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Eine kritische Bilanz zum Rücktritt von Karl Kardinal Lehmann als Bischof von Mainz

 

Einleitung

1. Streuung verwirrender Gerüchte und Unsachlichkeiten in den deutschen Medien

2. Mediale Isolation und Abwertung von Joseph Kardinal Ratzinger alias Papst Benedikt XVI.

3. Negierung der "eucharistischen Ökumene"

4. Deutsche Romfeindlichkeit

5. Missbrauch von Notsituationen zur Themenbesetzung in ökumenischen Gesprächen

6. Akzeptanz von Hierarchie in der römisch-katholischen Kirchenleitung

Fazit

 

Einleitung

 

Jetzt ist es so weit: einer der größten Bremser der Gleichstellung von Frauen in der römisch-katholischen Kirche ist nicht mehr im Amt. Papst Franziskus hat pünktlich zum 80. Geburtstag um 12 Uhr am 16. Mai 2016 das Rücktrittsgesuch des Mainzer Bischofs Karl Kardinal Lehmann angenommen. Ein sehr glücklicher Moment für die Zukunft von Frauen im Priesteramt in der römisch-katholischen Kirche und für die Ökumene. Dies ist hoffentlich auch das Ende des deutschen Sonderweges in der katholischen Weltkirche. Kardinal Marx wird Kardinal Lehmann nicht auf diesem Weg folgen, dies ist jetzt absehbar.

 

1. Streuung verwirrender Gerüchte und Unsachlichkeiten in den deutschen Medien

 

Eine zutreffende Bilanz der subversiven und Inkompetenz fördernden Medienarbeit zeigte sich sogar rund um das letzte Pontifikalamt mit dem Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann anläßlich von dessen 80. Geburtstag am 16. Mai 2016. Bereits in der Vorankündigung des Teletextes, den die ARD zur Live-Übertragung des Pontifikalamtes bereit stellte, waren mehrere Unsachlichkeiten zu lesen. Dort war lediglich die Rede davon, dass das Pontifikalamt anläßlich des 80. Geburtstages stattfinden würde, dass es die Abschiedsmesse des Mainzer Bischofs sein werde, stand dort nicht. Er habe sein Rücktrittsgesuch beim Papst eingereicht, ob dieser es annehmen werde, sei noch offen. Der Kardinalstitel sei dem Mainzer Bischof aber bereits auf Lebenszeit verliehen worden. Dies ist schlicht falsch. Nach kanonischem Recht ist jeder Bischof auf der Welt verpflichtet, sein Rücktrittsgesuch beim Papst vor seinem 80. Geburtstag einzureichen, so dass der Papst es zur Vollendung des 80. Lebensjahres annehmen kann. Es gibt nur wenige Ausnahmen, die die Päpste zulassen. Der ehemalige Münchner Erzbischof Friedrich Kardinal Wetter gehörte hierzu. Die Annahme des Rücktrittsgesuch durch Papst Franziskus wurde bereits zu Beginn des Jahres 2016 bekannt. Es gibt zahlreiche Medienberichte, die auch leicht über google auffindbar sind und die im Januar 2016 erschienen, dass die Pfingstmesse 2016 die Abschiedsmesse für Kardinal Lehmann sein wird. Der Kardinalstitel ist dem Mainzer Bischof nicht in einer besonderen Weise auf Lebenszeit verliehen worden. Der Papst ernennt alle Kardinäle grundsätzlich auf Lebenszeit. Mit dem 80. Geburtstag dürfen Kardinäle nicht mehr am Konklave, also an der Papstwahl, teilnehmen und dies gilt auch für Karl Kardinal Lehmann. Bei der Zuschauerredaktion der ARD gingen am Pfingstsonntag und am Pfingstmontag mehrere Anrufe ein, die die Fehler im Teletext der ARD bemängelten. Wer dafür verantwortlich war, konnte nicht ermittelt werden. Da die Teletext-Redaktion aber nicht besetzt oder nur schwach besetzt war, wurde die Falschmeldung vor Beginn der Pontifikalmesse am 16. Mai 2016 um 10 Uhr nicht revidiert. Doch die Falschaussagen gingen weiter. In einem SWR Rheinland-Pfalz spezial "Ein Halleluja für den Kardinal", in dem zwischen 11.30 Uhr und 13 Uhr zahlreiche Gratulantinnen und Gratulanten, die über einen roten Teppich zum Mikrophon gehen durften, befragt wurden, behauptete Ute-Beatrix Giebel, die als SWR-Kirchenexpertin vorgestellt wurde, dass der Dienst von Kardinal Lehmann als Mainzer Bischof erst um 24 Uhr ende. Knapp dreißig Minuten vorher hatte der Nuntius Erzbischof Dr. Nikola Eterovic, der der Vertreter des Papstes in Deutschland ist und den Rang eines Botschafters inne hat, in seinem Grußwort gesagt, dass der Ruhestand für den Mainzer Bischof genau um 12 Uhr am 16. Mai 2016 eintrete. Der Papst habe dessen Rücktrittsgesuch angenommen. Fassungslos fragt man sich, wie die SWR-Kirchenexpertin Ute-Beatrix Giebel wenige Minuten später etwas anderes behaupten kann, obwohl es in ihren Kompetenzbereich gehört, korrekt über dieses Event zu berichten. Bei der Abschiedsveranstaltung ab 13 Uhr wiederholte die ZDF-Moderatorin Barbara Hahlweg dann nochmals die Falschinformation bezüglich des Eintritts des Rücktritts des Mainzer Bischofs um 24 Uhr und der derzeitige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Reinhard Kardinal Marx schüttelte energisch den Kopf. In der ARD-Tagesschau um 20 Uhr sagte der Sprecher in der Anmoderation zu einem Beitrag über den Rücktritt von Kardinal Lehmann, er habe sein Gesuch beim Vatikan eingereicht. Auch dies ist nicht korrekt. Die Einreichung des Rücktrittsgesuches erfolgt beim Papst und dieser bestimmt, zu welchem Datum er ein Gesuch annimmt. In dem Beitrag wurde die richtige Formalitätenabfolge genannt. Wenn es schon nicht möglich ist, bei solchen eindeutig feststehenden Details eine den Tatsachen entsprechende Medienwiedergabe zu erzielen, wie soll man dann davon ausgehen können, dass die anderen Inhalte, die die beiden deutschen Fernsehanstalten des öffentlichen Rechtes über die römisch-katholische Kirche verbreiten, die Realitäten wiedergeben.

