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Lauft, dass Ihr den Siegespreis gewinnt! Dennoch nicht ungestüm vorpreschen in der Ökumene

 

"Lauft, dass Ihr den Siegespreis gewinnt!" So ermunterte der Apostel Paulus die Wettkampf erprobte Gemeinde in Korinth in seinem ersten Brief.(1) Die sportlichen Wettkämpfe im Laufen wurden in Stadien mit Bahnen von 177 bis 192 Metern Länge ausgetragen. In der Antike befand sich dort, wo heute der Vatikan ist, eine Wettkampfstätte, die Plinius der Ältere, ein Zeitgenosse des Paulus, "circus Vaticanus" nannte.(2)

Heute scheint ein solcher Lauf im Vatikan stattgefunden zu haben. Landesbischof Gerhard Ulrich traf bei einer Audienz Papst Franziskus im Vatikan gemeinsam mit einer Delegation des deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes und mit Vertreterinnen und Vertretern der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland. Dabei fand Papst Franziskus mahnende Worte bezüglich des ökumenischen Dialoges: "Wir müssen voranschreiten, doch nicht ungestüm vorpreschen, um begehrte Ziele zu erreichen, sondern gemeinsam geduldig gehen unter dem Blick Gottes."(3) Allein geistliche Gründe sollten die Ökumene leiten. Papst Franziskus sagte: "Vergessen wir nicht, vom Gebet auszugehen, denn es sollen nicht die menschlichen Pläne sein, die den Weg weisen, sondern der Heilige Geist. Nur er kann die Straße eröffnen und die Schritte, die zu unternehmen sind, erhellen. Der Geist der Liebe kann nicht anders, als uns auf die Pfade der Liebe zu führen. Als Christen, Katholiken wie Lutheraner, sind wir vor allem gerufen, 'einander von Herzen zu lieben', weil wir 'neu gezeugt worden' sind 'aus Gottes Wort, das lebt und das bleibt' (1 Petr 1,22-23)."(4)

Paulus hat im ersten Korintherbrief hervorgehoben, dass es einer präzisen Wettkampfvorbereitung bedarf. Man solle nicht ins Ungewisse laufen. Konkrete Schritte und Visionen sind nötig, damit man ein Wettkampfziel erreicht. Man solle auch keinesfalls in die Luft boxen. Eine eigene körperliche Disziplin ist notwendig. Damit meint der Apostel Paulus sicherlich sowohl die physische wie auch die mentale, die psychische Vorbereitung auf einen Kampf, der gelingen soll.(5) In der Ökumene könnte dies die Frage des Zölibates sein. Der Apostel Paulus schrieb, dass schon weltliche Kämpfer enthaltsam leben würden, um sich auf einen Wettlauf vorzubereiten. Seiner Meinung nach sollten dies die Christinnen und Christen von Korinth ebenfalls tun, damit sie den unvergänglichen Preis bei Gott erhalten könnten.(6) Um Enthaltsamkeit ging es bei der lutherischen Delegation aus Deutschland bei der heutigen Papst-Audienz sicherlich nicht.

Papst Franziskus warnte davor, zu "ungestüm vorzupreschen". Zwei wesentliche Elemente des ökumenischen Dialoges will er gewahrt wissen. "Einige Themen – ich denke hier an die Kirche, an die Eucharistie und an das kirchliche Amt – verdienen eingehende und gut abgestimmte Überlegungen."(7) Der Stand des ökumenischen Dialoges hat sich seit 1982 bezüglich der Frage des kirchlichen Amtes nur unwesentlich verändert. In den offiziellen Gremien sind bestimmte Themen nicht gelöst worden. Das Projekt der "Eucharistischen Ökumene", das Elke Göß, Pfarrerin der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern (ohne Dienstauftrag) entwickelt hat, wird von offizieller Seite der lutherischen Kirchen weitestgehend ignoriert, obwohl Elke Göß sehr häufig Gespräche angeboten hat. Da bringt es wenig, wenn von Seiten evangelisch-lutherischer Bischöfe wie dem ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden Dr. Wolfgang Huber oder dem derzeitigen EKD-Ratsvorsitzenden Dr. Heinrich Bedford-Strohm oder vom VELKD-Vorsitzenden Dr. Gerhard Ulrich Vorschläge für ein gemeinsames Abendmahl bzw. eine gemeinsame Eucharistie kommen. Nach dem Stand der dazugehörigen theologischen Diskussionen könnte eine solche Feier nur an zwei getrennten Altären nebeneinander stattfinden und nicht an einem einzigen Altar, weil über die Abendmalslehre bzw. Lehre von der Eucharistie und über die Ämterfrage kein Konsens besteht. Nebeneinander feiern bildet keine Einheit ab. In der Bibel gibt es nur eine Stelle, die davon erzählt, dass an zwei Altären nebeneinander Opfer dargebracht wurden. Es war die Entscheidung am Karmel. Der Prophet Elia trat gegen 450 Baalspriester an.(8) Elia liess sein Opfer sogar drei Mal mit Wasser übergießen.(9) Elia betete: "HERR, Gott Abrahams, Isaaks und Israels, laß heute kund werden, daß du Gott in Israel bist und ich dein Knecht, und daß ich solches alles nach deinem Wort getan habe."(10) Da funkte es auf dem Altar des Elia, Feuer fraß das dargebrachte Opfer, Holz, Steine, Erde und sogar das Wasser.(11) Alle sahen, dass der Gott des Volkes Israel, den Elia verkündete, der wahre Gott ist und nicht der Gott Baal. Es war für die Baalspriester keine gute Idee, sich auf einen Gottesdienst an zwei Altären nebeneinander einzulassen. So ist es auch mit der Ökumene. Es reicht nicht, an zwei Altären nebeneinander das Abendmahl bzw. die Eucharistie zu feiern. Man muss die Einheit in einer gemeinsam zelebrierten Messe feiern.

