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Arme habt ihr allezeit bei Euch, mich habt ihr nicht alle Zeit. Der erste Welttag der Armen und die Integration von Frauen ins Priesteramt der römisch-katholischen Kirche

 

Heute, am 19. November 2017, dem 33. Sonntag im katholischen Jahreskreis, ließ Papst Franziskus den ersten "Welttag der Armen" feiern.(1) Mit einer ähnlichen Perspektive hatte Papst Johannes Paul II. in Anlehnung an den Welttag der Jugend der Vereinten Nationen einen "Weltjugendtag" erstmals am 15. April 1984 nach Rom einberufen. Seither findet er alle zwei bis drei Jahre an unterschiedlichen Orten weltweit statt.(2) Die Messe heute im Petersdom unterschied sich von anderen Messen durch eine gestrafftere Liturgie und durch die ausschließliche Verwendung der italienischen Sprache. Von armen Menschen kann man kaum erwarten, dass sie Latein sprechen. Papst Franziskus hat sich seiner Zielgruppe konsequent sprachlich zugewendet. Die Messbesucherinnen und Messbesucher kamen wie bei allen anderen Feierlichkeiten mit dem Papst aus allen Ländern der Erde. Anschließend an die Messe nahm Papst Franziskus das Evangelium des Sonntags zum Anlass für seine kleine Ansprache während des Angelus. Dann aß er mit Armen zu Mittag.

In Italien gibt es nach Angaben von RaiNews24 4,7 Millionen arme Menschen. Von Armut sind rund eine Million Familien in Italien betroffen. Bei 60 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern lebt jeder und jede 15. in Armut. Die Armutsrate beträgt 9 Prozent. Im europäischen Durchschnitt liegt sie bei 23 Prozent. Es ist kaum nachvollziehbar, wieso es in verhältnismäßig reichen Ländern wie Italien überhaupt eine so hohe Quote an armen Menschen gibt. Das wirtschaftlich wesentlich stärkere Deutschland hat es ebenfalls noch nicht geschafft, die Armutsrate zu senken. Zumeist fehlt nur der gute Wille von Menschen, die gesättigt im Wohlstand leben.

In der Bibel gibt es Textpassagen, die sich sehr kritisch über die Aussicht der Abschaffung der Armut äußern. Im fünften Buch Mose im 15. Kapitel in Vers 11 heißt es: "Es werden allezeit Arme sein im Lande; darum gebiete ich dir und sage, dass du deine Hand auftust deinem Bruder, der bedrängt und arm ist in deinem Lande." Es werden allezeit Arme im Land sein.

Im Neuen Testament übernimmt sogar Jesus Christus diese Sichtweise. Im ältesten Evangelium, dem Markusevangelium, kommt in Bethanien eine Frau mit einer Salbe auf Jesus Christus zu und will ihn salben. Die Begleiter von Jesus kritisieren sie. Besser wäre es gewesen, man hätte die dreihundert Groschen, die sie für die Salbe ausgegeben hat, den Armen gegeben. Jesus Christus ist anderer Meinung: "Lasst sie mit Frieden! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie ist gekommen, meinen Leib zu salben zu meinem Begräbnis."(3) In dieser Passage wendet sich Jesus Christus zuerst der Frau zu, die ihn in der Vorbereitung auf seinen nahenden Tod salbt. Die Fürsorge für Jesus Christus stellt er selbst voran und die Armenfürsorge, die zu allen Zeiten möglich ist, stellt er hintan. Mit dem Pontifikat von Papst Franziskus hat sich das Kardinalskollegium entschieden, die Armenfürsorge vor die Integration von Frauen ins Priesteramt der römisch-katholischen Kirche zu stellen.

Das Matthäusevangelium gibt die gleiche Textpassage wieder(4): "Ihr habt allezeit Arme bei euch; mich aber habt ihr nicht allezeit."(5) Damit kann man davon ausgehen, dass dieser Satz aus der sogenannten "Logienquelle" stammt, in der Originalzitate von Jesus Christus gesammelt waren. Sogar das Johannesevangelium, das nur wenig aus der Logienquelle übernommen hat, bringt dieses Originalzitat von Jesus Christus im gleichen Wortlaut: "Denn Arme habt ihr allezeit bei euch; mich aber habt ihr nicht allezeit."(6) Es könnte sich somit um einen Satz handeln, den Jesus Christus selbst gesagt hat.

Sieht man die Frau, der nichts auf der Welt wichtiger war als Jesus Christus vor seinem Tod zu salben, als Vorläuferin der "Eucharistischen Ökumene", dann ergibt sich daraus eine Vorrangigkeit der Integration von Frauen für das Priesteramt in der römisch-katholischen Kirche vor der Armenfürsorge. Jesus Christus wird in der Eucharestie in besonderer Weise während der Messe, die zumeist sonntags gefeiert wird, gedient. Dann bleiben noch sechs weitere Tage während einer Woche, an denen man sich um Arme kümmern kann und sie versorgen kann. Dies Aufgabe erübrigt sich nicht durch die Messfeier am Sonntag.

Obwohl die Bibel an so vielen Stellen im Alten und Neuen Testament davon überzeugt ist, dass es immer Arme geben wird, kann man diese Annahme doch hinterfragen. Schließlich waren die Menschen im Alten und Neuen Testament auch davon überzeugt, dass es immer Sklavinnen und Sklaven geben wird. Zumindest in den europäischen Ländern, in Russland und in den USA ist die Sklaverei rechtlich abgeschafft. De facto gibt es Wirtschaftssklaverei noch teilweise in Afrika und in Asien. Gegen Sexsklaverei kämpfen sogar noch wirtschaftlich prosperierende Länder an. Im Gegensatz zur Antike gehört die Sklaverei seit der Französischen Revolution 1789 nicht mehr zum gesellschaftlichen Normalmodell. Nimmt man Armut als ein zeitgeschichtlich entstandenes Gesellschaftsmodell, so kann man annehmen, dass sich die Abschaffung der Armut als zukunftsträchtige politische Forderung umsetzen läßt. Sechs Tage in der Woche kann wirtschaftlich die Armut unterdrückt werden. Der siebte Tag, der Ruhetag in jeder Woche, sollte dem Gottesdienst und der physischen und psychischen Rekreation vorbehalten sein. Die Hinwendung zu Jesus Christus und das Nachdenken über seinen Tod und seine Auferstehung bleiben überzeitlich als ideale Maximalanforderung im Umgang mit ihm gültig. 

 

Elke Göß

 

(1) vgl. Erster Welttag der Armen: die Botschaft von Papst Franziskus, http://de.radiovaticana.va/news/2017/11/18/papstbotschaft_welttag_der_armen/1349576,19.11.2017

(2) vgl. Weltjugendtag, https://de.wikipedia.org/wiki/Weltjugendtag,19.11.2017

(3) vgl. Markusevangelium Kapitel 14 Vers 6b bis 8

(4) vgl. Matthäusevangelium Kapitel 26 Vers 10-12

(5) vgl. Matthäusevangelium Kapitel 26 Vers 11

(6) vgl. Johannesevangelium Kapitel 12 Vers 8

 

erschienen bei Lib & In in Rom, 19. November 2017

 

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update: 21. November 2019

Installation: 10. Mai 2018

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