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Am 11. März 1978 sprach Erzbischof Joseph Ratzinger in der ARD das „Wort zum Sonntag“

 

Der 11. März 1978 war ein Samstag. Es war der Tag vor dem Sonntag, nach dem es noch eine Woche dauern würde, bis ich konfirmiert werden würde.

Abends zwischen 22 und 23 Uhr wurde damals jedes Wochenende das „Wort zum Sonntag“ in der ARD ausgestrahlt. Ich nahm meine Vorbereitung auf meine Konfirmation sehr ernst. In der fünften bis siebten Klasse hatte ich freiwillig hundert Kirchenlieder aus dem Gesangbuch, oftmals mit mehreren Strophen, auswendig gelernt. Noch vor der Konfirmation wollte ich das Orgelspiel erlernen. Das ginge nicht, wurde ich vom Stadtkantor verwiesen. Dafür müsse ich erst konfirmiert sein. Ich freute mich also auf meine Konfirmation, auf Ostern, auf Quasimodogeniti, den Sonntag nach Ostern, der zugleich das Ende der Osterferien bedeutete. Denn dann kam die Woche, in der es losgehen sollte. Am Mittwoch nach Quasimodogeniti 1978 ging ich erstmals zu einer Vorbereitung für Kindergottesdiensthelferinnen und Kindergottesdiensthelfer, denn ich wechselte nun von einer Besucherin des Kindergottesdienstes zu einer Helferin im Kindergottesdienst, deren Aufgabe die Beaufsichtigung einer Mädchengruppe sein würde und die im Wechsel mit einer Co-Helferin eine biblische Geschichte während des Kindergottesdienstes erzählen würde. In der zweiten Woche nach Quasimodogeniti bekam ich den ersten Orgelunterricht meines Lebens an der von mir sehr geliebten Orgel in meiner Heimatgemeinde St. Gumbertus in Ansbach.

Auf die Konfirmation hatte ich mich mit allem Eifer vorbereitet. Der Präparandenunterricht hatte im Kindergarten in der von-Weber-Straße bei Pfarrer Gerhard Humbser stattgefunden. Dass mich der dreifache Familienvater einige Monate vor dem Start des Präparandenunterrichts in den Räumen des Theresien-Gymnasiums, das damals in der Innenstadt lag, nach dem Schulunterricht abgepasst hatte, mit mir allein in einem Klassenzimmer geblieben war, zu mir als 12-Jähriger sagte: „Du bist die Frau meines Lebens“ und begann, seine Hose zu öffnen, bevor die Zimmertüre aufging, eine Frauenstimme sagte: „Oh je, oh je. (Pause) Kommen Sie sofort da raus!“ – all das hatte mich Monate später dazu gebracht, äußerst vorsichtig mit diesem Pfarrer umzugehen, der damals seit Jahren mein Religionslehrer war und der höchst erfolgreich den Kindergottesdienst leitete. Ich achtete darauf, mit ihm nie wieder allein in einem Zimmer zu sein. Ansonsten verlief der Präparandenunterricht ähnlich wie der Religionsunterricht in der Schule. Im Winter 1976 war Pfarrer Gerhard Humbser für einige Zeit verschwunden. Man munkelte, dass etwas vorgefallen sei. Doch dann kam er wieder, um freudig zu verkünden, dass er versetzt werde. Ich war 13 Jahre alt und bedauerte den Wegzug des Pfarrers, der mich seit der ersten Klasse im Kindergottesdienst geprägt hatte. Im April 1977 wurde der Mann, der vor mir, als ich 12 Jahre alt war, die Hose geöffnet hatte, zum Dekan befördert. Die Ankunft des Umzugswagens war Stadtgespräch. Ich habe diesen Mann nie wieder gesehen, bis er vor drei Jahren auf einer Beerdigung auftauchte. Er hatte all seinen Glanz verloren.