Das Scheitern einer kompetenten Medienzusammenarbeit wurde an diesem Pfingstmontag auch dadurch deutlich, dass das ZDF gleich zwei Sendungen zu religiösen Themen durch zwei Moderatorinnen am Abend ausstrahlte. Die ZDF-Nachrichtensprecherin Petra Gerster befaßte sich in der Sendung "Die Feuertaufe - Petra Gerster auf den Spuren von Pfingsten" mit einer medialen Aufbereitung der frühchristlichen Ereignisse zwischen dem Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern und der Kanonisierung des Pfingstfestes fünfzig Tage nach Ostern auf der Synode von Elvira, unterhalb des spanischen Palastes in Granada. Die ausgetretene Katholikin Dunja Hayali handelte ab 19.30 Uhr in 45 Minuten fünf Weltreligionen in der Sendung "außendienst XXL: Was glaubt ihr denn? Dunja Hayalis Reise durch die Religionen" ab. Respektlos musste sie immer ausgerechnet bei Gebeten und anderen heiligen Handlungen in die Kamera ihre persönliche Gefühlslage flüstern und sich bei jedem Beitrag dadurch davon distanzieren, dass sie meinte, ihre Sache sei dies nicht. Weder Petra Gerster noch Dunja Hayali verfügen über eine einschlägige Qualifizierung im Religionsbereich. Bei keinen anderen Gesellschaftsbereich, der im Fernsehen seine mediale Spiegelung erfährt, werden so weit als möglich Unqualifizierte eingesetzt. Man stelle sich Wettermoderationen von Pfarrerinnen und Pfarrern vor oder Börsenkommentare kurz vor den Abendnachrichten durch Hausfrauen oder das Verlesen von Nachrichten durch Altenheimbewohnerinnen und -bewohner. Wenn man schon keinen Vertreter und keine Vertreterin einer christliche Religion eine Moderation im deutschen Fernsehen überlassen will, so könnte man wenigstens auf eine der zahlreichen studierten Religionswissenschaftlerinnen oder -wissenschaftler zurückgreifen. Das ZDF hat seinen Sitz in Mainz, wo Karl Kardinal Lehmann 33 Jahre Bischof war. Sein Einfluss auf die medialen Inhalte wird im folgenden Beispiel deutlich.