Das zweite Element, das Papst Franziskus im Hinblick auf den ökumenischen Dialog heute betont hat, hat er folgendermaßen ausgedrückt: "Die Ökumene verlangt auch, nicht elitär zu sein, sondern möglichst viele Brüder und Schwestern im Glauben miteinzubeziehen und so als Gemeinschaft der Jünger zu wachsen, die beten, lieben und verkünden."(12) Offensichtlich haben die lutherischen Delegationen aus Deutschland versucht, Papst Franziskus auf ihre Seite zu ziehen. Auch wenn die Reformation 1517 in Wittenberg in Deutschland ihren Anfang nahm, kann sie 500 Jahre später nicht mehr als nationales Ereignis betrachtet werden. Das lutherische Pendant zu Papst Franziskus ist der Präsident des Lutherischen Weltbundes(13), seit 2017 der Nigerianer Musa Panti Filibus(14). Die Gelegenheit, aus einem bi-konfessionellen Abendmal bzw. einer bi-konfessionellen Eucharistie ein nationales, deutsches Ereignis zu generieren, ist seit dem 28. Februar 2013, dem Tag der Dienstniederlegung von Papst Benedikt XVI. vorbei. Vorher hätte ein solches Ereignis eine gewissen Relevanz gehabt, da der in Bayern geborene Joseph Ratzinger der erste deutsche Papst seit 1523 war. Ein in der Geschichte nicht ergriffener "Kairos"(15) kommt nicht wieder. Zudem entspricht die Idee einer alle Christinnen und Christen vereinenden Eucharistie nicht dem nationalen Gedanken. Diese Idee sollte auch nicht "elitär" verfolgt werden, wie Papst Franziskus heute betont hat. Die Initiative muss nicht von der Elite der kirchenleitenden Gremien ausgehen. Es komme darauf an, "möglichst viele Brüder und Schwestern im Glauben miteinzubeziehen und so als Gemeinschaft der Jünger zu wachsen, die beten, lieben und verkünden".(16) Elke Göß expliziert das Projekt der "Eucharistischen Ökumene. Eucharistic Ecumene. Eucaristica Ecumene. Eucharistique Oecuménisme" seit 10. Mai 2018 auf dieser Internetseite. "Ich will den Kelch des Heils erheben und den Namen des Herrn anrufen. Ich will meine Gelübde dem Herrn erfüllen vor all seinem Volk!"(17) ist das Motto dieser Internetseite. Es wird einige Zeit benötigen, um allein das zu veröffentlichten, was in den vergangenen 35 Jahren seit 1982 schon gedacht und geprüft wurde und was bisher schon geschehen ist. Danke, Papst Franziskus für diese Worte. Man muss bei der Eucharistie nicht "ungestüm vorpreschen".

 

Elke Göß

 

(1) vgl. 1. Korintherbrief Kapitel 9 Vers 24b

(2) vgl. Circus Gai et Neronis, https://de.wikipedia.org/wiki/Circus_Gai_et_Neronis,04.06.2018

(3) vgl. Papst an Lutheraner: In Ökumene "nicht ungestüm vorpreschen", https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2018-06/franziskus-lutheraner-oekumene-audienz-deutschland.html,04.06.2018

(4) vgl. Papst an Lutheraner: In Ökumene "nicht ungestüm vorpreschen", https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2018-06/franziskus-lutheraner-oekumene-audienz-deutschland.html,04.06.2018

(5) vgl. 1. Korintherbrief Kapitel 9 Vers 26f

(6) vgl. 1. Korintherbrief Kapitel 9 Vers 25

(7) vgl. Papst an Lutheraner: In Ökumene "nicht ungestüm vorpreschen", https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2018-06/franziskus-lutheraner-oekumene-audienz-deutschland.html,04.06.2018

(8) vgl. 1. Könige Kapitel 18 Vers 22

(9) vgl. 1. Könige Kapitel 18 Vers 34

(10) vgl. 1. Könige Kapitel 18 Vers 36

(11) vgl. 1. Könige Kapitel 18 Vers 38

(12) vgl. Papst an Lutheraner: In Ökumene "nicht ungestüm vorpreschen", https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2018-06/franziskus-lutheraner-oekumene-audienz-deutschland.html,04.06.2018

(13) vgl. Lutherischer Weltbund, https://de.wikipedia.org/wiki/Lutherischer_Weltbund#Pr%C3%A4sidenten_des_Lutherischen_Weltbundes,04.06.2018

(14) vgl. Musa Panti Filibus, https://de.wikipedia.org/wiki/Musa_Panti_Filibus,04.06.2018

(15) vgl. Kairos, https://de.wikipedia.org/wiki/Kairos,04.06.2018

(16) vgl. Papst an Lutheraner: In Ökumene "nicht ungestüm vorpreschen", https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2018-06/franziskus-lutheraner-oekumene-audienz-deutschland.html,04.06.2018

(17) vgl. Psalm 116 Vers 13f

 

4. Juni 2018

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update: 21. November 2019

Installation: 10. Mai 2018

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