Den Konfirmandenunterricht übernahm Pfarrer Konrad Kreßel, ein sehr ehrenwerter Lutheraner. Er legte weniger Wert auf das Auswendiglernen von Gesangbuchliedern. Vielmehr drangsalierte er uns anfänglich Pubertierende mit dem Kleinen Katechismus. Seine Vorliebe für Martin Luther bekamen wir voll ab. Die Auslegung des dritten Glaubensartikels durch Martin Luther auswendig zu lernen, erforderte ein hohes Maß an sprachlichem Geschick. Vielleicht wurde dadurch mein Interesse an der deutschen Sprache geweckt, das darin mündete, dass ich drei Jahre später Deutsch als Leistungskurs wählte. Auch sonst war Martin Luther bei Pfarrer Kreßel äußerst beliebt. Wir bekamen Luthers Morgen- und Abendgebet als höchst vorbildlich zu beten vorgestellt. Die auswendig zu lernenden Luthertexte waren in einer raschen Geschwindigkeit binnen einer Woche vor der gesamten Konfirmandengruppe vorzutragen. Wer zeigen „durfte“, dass er richtig gelernt hatte, bestimmte allein der Pfarrer, der die Vortragenden willkürlich mit Namen aufrief. Insgeheim hatte Pfarrer Kreßel eine Liste vor sich liegen, damit er niemand vernachlässigte, indem er ihn oder sie beim Vortragen des Auswendiggelernten übersah. Ohne etwas diesbezüglich zu sagen, erreichte es Pfarrer Kreßel, dass man sich schäbig faul oder sträflich dumm fühlte, wenn man beim Auswendiglernen der schwierigen Luthertexte versagte oder wenn man zu wenig Ausdauer und Mühe aufgewendet hatte, um sie herunter zu schnurren.

Der Konfirmandenunterricht fand koedukativ statt, also Jungen und Mädchen saßen gemeinsam in einem viel zu kleinen Raum im Kindergarten Lenauweg. Selbstverständlich saßen Jungen und Mädchen nach Geschlechtern getrennt einander in einer zu einem Hufeisen aufgestellten Tisch- und Stuhlformation gegenüber. Dem Lärm der herumalbernden Jungen, die doch immer wieder Spannenderes auszutauschen wussten und die die Luthertexte irgendwie langweilig fanden, war der dreifache Vater von drei erwachsenen jungen Männern nicht immer gewachsen. Also ignorierte er das Geschwätz gelegentlich, um andererseits gelegentlich schwer zu schimpfen, dass Geschwätz grundsätzlich zu unterlassen sei.

Vor der Konfirmation gab es die Konfirmandenprüfung, in der auf Zuruf von Pfarrer Kreßel jeder im Konfirmandenunterricht auswendig gelernte Text aufzusagen war. Um die Brisanz zu erhöhen, fand die Konfirmandenprüfung in der St. Gumbertus-Kirche vor der versammelten Gemeinde statt. Da konnte man sich nur blamieren, wenn man die Luthertexte nicht in einer außerordentlich hohen Geschwindigkeit präsentieren konnte.

Wann die Konfirmandenprüfung für meine Gruppe stattfand, erinnere ich nicht mehr. Ich meine, es sei zwei Wochen vor der Konfirmation gewesen. Zu diesem Zeitpunkt war allen Jugendlichen meines Jahrgangs klar, dass die Konfirmation keine Spaßaktion sein würde. Den Ernst des Versprechens, lebenslang an Gott zu glauben und sich zur Kirche zu halten, hatte jeder und jede verstanden.

Ich befand mich am Samstag, 11. März 1978, also mitten auf der Zielgeraden für meine Konfirmation eine Woche später. Durch die vielen Abfragen im Religionsunterricht, im Präparandenunterricht und im Konfirmandenunterricht hatte ich ein gewisses Leistungsdenken in Bezug auf die Kenntnis und die einwandfreie Wiedergabe religiösen Wissens entwickelt. Ich wollte mein Konfirmationsversprechen aus tiefstem Herzen abgeben. Schließlich war mir ein Jahr zuvor so etwas wie ein mystisches Erleben beim ersten Mitfeiern eines Abendmahls zuteil geworden und ich hatte schon einmal daran gedacht, Pfarrerin werden zu wollen. Ich war also immer auf der Suche nach dem ultimativen Glauben bzw. dem richtig starken Glaubensbekenntnis.

Ich nehme an, dass es am Samstag, 11. März 1978 war, als ich zum zweiten Mal einen Geistlichen das „Wort zum Sonntag“ sprechen hörte. Schon einmal hatte er mich durch seine Geradlinigkeit, seine Klarheit, seine Positionierungsfähigkeit, seine Überzeugung, sein reichhaltiges Wissen und durch seine irgendwie „reine Erscheinung“ ein, zwei oder drei Wochen vorher beim Sprechen des „Wortes zum Sonntag“ im Fernsehen beeindruckt. Ich war hin und weg. Damals dachte ich noch, ich war 14 Jahre alt, dass das „Wort zum Sonntag“ live gesprochen werden würde. Die Tagesschau, die kurz vorher gesendet wurde, war live. Die Existenz von Aufnahmetechnikgeräten wurde mir erst sehr viel später mitgeteilt.