 

2. Mediale Isolation und Abwertung von Joseph Kardinal Ratzinger alias Papst Benedikt XVI.

 

Einer der bedeutendsten im Hintergrund gegen den emeritierten Papst Benedikt XVI. Arbeitenden hat nun keine Amtsgewalt mehr in Mainz und in Deutschland. Zahlreiche falsche Darstellungen von Joseph Ratzinger alias Benedikt XVI. in den Medien gehen auf sein Konto. Die abwertende Bezeichnung des Präfekten der Glaubenskongregation als "Panzerkardinal" stammte von Kardinal Lehmann. Eine weitestgehend durch die deutschen Medien vollzogene Isolation von Joseph Kardinal Ratzinger und des späteren Papstes Benedikt XVI. folgte. Auch eine während des Pontifikates erfolgte Unterstützung der positiven Mediendarstellung des ersten deutschen Papstes seit 500 Jahren konnte nur teilweise das in Deutschland weiterhin negativ protegierte Image von Papst Benedikt XVI. korrigieren.

Bei seiner Abschiedsmesse wurde deutlich, dass Kardinal Lehmann, wie bereits vermutet, zu den Drahtziehern des Putsches gegen Papst Benedikt XVI. gehört.(1) Lange drei Jahre konnte nicht recherchiert werden, in welcher Beziehung der Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann vor dem 13. März 2013 zum Bischof von Buenos Aires Jorge Mario Kardinal Bergoglio stand. Es gab dazu keinerlei Auskünfte. Bei seinem Grußwort während des Pontifikalamtes für den scheidenden Mainzer Bischof sprach Nuntius Erzbischof Dr. Nikola Eterovic erstmals aus, dass beide von Papst Johannes Paul II. am gleichen Tag, am 21. Februar 2001, als Kardinäle eingeführt worden waren. Kirchenintern gilt ein enger Zusammenhalt unter denjenigen, die im gleichen Jahr zum Kardinal ernannt wurden. Sie bereiten sich in Exercitien gemeinsam vor und treffen sich später öfters jahrgangsweise.

Mediale Störfeuer gegen Papst Benedikt XVI. torpetierten immer wieder dessen Pontifikat. Jeder normalerweise im ruhigen Prozedere vatikanischer Schweigsamkeit verlaufende Vorgang wurde während des Pontifikates von Papst Benedikt XVI., vor allem in deutschen Medien nachweisbar, dramatisiert und überheizt medialisiert, seien es die Pius-Brüder gewesen, die Frage der Holocaust-Leugung durch den anglikanischen Bischof Williamson, sei es die Aufdeckung von Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche oder sei es der Diebstahl geheimer Dokumente von den Schreibtischen der Sekretärin von Papst Benedikt XVI. Brigit Wansing und des Privatsekretärs, des späteren Erzbischofs, Georg Gänswein gewesen. Gerade das letzte Beispiel zeigt überdeutlich, wie stark die beiden Päpste Benedikt XVI. und Franziskus mit zweierlei Maß von den deutschen Medien gemessen wurden.  Auch während der Amtszeit von Papst Franziskus verschwanden Dokumente von dessen Schreibtisch, so dass Gerhard Ludwig Kardinal Müller mutmaßte, es gäbe ein zweites Vatileaks, eine Formulierung, die von den Medien als Faktum aufgegriffen wurde. Dennoch kam es nicht annähernd zu einer ähnlichen Skandalisierung in den deutschen Medien wie bei dem gleichen Vorgang unter Papst Benedikt XVI. Man muss vermuten, dass Karl Kardinal Lehmann mit seinen hervorragenden Beziehungen zu deutschen Medienvertreterinnen und Medienvertretern dahinter steht.

