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George Kardinal Pell wurde vom höchsten Gericht Australiens in Melbourne vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs freigesprochen

 

George Kardinal Pell ist vom Berufungsgericht des High Court of Australia in Melbourne freigesprochen worden. Die Entscheidung fiel einstimmig. Er darf nach über einem Jahr das Gefängnis sofort verlassen. Richterin Susan Kiefel stellte fest, dass das Gericht nicht von der Unschuld Pells ausgegangen war. Außerdem gab es Mängel in der Aussage eines heute 30-Jährigen, der ausgesagt hatte, Pell hätte ihn und einen anderen Chorknaben fünf bis sechs Minuten lang in der Sakristei nach einer Messe missbraucht. Es sei direkt nach einer Messe kaum glaubwürdig, dass der Missbrauch so lange in der Sakristei stattgefunden haben kann, urteilte das Berufungsgericht.

George Kardinal Pell ist heute 78 Jahre alt. Er war Finanzchef des Vatikans und dessen dritthöchster Vertreter. Der sexuelle Missbrauch soll 1998 stattgefunden haben. Es sind die einzigen beiden Fälle sexuellen Missbrauchs an zwei Chorknaben, die im Leben von George Kardinal Pell bekannt geworden sind. Auch deswegen erschienen die Anschuldigungen fragwürdig zu sein.

Papst Franziskus ging ebenfalls einseitig von der Schuld Kardinal Pells aus, wie man intern hatte hören können. Kardinal Pell war bisher der ranghöchste Geistliche in der römisch-katholischen Kirche, gegen den ein Prozess wegen sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen durchgeführt wurde. Nach über einem Jahr Haft ist er nun wieder frei.

Wer hatte gesagt, dass er wieder freikommt? Wer hatte gesagt, dass er rehabilitiert werden würde? Wer hat an seine Unschuld geglaubt? Wer hat gesagt, dass George Kardinal Pell nicht nur beim letzten Konklave pontifikabel war, sondern dass er beim nächsten Konklave wieder Stimmen bekommen würde?

Papst Johannes Paul II. erhob George Pell als Erzbischof von Sydney 2003 in den Kardinalsstand. Papst Benedikt XVI. beauftragte George Kardinal Pell 2008 mit der Änderung der Apostolischen Konstitution Pastor Bonus, die die Kurienreform vorbereiten sollte. Papst Benedikt XVI., dem ehemaligen Präfekten der Glaubenskongregation, waren  die Anschuldigungen der beiden ehemaligen Chorknaben aus dem Jahr 1998 vor der Berufung Pells im Jahr 2008 bekannt. 1996 hatte sich George Kardinal Pell als Erzbischof von Melbourne für die Verfolgung sexuellen Missbrauchs in der römisch-katholischen Kirche eingesetzt. 2008 warfen ihm mehrere Opfer sexuellen Missbrauchs Vertuschung vor. George Kardinal Pell setzte selbst eine Untersuchungskommission gegen sich als Erzbischof von Sydney ein. Im gleichen Jahr organisierte das Erzbistum Sydney unter seiner Leitung den Weltjugendtag.

Von April 2013 bis Oktober 2018 war George Kardinal Pell Mitglied im Kardinalsrat, der Papst Franziskus kontinuierlich berät.

Als im Vatikan 2018 langsam das Damoklesschwert auf George Kardinal Pell zu sinken drohte, war ich es, die die Meinung vertrat, dass er einen bevorstehenden Prozess überstehen würde und dass er als freier und freigesprochener Mann sein Leben beenden können würde. Ich erinnere mich noch sehr genau daran. Es war in der Karwoche 2018. Nun ist wieder eine Karwoche gekommen und Kardinal Pell ist frei. Sie haben nicht Barrabas stattdessen freigelassen. George Kardinal Pell wird nun in den Vatikan zurückkehren dürfen. Er wird wieder in die Gemeinschaft der Kardinäle aufgenommen werden. Er wird viel davon zu erzählen haben, wie es war, über ein Jahr in Haft zu sitzen. Ich nehme an, dass sich Papst Franziskus bei ihm entschuldigen muss.

Für einen könnte es nun wieder eng werden. Reinhard Kardinal Marx hatte George Kardinal Pell, beide von Papst Franziskus als Finanzexperten berufen, immer wieder von seinem Posten zu verdrängen gesucht. Vielleicht trübte dies das Urteilsvermögen von Papst Franziskus in dieser Personalie. Immerhin hat Papst Franziskus George Kardinal Pell seine Würde und seine Rechte nicht aberkannt, bevor nicht das allerletzte australische Berufungsgericht seine Arbeit getan hatte.

Ich freue mich außerordentlich, dass George Kardinal Pell nun freikommt. Ich kann das Gefühl, wieder in Freiheit zu sein und Recht bekommen zu haben, gut nachvollziehen. Ich freue mich außerordentlich, wenn ich daran denke, dass George Kardinal Pell wieder seine ersten Schritte im Vatikan machen wird. Es ist unglaublich. Nach über 22 Jahren fällt die schwere Last endgültig auf seinen Schultern ab. Und ich freue mich außerordentlich, dass ich Recht behalten habe (und Papst Franziskus sich geirrt hat). George Kardinal Pell galt als pontifikabel. Er ist ein Befürworter der „Eucharistischen Ökumene“. Man setzt ungern auf einen Mann, der dann so haushoch verliert. George Kardinal Pell hat gewonnen. Er hat seine Freiheit gewonnen und er hat seine Unschuld wieder. Ein schöneres Osterfest könnte es für ihn nicht geben. Auguri, Cardinale Pell! A presto à Roma (dopo Corona). Buona Pasqua!

 

Elke Göß

 

7. April 2020

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update: 3. Mai 2020

Installation: 10. Mai 2018

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