Ich saß also vor dem Fernseher. Ich erinnere nicht, dass ein weiteres Familienmitglied wie ich nach dem Ende der Nachrichten vor dem Fernseher sitzen geblieben wäre. Da war er wieder. Seriös, bis oben hin zugeknöpft, in Schwarz gekleidet, frisch gebügeltes Hemd (das hätte meiner Mutter gefallen) und ein fusselfreier Anzug. Schon bei seinem Anblick klopfte mein Herz schneller. Das Erscheinungsbild war für das Ende der 1970er Jahre außergewöhnlich gesittet, geordnet, sauber und perfekt gestylt. Ich hatte damals schon einen familiär bedingten Sinn für Mode. Nicht, dass ich jedes Wort verstanden hätte, das der Geistliche sorgsam seinem Mund entweichen ließ als wäre es eine Perle oder ein kostbarer Schatz. Manchmal verpasste ich sogar einige Sätze, weil meine Gedanken bei der letzten Passage noch hängen geblieben waren. Ich dachte, besser einen Teil verstehen wie das Ganze nicht verstehen. Eines aber war mir klar: Der Mann wusste, was glauben ist. Der Mann muss Gott persönlich kennen. Ich wollte ihn fragen, ob er mich ihm vorstellen könne und uns bekannt machen könnte. Würde ich diesen Geistlichen sehen, würde ich ihn fragen. Mir war schon klar, dass Gott für ihn mehr war wie für mich. Schließlich war der Geistliche ein Erwachsener und ich eine Heranwachsende. Wenn ich nur etwas von seiner Weisheit abhaben könnte! Er redete und redete. Er schnurrte nicht auswendig Gelerntes herunter. Das konnte ich selbst überprüfen und erkennen. Er war genial. Er war sympathisch, sympathisch für Gott. Ob ihn alle sympathisch finden würden, da war ich mir nicht ganz sicher. So etwas Oberlehrerhaftes hatte er schon. Nicht in allen Passagen sprach er mich an. Es würde Menschen geben, Männer vermutlich, die seine Worte alle kapierten und die ihm Widerworte geben könnten oder die mit ihm über das Gesagte diskutieren könnten. Ich war davon weit entfernt. Aber seine Zielgenauigkeit, seine Geradlinigkeit, sein Ernst, über Glaubensdinge zu sprechen, seine nie zu erschütternde Überzeugung, dies alles war für mich gedacht und ich dachte und hoffte, nur für mich. Ach würde er doch nur für mich sprechen. Vielleicht würde er eines Tages nur zu mir sprechen? Da hörte er auf. Hatte er mich gehört oder war sein Text zu Ende? Ich wollte so sein wie er. Würde ich dies je schaffen? Eines Tages würde ich es vielleicht geschafft haben. Wie hieß er? Ich hatte am Anfang des „Wortes zum Sonntag“ nicht aufgepasst. Es war schon spät. Was würde bleiben? Seine Zielgenauigkeit, seine Geradlinigkeit, sein Ernst, über Glaubensdinge zu sprechen, seine nie zu erschütternde Überzeugung.

Ich habe diesen Überzeugungsmoment eine Woche vor meiner Konfirmation immer erinnert. Ich dachte, wenn ich bei ihm konfirmieren würde, was würde er in der Konfirmandenprüfung fragen?

Eine Woche später, am Samstag vor meiner Konfirmation, sprach dieser Geistliche nicht das „Wort zum Sonntag“. Ich hätte mich so gefreut und ich hätte mich geehrt gefühlt, ihn kurz vor meiner Konfirmation zu hören. In den kommenden Wochen war er ebenfalls nicht beim „Wort zum Sonntag“ zu sehen. Ich habe ihn aus den Augen verloren. Ich kann doch nicht jeden Samstagabend nach 22 Uhr vor dem Fernseher sitzen. Das hätte Stress mit meinen Eltern gegeben.

Jahre später sagte ich zu meinem Freund, als ich im Radio gehört hatte, dass Erzbischof Joseph Ratzinger nach Rom berufen worden sei, dass dieser Joseph Ratzinger, dessen Namen und dessen theologische Einstellung ich inzwischen kannte, Papst geworden sei. Mein Freund sagte, das sei unmöglich. Der Papst lebe noch. Erst wenn Papst Johannes Paul II. stürbe, würde es einen neuen Papst geben und ob dies ausgerechnet Joseph Kardinal Ratzinger werden würde, sei sehr fraglich. Auf meine Rückfrage, warum dies fraglich sei, sagte mein Freund, weil es noch viele andere gäbe, die Papst werden wollten.

