen den beiden so lange verfeindeten Konfessionen, den protestantischen und den römisch-katholischen Gläubigen. Innerlich bewegt sich dann viel. Nichts stagniert.

 

7. War die Eucharistische Ökumene nur eine Erfindung?

 

EG: Entdeckt habe ich die Möglichkeit dazu bereits im Dezember 1982. Die Bezeichnung „Eucharistische Ökumene“ habe ich im Jahr 2008 gewählt in Anlehnung an Joseph Kardinal Ratzinger, der in einer seiner Schriften von einer möglichen „ökumenischen Eucharistie“ schreibt.

Eine Erfindung ist die Eucharistische Ökumene nicht. Jede Idee muss von jemand entdeckt werden. Das sind meistens Einzelpersonen. Martin Luther, Karl Marx, auch die eben schon genannten Mutter Theresa und Josémaría Escrivá haben alle eine bestimmte Idee oder mehrere Ideen entdeckt, die sie entfaltet haben und weitergegeben haben.

 

8. Bildet die Eucharistische Ökumene eine Welt ab, die es gar nicht gibt?

 

EG: Ja. Die Eucharistische Ökumene zeigt eine geistliche Welt, wie sie sie noch nicht gibt. Es ist eine friedliche Welt, in der alle christlichen Konfessionen und das Judentum gut miteinander auskommen und sich verstehen. In dieser Welt gibt es zwar unterschiedliche Glaubensauffassungen, aber sie wirken nicht mehr in dem Maß trennend wie bisher. „Versöhnte Verschiedenheit“ hieß ein Stichwort in den 1980er Jahren. Ein biblisches Motiv für die Eucharistische Ökumene ist die Wallfahrt zum Zion bei Jesaja.

Die Versöhnung betrifft nicht nur die Konfessionen und das Verhältnis des Christentums zum Judentum. Auch die beiden Geschlechter, das Männliche und das Weibliche, sind versöhnt. Beide, Männer und Frauen, werden mit ihren geistlichen Gaben ernst genommen. Beide sind vor Gott gleich würdig und deshalb können auch Priesterinnen wie Priester die Eucharistie einsetzen. Von der Eucharistiefeier geht eine Friedensbewegung aus, die alle Bereiche des Lebens erfasst. In den Messen mit Papst Benedikt XVI. wurde in ähnlicher Weise der Friedensgruß ausgetauscht.

Die Eucharistische Ökumene ist ein Friedenszeichen in der Zeit. Sie verweist weit über sich hinaus, denn menschlicher Friede ist immer anfällig für Störungen und für Gewaltausbrüche. Gottes Friede allein ist beständig, schafft Ruhe und Sicherheit, gibt Gelassenheit und fördert alles Leben durch Gottes Segen. Die Eucharistische Ökumene ist ein Segen und soll ein Segen sein, ein Segen, der zum Frieden für die ganze Welt und zum Frieden mit Gott führt.

 

Fazit

 

Der Papst nimmt eine zentrale Rolle ein, wenn es um die Frage geht, wie und wann es mit der Eucharistischen Ökumene weitergeht. Es gibt vier gravierende Probleme, die vor einem nächsten Schritt gelöst werden müssen. Vor allem die Kosten für die Schädigungen, die mir am 23. März 2008 im Vatikan zugefügt wurden, müssen vorher übernommen werden. Die Eucharistische Ökumene ist als eine Friedensgeste eine Gnade. Martin Luther hat darauf aufmerksam gemacht, dass die Versöhnung mit Gott und vor Gott keine „billige Gnade“ sein kann. Mein ganzes Leben wurde am 23. März 2008 zerstört. Den Schaden habe ich allein zu tragen. Im Sinne geschwisterlicher Liebe wie auch im Sinne eines demokratischen Rechtsstaates ist es, dass Unrecht geahndet und Schaden wieder gut gemacht wird. Zwar wird mir kein Geld der Welt meine berufliche Zukunft, wie ich sie vor dem 23. März 2008 hatte, wiederbringen. Entschädigungszahlungen können auch den gesundheitlichen Verlust, gegen den ich nun seit zehn Jahren kämpfe, nicht wettmachen. Dennoch kann es ohne eine vorherige gütliche Einigung auch zu keiner von Frieden erfüllten Eucharistischen Ökumene kommen.

Der richtige Weg und der richtige Zeitpunkt werden von Gott selbst bestimmt werden. Die Veränderungen für die römisch-katholische Kirche sind so groß, dass sie gut überlegt und vorbereitet werden müssen. Es kann sein, dass die Verantwortlichen in der römisch-katholischen Kirche (Papst, Kardinalskollegium, weltweite Bischofskonferenz) zu dem Schluss kommen, dass ein anderer Weg geeigneter ist. Dann bleibt die Eucharistische Ökumene ein verschriftlichtes Projekt. In jedem Fall ist die Eucharistische Ökumene der schnellste, der friedlichste, der zeitsparendste und der konfliktfreieste Weg zu einer friedlichen Koexistenz von protestantischen und römisch-katholischen Gläubigen und der schnellste Weg für die römisch-katholische Kirche, zu einem Frauenpriestertum zu kommen, ohne alles andere, was bisher gegolten hat, zu verändern.

 

Elke Göß

 

Rom, 26. Juni 2018

 

Quiz: In welcher Zeitform kann man über die "Eucharistische Ökumene" sprechen?

 

Frage: In welcher Zeitform kann man über die "Eucharistische Ökumene" sprechen?

a) in der Vergangenheit: Die "Eucharistische Ökumene war..."

b) in der Gegenwart: Die "Eucharistische Ökumene ist ..."

c) in der Zukunft: Die "Eucharistische Ökumene wird ... sein"

 

Antwort: b) ist richtig. Es gibt die "Eucharistische Ökumene" wirklich. Sie existiert in der Gegenwart.

 

Elke Göß

 

18. Juli 2018

ܐܽܘܟ݂ܰܪܺܝܣܛܺܝܰܐ  Θεία Ευχαριστία  eucharistia  أفخارستيا  евхари́стия  Eucharist  eucaristia  eucharistie  eucarestia  eucharystia  eucharistie  Eucharistie

update: 21. November 2019

Installation: 10. Mai 2018

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