Ebenso wurde der Fall Tebartz-van Elst stark hochgekocht in den deutschen Medien, weil man damit dem emeritierten Papst Benedikt XVI. noch im Ruhestand Versäumnisse der Kontrollfunktionen nachsagen wollte. Als erkennbar wurde, dass sich Papst Franziskus hinter Bischof Tebartz-van Elst stellt, dass er ihn im Amt belassen wird und dass er ihn sogar in den Vatikan berufen wird, verstummten die aufgeregten Skandalproduzierenden in den deutschen Medien innerhalb von Stunden.

Bei der Verabschiedung von Karl Kardinal Lehmann am 16. Mai 2016 wurde in der auf die Messe folgenden Feier behauptet, Karl Kardinal Lehmann habe sich vehement positiv zu der Aufdeckung des sexuellen Missbrauchs in deutschen Bistümern geäußert. Fakt ist, dass diese Missbrauchsfälle fast fünfzig Jahre zurückreichen und dass es die erste öffentliche Äußerung von Karl Kardinal Lehmann dazu erst im Jahr 2010 gab, als er schon nicht mehr Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz war. Manche meinen, es war nötig, einen anderen Vorsitzenden zu wählen, damit die Aufarbeitung der sexuellen Missbrauchsfälle in der römisch-katholischen Kirche in Deutschland überhaupt erst in Gang kam. Als Karl Kardinal Lehmann Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz zwischen 1987 und 2008 war, kam es gerade nicht zur Aufdeckung sexuellen Missbrauchs. In dieser Zeit war Joseph Kardinal Ratzinger mit der Feststellung von Missbrauchsfällen weltweit als Präfekt der Glaubenskongregation befaßt. Papst Johannes Paul II. verordnete Stillschweigen zu diesem Thema. Erst als Joseph Kardinal Ratzinger Papst geworden war, konnte er eine innerkirchliche Reaktion gegen sexuellen Missbrauch in Gang setzen. Papst Benedikt XVI. war auch der einzige Papst, der sich in jedem Land auf der Erde, das er auf seinen Apostolischen Reisen besuchte und das von sexuellem Missbrauch durch kirchliche Bedienstete betroffen war, öffentlich dafür entschuldigte und sich mit Missbrauchsopfern traf. Papst Franziskus folgt ihm in dieser Hinsicht weder durch Ansprachen noch durch Gesten. Karl Kardinal Lehmann gehörte somit sicherlich nicht zu den Pionieren bei der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs durch katholische Mitarbeitende.

Karl Lehmann und Joseph Ratzinger haben sich während des Zweiten Vatikanischen Konzils in Rom kennengelernt, in das der neun Jahre ältere Theologieprofessor Joseph Ratzinger als theologischer Berater des Kölner Kardinals Frings einbezogen wurde. Während dieser Zeit studierte Karl Lehmann Philosophie und katholische Theologie in Freiburg im Breisgau und in Rom. Bereits 1958 war Joseph Ratzinger im Alter von 31 Jahren zum Professor für Dogmatik und Fundamentaltheologie an der Philosophisch-theologischen Hochschule in Freising ernannt worden. Joseph Ratzinger war der jüngste Professor in Deutschland und wurde erst vor ein paar Jahren als Rekordhalter abgelöst. Dennoch wurde bei der Abschiedsveranstaltung für Karl Kardinal Lehmann am 16. Mai 2016 ab 13 Uhr behauptet, Karl Lehmann sei mit 32 Jahren der jüngste Professor Deutschlands gewesen. Dies ist falsch. Mit seiner Bischofsernennung lag Karl Kardinal Lehmann drei Jahre vor Joseph Ratzinger. Der ehemalige Regensburger Theologieprofessor Joseph Ratzinger wurde mit 50 Jahren Erzbischof von München und Freising, der ehemalige Freiburger Theologieprofessor Karl Lehmann wurde mit 47 Jahren Bischof von Mainz. Allerdings erhob Papst Johannes Paul II. Joseph Ratzinger im gleichen Jahr, indem er ihn zum Erzbischof von München und Freising ernannt hatte, zum Kardinal. Der Kardinalstitel wurde Joseph Ratzinger im Alter von 50 Jahren verliehen. Der Mainzer Bischof Karl Lehmann wurde erst mit 65 Jahren im Jahr 2001 von Papst Johannes Paul II. in den Rang eines Kardinals erhoben. Von Karl Kardinal Lehmann ist nicht bekannt, dass er jemals eine Stimme in einem Konklave erhalten hätte. Joseph Kardinal Ratzinger erhielt 2005 von allen weltweit wahlberechtigten Kardinälen eine Zweidrittel-Mehrheit im Konklave und blieb als Papst bis zu seinem Rücktritt 2013 im Amt. Solche Rivalitäten wie auch gescheiterte theologische Auseinandersetzungen mit Joseph Ratzinger dürften dazu beigetragen haben, dass Karl Lehmann in seiner Zeit als Bischof von Mainz und als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz lange Zeit im Hinter- und Untergrund gegen Joseph Kardinal Ratzinger alias Papst Benedikt XVI. intregierte und gegen ihn arbeitete.

