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Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs an oder durch kirchliche Mitarbeitende. Ein römisch-katholischer und evangelischer Vergleich

 

Einleitung

1. Aufarbeitung körperlichen und sexuellen Missbrauchs im Bistum Regensburg

2. Die Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz

3. Aufarbeitung körperlichen und sexuellen Missbrauchs in der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern

4. Die Präventionsbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland

Fazit

 

Einleitung

 

Alexander Probst, der 2010 erstmals gegenüber dem "Stern" über die Missbrauchsfälle bei den "Regensburger Domspatzen" erzählt hatte, hat in der Sendung "Markus Lanz" am 14. Februar 2017 seine Leidensgeschichte geschildert. Am Ende seiner Beschreibungen meinte Alexander Probst, dass sich nun die Situation im Bistum Regensburg vor allem durch Bischof Rudolf Voderholzer geändert habe. Bischof Voderholzer habe alle im Bistum aufgefordert, ihm Fälle von Gewalt und sexuellem Missbrauch durch kirchliche Mitarbeitende zu melden. Eine Recherche unserer Lib & In-Autorin Elke Göß im Januar 2017 erbrachte das Ergebnis, dass von mehreren Stellen im Bistum Regensburg ausschließlich Fälle von Misshandlungen an Kindern und Jugendlichen bearbeitet werden.

 

1. Aufarbeitung körperlichen und sexuellen Missbrauchs im Bistum Regensburg

 

Das Bistum Regensburg hat wie fast alle Diözesen in Deutschland Ansprechpartner für den Verdacht eines sexuellen Missbrauchs.(1) Zusätzlich gibt es eine Präventionsstelle für körperlichen und/oder sexuellen Missbrauch.(2) Die Internetseite ist allerdings nicht auf dem neuesten Stand, denn die Kontaktperson hat kürzlich gewechselt. Nach Auskunft von zwei Mitarbeitenden dieser beiden diözesanen Stellen sind sie ausschließlich für den Missbrauch an Kindern und Jugendlichen zuständig. Teilweise geben die vom Bistum Regensburg beauftragten Personen sogar an, sie fühlten sich nicht dafür qualifiziert, einen Fall einer sexuellen Vergewaltigung an einer erwachsenen Frau in kirchlichen Räumen durch mehrere Mitarbeiter der römisch-katholischen Kirche zu bearbeiten.

 

2. Die Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz

 

Bei einer Nachfrage bei der Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz bestätigte diese die Aussagen aus dem Bistum Regensburg. Nach 2010 sind in allen Diözesen in Deutschland Missbrauchsbeauftragte eingestellt worden, die sich mit den Fällen des körperlichen und/oder sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen befassen sollen. Zudem gibt es in fast allen Diözesen Präventionsbeauftragte. Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für erwachsene Personen, die durch kirchliche Mitarbeitende der römisch-katholischen Kirche körperlich und sexuell misshandelt wurden, gibt es nach Auskunft der sehr versierten Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz, deren Vorsitzender der Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx ist, nicht.

 

3. Aufarbeitung körperlichen und sexuellen Missbrauchs in der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern

 

In der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern gibt es seit mehr als zwanzig Jahren eine "Frauenbeauftragte" mit Dienstsitz im Münchner Landeskirchenamt, die auch für sexuelle Übergriffe auf kirchliche Mitarbeitende zuständig ist. Wenigstens nominell nach außen wird Kompetenz in diesem Bereich signalisiert. De facto wurden in den vergangenen zwanzig Jahren Fälle von körperlicher Gewalt in Kinder- und Jugendchören, sexuelle Übergriffe auf junge Mädchen im kirchenmusikalischen oder schulischen Bereich oder im Umfeld von Kindergottesdiensten, eine Vergewaltigung einer behinderten Konfirmandin, sexuelle Nötigung einer Pfarrerin durch deren dienstvorgesetzte Dekanin und andere sexuelle Nötigungen bzw. Vergewaltigungen weder von der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern zugunsten der Opfer bearbeitet noch disziplinarisch zum Nachteil der Täter und Täterinnen geahndet.

 

4. Die Präventionsbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland

 

Nach Auskunft der Präventionsbeauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gibt es mehrere von der evangelischen Kirche eingerichtete Hilfsprogramme. Diese werden jedoch in Bayern von den Missbrauchsbeauftragten verwaltet. Die Missbrauchsbeauftragten der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern reagieren zunächst sehr schnell. Im weiteren Verlauf ziehen sie sich ebenso sehr schnell wieder zurück und erklären sich als nicht zuständig. Gründe dafür sind zumeist kleinste Formalia, die oftmals oppotunistisch positioniert werden.

 

Fazit

 

Die römisch-katholische Kirche hat ein klares Manko bei der Wahrnehmung körperlichen und sexuellen Missbrauchs an erwachsenen Personen durch das Personal der römisch-katholischen Kirche. Auf diesem Gebiet gibt es nach Auskunft der Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz keine institutionellen Strukturen. Innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland wurden zwar bereits vor Jahren institutionelle Strukturen zur Bearbeitung körperlichen und sexuellen Missbrauchs an Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen durch kirchliche Mitarbeitende etabliert. Diese Hilfsangebote werden aber sehr restriktiv und nach kaum nachvollziehbaren Kriterien verwaltet.

In beiden christlichen Kirchen kommt es offensichtlich nur in sehr wenigen Fällen zu disziplinarischen Maßnahmen gegen Täter bzw. Täterinnen, wenn das Opfer oder die Opfer Erwachsene sind. In der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern läßt sich sogar nachweisen, dass Täter oder Täterinnen nach körperlichen oder sexuellen Gewalttaten sogar auf eine nächst höhere Stelle befördert wurden. Auch sexuelle Übergriffe im universitären Ausbildungsbereich der EKD werden quasi nie geahndet. Darin unterscheidet sich die Evangelische Kirche in Deutschland von staatlichen Stellen und rangiert in ihrer Kompetenz bezüglich dieses Themas beispielsweise weit hinter der Humboldt-Universität zu Berlin, die diesbezüglich bereits vor mehr als zehn Jahren einen "Ehrenkodex" eingeführt hat. Der Gesetzgeber sollte beide christliche Kirchen in Deutschland auf eine Bearbeitung aller Fälle von körperlichem und sexuellem Missbrauch verpflichten und strafen androhen, wenn nachweislich Täter und Täterinnen auf eine andere stelle versetzt werden oder sogar befördert werden.

 

Elke Göß

 

(1) vgl. Ansprechpartner des Bistums Regensburg für Verdachrtsfälle sexuellen Missbrauchs, http://www.bistum-regensburg.de/bistum/einrichtungen-a-z/ansprechpartner-fuer-verdachtsfaelle-sexuellen-missbrauchs/,15.02.2017

(2) vgl. Prävention und Missbrauch, http://www.bistum-regensburg.de/dienst-hilfe/praevention-missbrauch/,15.02.2017

 

erschienen bei Lib & In am 15. Februar 2017

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update: 21. November 2019

Installation: 10. Mai 2018

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