Im Jahr 1992 hielt ich als Vikarin einen Gottesdienst in der Münchner Lukaskirche, der größten protestantischen Kirche Münchens. Es war das erste Mal, dass ich eine sehr klare und helle Stimme die Choräle mitsingen hörte. Ich dachte, ein junger Mann würde mitsingen. Nach dem Gottesdienst stand eine kleine Gruppe mitten in der Kirche. Ich ging hin und sah einen Mann, schwarz gekleidet, bis oben hin zugeknöpft. Ich erkannte ihn nicht und fragte ihn, wie ihm mein Gottesdienst gefallen habe. „Ihr Gottesdienst?“ Ich verbesserte: „der Gottesdienst“. Er habe ihm gefallen, sagte er. Dann fragte ich ihn, ob jemand gestorben sei. Er antwortete nicht und ging. 

Im April 1993 heiratete meine Schwester einen Mann, dessen Schwager der Sohn von Domkapellmeister Georg Ratzinger ist. Der Regensburger Domkapellmeister Ratzinger stand kurz vor dem Eintritt in den Ruhestand. Sein Bruder Joseph Kardinal Ratzinger war Präfekt der Glaubenskongregation in Rom.

Am 19. April 2005 wurde Joseph Kardinal Ratzinger zum Papst gewählt und nahm den Namen Papst Benedikt XVI. an. In Rom sah ich Papst Benedikt XVI. erstmals bei einer Generalaudienz auf dem Petersplatz am 12. April 2006. In Deutschland sah ich ihn als Papst erstmals bei der Messe am 12. September 2006 auf dem Islinger Feld in Regensburg.

Am Ostersonntag, 23. März 2008, wurde ich kurz vor 10 Uhr unter einem Vorwand von einem vatikanischen Gendarmen vom Petersplatz weg durch das Mittelportal des Petersdoms geführt. Nur wenige Meter entfernt, hielt sich Papst Benedikt XVI. in der Sakristei auf, weil die Ostermesse auf dem Petersplatz genau in diesen Minuten beginnen sollte. Ich hätte ihn vielleicht sehen können, wäre ich nicht in das Gespräch mit dem Gendarmen verwickelt gewesen. Ich versuchte, ihn zu überreden, mich frei gehen zu lassen. Er brachte mich in ein Gebäude der vatikanischen Gendarmerie. Sie setzten mich in einen Flur, in eine Nische, auf ein Sofa vor eine Wand. Gegenüber war das Büro des Leiters der vatikanischen Gendarmerie Alessandro. Die kommenden drei Stunden veränderten mein Leben von Grund auf. Neun Jahre später klassifizierte die Staatsanwaltschaft Regensburg die zehn massiven Körperverletzungen, die mir sechs vatikanische Gendarmen innerhalb der letzten Stunde zugefügt hatten, als Vergewaltigung. Innerlich blutend, geschockt, mit gewaltsam mir zugefügten Verletzungen am ganzen Körper übersät, setzten sie mich um 13 Uhr wieder vor der Glaubenskongregation ab. Ich konnte kaum laufen. Noch heute leide ich täglich unter den Folgen dieser massiven Körperverletzungen, die mir sechs vatikanische Polizisten zufügten. Einen Gerichtsprozess gegen die Täter hat es nie gegeben. Eine finanzielle Entschädigung habe ich nie bekommen. Bis heute habe ich ca. 60.000 Euro selbst gezahlt. Ich konnte mein Zweitstudium nicht beenden, da ich noch nicht einmal einen Löffel halten konnte, um zu essen. Schreiben konnte ich noch zwei Jahre später nicht. Wie hätte ich die Abschlussklausuren für den Diplomabschluss schreiben können? Meine Noten waren so gut, dass ich promovieren hätte können und höchst wahrscheinlich anschließend habilitiert worden wäre. Ich war auf dem Weg zur Professorin und ich war so erfolgreich wie nie vorher in meinem Leben. In den vergangenen 13 Jahren wurde sehr oft ärztliche Hilfe unterlassen. Ich musste jede Arztrechnung und jede Rechnung für Physiotherapie selbst zahlen. In 13 Jahren war ich zwei Jahre ununterbrochen in physiotherapeutischer Behandlung. Die Krankenkasse in kirchlicher Trägerschaft zahlte hinter meinem Rücken angeblich 3.500 Euro. Papst Benedikt XVI. führte sein Pontifikat fort. Papst Benedikt XVI. trat am 28. Februar 2013 zurück. Papst em. Benedikt XVI. ist nun länger im Ruhestand wie seine Amtszeit dauerte. Er hat nie ein Wort über die massiven Misshandlungen, die juristisch als Vergewaltigung angeklagt sind, verloren. Das Strafverfahren ist noch 13 Jahre später offen und nicht bearbeitet. Ich leide bis heute täglich unter den körperlichen Folgen der Gewalttaten vom Ostersonntag, 23. März 2008.