 

3. Negierung der "Eucharistischen Ökumene"

 

Dass Karl Kardinal Lehmann sein Image in der deutschen Öffentlichkeit als "Reformer" positionieren konnte, ist nicht durch seine Haltung bezüglich der "eucharistischen Ökumene"(2) bzw. der Zulassung von Frauen zum Priesteramt in der römisch-katholischen Kirche gedeckt. Was Reform in der römisch-katholischen Kirche heißt, kann man in Rom, im Vatikan und bei den italienischen Bischöfen erleben. Vergleicht man die italienischen Bischöfe und den sich nun im Ruhestand befindenden Bischof von Mainz, so liegen Welten dazwischen. Kardinal Lehmann hat zugelassen, dass eine evangelische Pfarrerin an Ostern 2008 im Vatikan von der Gendarmerie massivst misshandelt wurde und er hat nichts dagegen unternommen, obwohl er darum gebeten wurde, sich für eine Schadensersatzzahlung einzusetzen. Da Karl Kardinal Lehmann sehr belesen ist und sich in seiner Bedeutung selbst sehr hoch einschätzt, kann er die theologische Tiefe der "eucharistischen Ökumene" nicht erfassen, weil er selbst nicht fähig ist, diesen theologischen Weg zu erkennen. Die theologische Entdeckung der Möglichkeit, dass eine zukünftige evangelische Pfarrerin, die in der apostolischen Sukzession ordiniert werden würde und die ehelos, also zölibatär leben würde, vom Papst anerkannt werden könnte, wenn sie nicht gegen die römisch-katholische Lehre verstossen würde, reicht bis in die Zeit zurück, als Karl Lehmann noch Professor für Dogmatik und Ökumenische Theologie in Freiburg im Breisgau war. Um Frauen im Priesteramt der römisch-katholischen Kirche zu verhindern, hat Professor Dr. Karl Lehmann sogar einige Abschlussarbeiten im Studium der katholischen Theologie an der Universität Mainz vergeben. Trotz seiner von vielen so gerühmten Menschenfreundlichkeit hat er ökumenische Verurteilungen gefällt über Menschen, die er nie getroffen und die er nie gesprochen hat.

 

4. Deutsche Romfeindlichkeit

 

Kardinal Lehmann hat sich an diesem Punkt und an vielen anderen stark gegen Rom gewendet. Die in Deutschland sehr verbreitete Romfeindlichkeit geht zu einem großen Teil auf den Einfluss des Mainzer Bischofs und ehemaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Karl Kardinal Lehmann zurück. In seine Zeit als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz fallen auch die beginnenden stark angestiegenen Kirchenaustritte in Deutschland. Mit seiner verdrehten Haltung in der Schwangerenkonfliktberatung hat er einerseits in der deutschen Öffentlichkeit das Bild erweckt, er stehe für Frauen in Notsituationen ein, und andererseits hat er Rom bzw. dem Vatikan und Papst Johannes Paul II. eine frauenverachtende Rolle zugewiesen, die nicht den Tatsachen entspricht. In manchen Ländern, beispielsweise in Polen und teilweise auch in Italien galten wesentlich strengere Regeln zur Verhinderung von Abtreibung und es kam nicht im Mindesten zu einer so starken Entkirchlichung wie in Deutschland. Mit seiner besonders an der Basis der katholischen Gemeinden gepflegten Romfeindlichkeit steht Deutschland 2016 nahezu isoliert in Europa und in der Welt da. Es gibt wahrscheinlich kein Land auf der Welt, in dem die Romfeindlichkeit unter den praktizierenden Katholikinnen und Katholiken wie unter den aus der römisch-katholischen Kirche Ausgetretenen so ausgeprägt ist, wie in Deutschland. Dass das Verhältnis von Karl Kardinal Lehmann zum Vatikan nicht das Allerbeste ist, hat auch das Pontifikalamt zu seinem 80. Geburtstag gezeigt. Sehr versteckt saß der ehemalige Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen Walter Kardinal Kasper in der zweiten Reihe in einer Ecke. Karl Kardinal Lehmann war Mitglied im Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen gewesen. Aus dem Vatikan bzw. aus Rom war sonst niemand angereist, noch nicht einmal die wie Karl Lehmann in Baden-Württemberg geborene Botschafterin Deutschlands beim Heiligen Stuhl Annette Schavan oder der ebenfalls in Baden-Württemberg im Bistum Freiburg geborene Präfekt des Päpstlichen Hauses Erzbischof Dr.Dr.hc Georg Gänswein. Sehr erstaunlich war, dass sich von den insgesamt siebzig deutschen Bischöfen, deren Vorsitzender Karl Kardinal Lehmann bis 2008 gewesen war, nur sehr wenige im Mainzer Dom zum Pontifikalamt eingefunden hatten, um ihren nun ältesten Kollegen in den Ruhestand zu verabschieden. Ahnscheinend verweigerten einige diese Ehrbezeugung gegenüber ihren ehemaligen Vorsitzenden. Wären die deutschen Bischöfe vollzählig im Mainzer Dom erschienen, wären ihre pinkfarbenen Gewänder deutlich zu erkennen gewesen. Auch die Kölner Kardinäle Rainer Maria Kardinal Woelki und der sich im Ruhestand befindende Joachim Kardinal Meisner fehlten. Nur der inzwischen 88-jährige, ehemalige Erzbischof von München und Freising Friedrich Kardinal Wetter war mit seinem Nachfolger Reinhard Kardinal Marx angereist. Dieser nimmt seinen Vorgänger häufig und gerne mit auf Reisen. Das Verhältnis der beiden Kardinäle darf in besonderer Weise als vorbildlich gelten. Der Nuntius in Deutschland Erzbischof Dr. Nikola Eterovic hatte sich aus Berlin auf den Weg nach Mainz begeben. Merkwürdigerweise verlas er als Vertreter des Papstes kein Grußwort von Papst Franziskus während seiner Ansprache während des Pontifikalamtes im Mainzer Dom und auch nicht während der anschließenden Feier.

 

5. Missbrauch von Notsituationen zur Themenbesetzung in ökumenischen Gesprächen

 

Mit seinem ständig wiederholten Eintreten für die angebliche Notsituation konfessionsverschiedener Ehen hat Karl Kardinal Lehmann eine vermeintliche Basisorientierung erzeugt und über mehr als zwei Jahrzehnte im ökumenischen Dialog immer wieder vorgeschoben. Damit hat er jegliche anderen ökumenischen Impulse, die aus Rom kamen, abgeschmettert und blockiert. Auch theologische Themen bestimmten in den vergangenen Jahren immer weniger ökumenische Gespräche. Eine Hoffnung generierende Aufbruchsstimmung in fundamental-theologisch bestimmten ökumenischen Gesprächen, wie sie noch in den 1980er Jahren lebendig war, ist einer fallweise durch Notsituationen bedingten Hilfstruppenstimmung gewichen.