Ich wurde zu Beginn meiner ehrenamtlichen Tätigkeit für die evangelisch-lutherische Kirche in Bayern von einem Pfarrer sexuell belästigt, der wenige Monate später befördert wurde. Ich wurde zu Beginn meiner freiwilligen Tätigkeit für die römisch-katholische Kirche in deren Zentrum im Vatikan vergewaltigt. Die Täter wurden nicht zur Verantwortung gezogen.

Am 14. Juni 2008 stand ich während einer Messe mit Papst Benedikt XVI. im apulischen Santa Maria di Leuca auf und sprach laut die Einsetzungsworte während der Eucharistie mit. Nach der Messe fuhr Papst Benedikt XVI. gemeinsam mit seinem Privatsekretär Monsignore Georg Gänswein im Papamobil direkt an mir vorbei. Diese Messe gilt als erste inoffizielle Feier der „Eucharistischen Ökumene“, eines Projektes, das ich nach meiner Interpretation des Lima-Papiers „Taufe, Eucharistie, Amt“ im Jahr 1984 entwickelt habe.

Am 20. November 2010 kreierte mich Papst Benedikt XVI. während des Konsistoriums im Petersdom in seinem Herzen zur „Cardinale in pectore“. Ich bin die erste protestantische Frau und die erste evangelisch-lutherische Pfarrerin (2010: außer Dienst, 2021: ohne Dienstauftrag), der diese Ehre zu Teil wurde. Am 20. November 2020 konnte ich mein zehnjähriges Jubiläum als Cardinale in pectore mit einer Fotoserie auf meiner Internetseite www.eucharistia.info feiern. Ich freue mich sehr über diesen Ehrentitel, der mir nicht aberkannt werden kann.

Am 12. März 2013 erhielt ich als Cardinale in pectore vier Stimmen im Konklave nach dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI. Dies war 35 Jahre, nachdem ich Erzbischof Joseph Ratzinger erstmals bewusst wahrgenommen habe.

Für den Friedensnobelpreis soll ich vier Mal nominiert gewesen sein: 2009, 2011, 2019 und 2020. Ich habe es jedes Mal unter die ersten Zehn geschafft, habe ich gehört. 

Irgendwann in seinem Pontifikat erkannte ich, dass der Geistliche, den ich am Samstag, 11. März 1978, acht Tage vor meiner Konfirmation, im Fernsehen beim „Wort zum Sonntag“ gesehen hatte, der spätere Papst Benedikt XVI. war. Ich sehe ihn noch heute vor mir, wie er mich vor 43 Jahren mit seiner Zielgenauigkeit, seiner Geradlinigkeit, seinem Ernst, über Glaubensdinge zu sprechen und mit seiner nie zu erschütternden Überzeugung einnahm. Ich hatte mich ein klein wenig verliebt in diesen Geistlichen. Es ist eine große Liebe daraus geworden, die mich nun schon 43 Jahre, einmal mehr, einmal weniger, einmal klarer, einmal verborgener, einmal bewusster, einmal unbewusster trägt. Heute trägt dieser Geistliche den Namen Papst em. Benedikt XVI. Inzwischen habe ich auch seine dunklen Seiten und seine Unfähigkeiten erlebt. Dennoch: Er ist DIE große religiöse Liebe meines Lebens und er wird es immer bleiben. Seinen Platz wird wahrscheinlich nie ein anderer Geistlicher einnehmen. Joseph Ratzinger hat mich geprägt mit seiner Zielgenauigkeit, seiner Geradlinigkeit, seinem Ernst, über Glaubensdinge zu sprechen und mit seiner nie zu erschütternden Überzeugung, dass es Gott gibt.

 

Elke Göß

 

Regensburg, 11. März 2021

update: 12. März 2021

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update: 28. Juli 2021

Installation: 10. Mai 2018

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