Deutschland steht nicht zuletzt wegen Karl Kardinal Lehmann heute als ein Land da, das nicht nur in der Ökumene einen Sonderweg in der römisch-katholischen Weltkirche beschritten hat. Zu der erfolgreichen Heuchelei von Kardinal Lehmann gehört, dass es ihm gelungen ist, durch ständigen Kontakt mit führenden Politikerinnen und Politikern in Deutschland und durch mit falscher Intention gestreuter Medienberichte ein Land auf seine Seite zu zwingen, das ohne ihn ökumenisch so weit wäre wie Italien, das konservative Polen, das Opus Dei oder der als erzkonservativ eingeschätzte polnische Sender Radio Maria. Die vier Letztgenannten haben keinerlei Probleme bei dem Gedanken, dass Frauen Priesterinnen in der römisch-katholischen Kirche werden können.

 

6. Akzeptanz von Hierarchie in der römisch-katholischen Kirchenleitung

 

Bei seinem letzten Besuch bei Papst Franziskus, der gleichzeitig mit Karl Lehmann von Papst Johannes Paul II. 2001 zum Kardinal ernannt worden war, sagte Papst Franziskus zu Kardinal Lehmann, vielleicht nicht ohne Hintergedanken: "Sie haben nur einen Fehler. Sie sind zu alt." Kardinal Lehmann antwortete: "Aber ich bin nur ein halbes Jahr jünger wie Sie." Über diese scheinbar witzige Anekdote lacht am 16. Mai 2016 die in Mainz versammelte Festgemeinde zum 80. Geburtstag und zum Abschied von Karl Kardinal Lehmann. In Rom könnte eine Fortsetzung dieser Episode kursieren. Was ist der Unterschied zwischen einem Bischof und dem Papst? Der Bischof muss mit dem 80. Geburtstag sein Rücktrittsgesuch beim Papst einreichen, das dieser normalerweise annimmt. Ein Papst kann mit 85 Jahren in den Ruhestand gehen, muss aber nicht. Dies sind die kleinen, feinen Unterschiede zwischen einem Bischof von Rom, der Papst ist, und einem Mainzer Bischof. Darüber lachen der Vatikan, die Päpste Papst Franziskus und Papst em. Benedikt XVI. und die römisch-katholische Weltkirche außerhalb Deutschlands.

 

Fazit

 

Mit dem Rücktritt von Karl Kardinal Lehmann als Bischof von Mainz wird eine neue Ära in Deutschland beginnen. Reinhard Kardinal Marx, der bereits seit acht Jahren Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, kann nun das Erbe von Karl Kardinal Lehmann vollständig antreten. In der Medienarbeit wäre mehr religiöse Professionalität wünschenswert, die sich durchaus mit der weltanschaulichen Neutralität des öffentlich-rechtlichen Medienauftrages verbinden liesse. In der Ökumene können neue Ziele anvisiert und projektiert werden, die hoffentlich wieder stärker theologisch fundiert tradiert werden. Im Verhältnis deutscher Katholikinnen und Katholiken zum Papst, zum Vatikan und zur römisch-katholischen Hierarchie können neue Wege gefunden werden und neue Akzente gesetzt werden. Es kann die durch die bisher geübte Romfeindlichkeit entstandene Kluft zum Papst und zur römisch-katholischen Weltkirche von deutscher Seite aus neu überbrückt werden. Dann würde sich die begeisternde katholische Glaubenshaltung stärker in Deutschland verbreiten und das Land würde gegenüber vielen anderen katholisch geprägten Ländern der Erde wieder stärker aufholen.

 

Elke Göß

 

(1) vgl. Göß Elke (2015): Putsch gegen Papst Benedikt XVI. Grenzmarkierungen in der Geschichte des Vatikans, Liberale Gesellschaftsanalyse, Band 10, erschienen bei Lib & In am 1. Januar 2015; http://www.libandin.com/elke-goess-liberale-gesellschaftsanalyse-ebooks/,16.05.216

(2) vgl. Göß Elke (2013): Die eucharistische Ökumene mit in der apostolischen Sukzession ordinierten, zölibatär lebenden evangelischen Theologinnen ist durch Papst Benedikt XVI. vollzogen – ein persönliches Bekenntnis zum bayerischen Papst von einer lutherischen Pfarrerin, erschienen bei Lib & In am 24. Februar 2013, update: 17. September 2014, http://www.libandin.com/archiv-dokumentation-4/

 

erschienen bei Lib & In am 16. Mai 2016

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update: 29. September 2019

Installation: 10. Mai 2018

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